Röntgen des Brustkorbs: Was kann man erkennen?

Ein Röntgen des Brustkorbs, häufig auch Röntgen-Thorax genannt, gehört zu den häufigsten Röntgenuntersuchungen. Auf den Aufnahmen lassen sich vor allem Lunge, Herz, Rippen, Zwerchfell und bestimmte Veränderungen im Brustraum beurteilen. Ein Röntgenbild kann beispielsweise Hinweise auf eine Lungenentzündung, Flüssigkeit um die Lunge oder einen Pneumothorax geben. Gleichzeitig hat die Untersuchung klare Grenzen: Kleine Veränderungen oder bestimmte Erkrankungen können trotz unauffälligem Röntgenbild vorhanden sein.

Was ist ein Röntgen-Thorax?

Der medizinische Begriff Thorax (Brustkorb) bezeichnet den Bereich zwischen Hals und Oberbauch. Ein Röntgen-Thorax ist somit eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbs.

Röntgenstrahlen durchdringen den Körper unterschiedlich stark. Luft in der Lunge lässt vergleichsweise viel Strahlung passieren und erscheint deshalb auf dem Röntgenbild dunkel. Knochen schwächen die Strahlung stärker ab und erscheinen hell. Herz, Gefässe und andere Weichteile werden in unterschiedlichen Graustufen dargestellt.

Gerade dieser starke Unterschied zwischen der luftgefüllten Lunge und den umgebenden Geweben macht den Brustkorb für die klassische Röntgendiagnostik besonders geeignet.

Welche Strukturen kann man auf einem Röntgenbild des Brustkorbs sehen?

Auf einem Röntgen-Thorax werden zahlreiche anatomische Strukturen gleichzeitig dargestellt. Dazu gehören insbesondere:

  • beide Lungen,
  • Herz und Herzsilhouette,
  • grössere Gefässe im Brustkorb,
  • Zwerchfell,
  • Rippen und teilweise weitere Knochen,
  • Mediastinum (Raum zwischen den beiden Lungen),
  • Pleura (Brustfell, das Lunge und Brustwand überzieht) und
  • Weichteile der Brustwand.

Allerdings sind nicht alle diese Strukturen gleich detailliert erkennbar. Das Röntgenbild ist eine zweidimensionale Projektion des dreidimensionalen Brustkorbs. Dadurch können sich verschiedene Strukturen überlagern.

Warum werden meistens zwei Aufnahmen gemacht?

Wenn es der Zustand der Patientin oder des Patienten erlaubt, wird der Brustkorb häufig aus zwei Richtungen aufgenommen.

Bei der p.-a.-Aufnahme (Aufnahme von hinten nach vorne) steht die Patientin oder der Patient mit der Brust am Detektor. Die Röntgenstrahlung durchdringt den Körper vom Rücken in Richtung Brust.

Zusätzlich kann eine seitliche Aufnahme angefertigt werden. Dadurch lassen sich Veränderungen räumlich besser zuordnen und Bereiche beurteilen, die in einer einzelnen Projektion durch Herz, Wirbelsäule oder andere Strukturen überlagert werden.

Bei schwer kranken oder nicht stehfähigen Patientinnen und Patienten kann stattdessen eine Aufnahme im Liegen oder Sitzen erforderlich sein.

Warum sollte der Röntgen-Thorax möglichst im Stehen aufgenommen werden?

Wenn es der Gesundheitszustand erlaubt, wird ein Röntgen des Brustkorbs möglichst im Stehen und in p.-a.-Projektion (Röntgenstrahlung verläuft vom Rücken zur Brust) angefertigt. Diese Aufnahmetechnik ermöglicht eine besonders zuverlässige Beurteilung von Lunge, Herz und Brustraum.

Bei schwer kranken oder nicht stehfähigen Patientinnen und Patienten muss die Aufnahme dagegen häufig im Liegen erfolgen. Dabei wird meist eine a.-p.-Aufnahme (Röntgenstrahlung verläuft von vorne nach hinten) angefertigt. Ein solches Bild kann deutlich anders aussehen, obwohl sich der tatsächliche Zustand von Herz und Lunge nicht verändert hat.

Warum kann das Herz im Liegen grösser erscheinen?

Bei einer p.-a.-Aufnahme im Stehen befindet sich das Herz relativ nahe am Detektor. Dadurch wird seine Grösse vergleichsweise naturgetreu dargestellt.

Bei einer a.-p.-Aufnahme im Liegen liegt das Herz dagegen weiter vom Detektor entfernt. Durch diese Projektionsvergrösserung (scheinbare Vergrösserung eines Organs aufgrund der Aufnahmegeometrie) kann die Herzsilhouette breiter erscheinen. Zusätzlich können die geringere Einatmungstiefe und die liegende Körperposition diesen Eindruck verstärken.

Ein auf einer Liegendaufnahme scheinbar vergrössertes Herz bedeutet deshalb nicht automatisch, dass tatsächlich eine Kardiomegalie (Vergrösserung des Herzens) vorliegt.

Warum kann auch die Lunge im Liegen anders aussehen?

Auch die Blutverteilung in der Lunge verändert sich mit der Körperposition. Im Stehen beeinflusst die Schwerkraft die Verteilung des Blutes innerhalb der Lungengefässe. Im Liegen verteilt sich das Blut gleichmässiger zwischen den verschiedenen Lungenabschnitten.

Dadurch können die Lungengefässe auf einer Liegendaufnahme stärker beziehungsweise voller erscheinen. Zusammen mit einer häufig geringeren Einatmungstiefe kann dadurch der Eindruck einer verstärkten Lungengefässzeichnung oder einer pulmonalen Stauung (vermehrte Blut- und Flüssigkeitsfüllung der Lunge beispielsweise bei Herzschwäche) entstehen oder verstärkt werden.

Deshalb dürfen Zeichen einer möglichen Herzvergrösserung oder Lungenstauung auf einer Liegendaufnahme nicht ohne Berücksichtigung der Aufnahmetechnik beurteilt werden.

Was kann im Stehen zusätzlich besser erkannt werden?

Die stehende Aufnahme hat noch weitere Vorteile. Die Lunge kann sich bei tiefer Einatmung besser entfalten. Ausserdem sammelt sich freie Flüssigkeit im Pleuraspalt (Raum zwischen Lunge und Brustwand) aufgrund der Schwerkraft bevorzugt in den unteren Bereichen und lässt sich dadurch häufig besser erkennen.

Auch freie Luft im Brustraum kann sich abhängig von der Körperposition unterschiedlich verteilen. Die Position der Patientin oder des Patienten ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Interpretation eines Röntgenbildes.

Liegendaufnahme bedeutet nicht schlechtere Untersuchung

Eine Röntgenaufnahme im Liegen wird normalerweise nicht deshalb angefertigt, weil diese Technik bevorzugt wird, sondern weil die Patientin oder der Patient aufgrund einer schweren Erkrankung, nach einer Operation oder nach einem Unfall nicht sicher stehen kann.

Radiologinnen und Radiologen berücksichtigen diese Unterschiede bei der Befundung. Deshalb ist die Information, ob eine Aufnahme im Stehen, Sitzen oder Liegen angefertigt wurde, für die Interpretation des Röntgenbildes wichtig.

Vergleich eines Röntgen-Thorax im Liegen und Stehen beim gleichen Patienten

Kann man eine Lungenentzündung im Röntgen erkennen?

Eine Pneumonie (Lungenentzündung) kann im Röntgen-Thorax Veränderungen verursachen. Entzündlich verändertes Lungengewebe enthält weniger Luft und mehr Flüssigkeit beziehungsweise Entzündungszellen. Dadurch kann es im Röntgenbild heller erscheinen.

Radiologinnen und Radiologen sprechen beispielsweise von einem Infiltrat (verdichteter Bereich des Lungengewebes, der unter anderem durch eine Entzündung entstehen kann).

Ein Röntgenbild kann jedoch nicht allein sicher bestimmen, welcher Erreger eine Lungenentzündung verursacht hat. Zudem kann eine frühe oder kleine Pneumonie im Röntgen noch unauffällig sein.

Kann man Flüssigkeit um die Lunge erkennen?

Ja. Ein Pleuraerguss (Flüssigkeitsansammlung zwischen Lunge und Brustwand) gehört zu den Veränderungen, die im Röntgen-Thorax häufig erkannt werden können.

Grössere Flüssigkeitsmengen führen typischerweise zu einer Verschattung der unteren Lungenabschnitte und verändern die normalerweise scharf erkennbaren Übergänge zwischen Lunge und Zwerchfell.

Kleine Pleuraergüsse können dagegen im Röntgenbild verborgen bleiben. Ultraschall kann bereits geringe Flüssigkeitsmengen sehr empfindlich darstellen und wird deshalb häufig ergänzend eingesetzt.

Was ist ein Pneumothorax und sieht man ihn im Röntgen?

Bei einem Pneumothorax (Luftansammlung zwischen Lunge und Brustwand) gelangt Luft in den Pleuraspalt. Dadurch kann sich die Lunge teilweise oder vollständig zusammenziehen.

Ein Pneumothorax kann im Röntgenbild häufig erkannt werden. Typischerweise ist eine feine Begrenzung der zusammengezogenen Lunge sichtbar, während ausserhalb dieser Linie die normale Lungenzeichnung fehlt.

Sehr kleine Pneumothoraces können allerdings insbesondere bei bestimmten Aufnahmepositionen schwer erkennbar sein. Bei entsprechender klinischer Situation können Ultraschall oder CT empfindlicher sein.

Kann man Lungenkrebs oder Metastasen im Röntgen erkennen?

Ein Lungenkarzinom (bösartiger Tumor der Lunge) kann auf einem Röntgenbild sichtbar sein, wenn es ausreichend gross ist und sich gegenüber den umgebenden Strukturen abgrenzt.

Eine umschriebene Veränderung wird beispielsweise als Rundherd (annähernd rundliche Verdichtung innerhalb der Lunge) bezeichnet.

Allerdings können kleinere Tumoren durch Rippen, Herz, Zwerchfell oder Gefässe verdeckt werden. Deshalb kann ein unauffälliger Röntgen-Thorax einen kleinen Lungentumor nicht zuverlässig ausschliessen.

Auch Metastasen (Tochtergeschwülste eines bösartigen Tumors) können in der Lunge einzelne oder mehrere Rundherde verursachen. Grössere Metastasen können im Röntgen sichtbar sein, kleine Veränderungen lassen sich mit einer CT jedoch wesentlich zuverlässiger erkennen.

Was kann man über das Herz erkennen?

Auf einem Röntgenbild des Brustkorbs lässt sich die äussere Kontur des Herzens beurteilen. Dadurch kann beispielsweise auffallen, dass das Herz vergrössert erscheint.

Eine Kardiomegalie kann verschiedene Ursachen haben. Das Röntgenbild zeigt jedoch nicht direkt, wie gut der Herzmuskel arbeitet oder welche Herzkammer betroffen ist.

Für die genauere Beurteilung von Herzfunktion und Herzklappen ist beispielsweise die Echokardiografie (Ultraschalluntersuchung des Herzens) wesentlich geeigneter.

Kann man eine Herzschwäche im Röntgen erkennen?

Eine Herzinsuffizienz (Herzschwäche mit unzureichender Pumpleistung) kann Veränderungen im Brustkorb verursachen, die im Röntgen sichtbar werden.

Dazu gehören beispielsweise eine Vergrösserung des Herzens, Veränderungen der Lungengefässe, Flüssigkeit im Lungengewebe oder Pleuraergüsse.

Ein Lungenödem (Flüssigkeitsansammlung im Lungengewebe) kann bei ausgeprägter Herzschwäche charakteristische Verschattungen verursachen.

Das Röntgenbild allein reicht jedoch nicht aus, um die Herzfunktion zuverlässig zu beurteilen. Dafür werden klinische Befunde, Laborwerte und insbesondere die Echokardiografie herangezogen.

Kann man eine Lungenembolie im Röntgen erkennen?

Eine Lungenembolie (Verschluss einer Lungenarterie meist durch ein Blutgerinnsel) kann mit einem normalen Röntgen-Thorax nicht zuverlässig diagnostiziert oder ausgeschlossen werden.

Das Röntgenbild kann bei einer Lungenembolie sogar völlig unauffällig sein. Gelegentlich finden sich unspezifische Veränderungen, die jedoch nicht ausreichen, um die Diagnose zu stellen.

Bei entsprechendem Verdacht wird deshalb häufig eine CT-Angiografie (CT-Untersuchung der Blutgefässe mit Kontrastmittel) der Lungenarterien durchgeführt.

Kann man COPD oder ein Lungenemphysem erkennen?

Bei einer COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung mit dauerhafter Verengung der Atemwege) können im Röntgen-Thorax bestimmte Veränderungen sichtbar sein.

Ein Lungenemphysem (dauerhafte Überblähung und Schädigung der Lungenbläschen) kann beispielsweise zu einer vermehrten Luftfüllung der Lunge, einem tieferen Stand des Zwerchfells und anderen Veränderungen der Brustkorbform führen.

Ein normales Röntgenbild schliesst eine frühe COPD jedoch nicht aus. Für die Diagnose und Beurteilung der Lungenfunktion sind insbesondere Lungenfunktionstests wichtig. Eine CT kann strukturelle Veränderungen des Lungengewebes wesentlich detaillierter darstellen.

Kann man eine Lungenfibrose im Röntgen erkennen?

Bei einer Lungenfibrose (krankhafte Vermehrung von Bindegewebe mit Vernarbung des Lungengewebes) können im Röntgenbild netzartige oder andere Veränderungen der Lungenstruktur auftreten.

Frühe oder geringe Veränderungen können jedoch übersehen werden. Für die genaue Beurteilung einer vermuteten interstitiellen Lungenerkrankung (Erkrankung des Gewebes zwischen den Lungenbläschen) ist eine hochauflösende CT deutlich empfindlicher und detaillierter.

Kann man Tuberkulose im Röntgen erkennen?

Eine Tuberkulose (durch bestimmte Bakterien verursachte Infektionskrankheit, die häufig die Lunge betrifft) kann typische, aber nicht immer eindeutige Veränderungen im Röntgen-Thorax verursachen.

Dazu können bestimmte Verdichtungen, kleine Herde oder Kavernen (durch Gewebezerfall entstandene Hohlräume in der Lunge) gehören.

Das Röntgenbild allein beweist jedoch keine Tuberkulose. Für die Diagnose sind weitere Untersuchungen erforderlich.

Was sieht man an Rippen und Knochen?

Auch Rippen, Schlüsselbeine, Schulterblätter und Teile der Wirbelsäule sind auf einem Röntgen-Thorax sichtbar.

Das bedeutet jedoch nicht, dass eine normale Thoraxaufnahme die optimale Untersuchung für alle Knochenverletzungen ist. Feine Rippenfrakturen (Rippenbrüche) können beispielsweise im Röntgenbild verborgen bleiben.

Wenn eine genaue Beurteilung der Knochen entscheidend ist, können spezielle Röntgenaufnahmen oder eine CT erforderlich sein.

Kann man die Aorta im Röntgenbild sehen?

Teile der Aorta (grösste Schlagader des Körpers) bilden auf dem Röntgenbild sichtbare Konturen.

Dadurch können beispielsweise bestimmte Veränderungen der Form oder eine Erweiterung auffallen. Eine genaue Beurteilung der Gefässwand oder der inneren Struktur der Aorta ist mit einem normalen Röntgenbild jedoch nicht möglich.

Bei Verdacht auf eine akute Erkrankung der Aorta kann je nach Situation beispielsweise eine CT-Angiografie erforderlich sein.

Was bedeutet eine „Verschattung“ im Röntgenbild?

Der Begriff Verschattung (Bereich, der auf dem Röntgenbild heller erscheint als erwartet) beschreibt zunächst nur eine radiologische Beobachtung und ist noch keine Diagnose.

Eine Verschattung kann sehr unterschiedliche Ursachen haben, beispielsweise:

  • eine Lungenentzündung,
  • Flüssigkeit,
  • eine Minderbelüftung der Lunge,
  • einen Tumor oder
  • Überlagerungen normaler anatomischer Strukturen.

Deshalb muss eine Verschattung immer hinsichtlich Lage, Form und Begleitveränderungen beurteilt und mit Beschwerden sowie Voraufnahmen verglichen werden.

Was ist eine Atelektase?

Eine Atelektase (nicht oder nicht ausreichend belüfteter Abschnitt der Lunge) kann im Röntgenbild als Verdichtung erscheinen.

Zusätzlich können sich andere Strukturen in Richtung des betroffenen Lungenabschnitts verlagern, weil dort Volumen verloren gegangen ist.

Atelektasen können sehr unterschiedliche Ursachen haben. Je nach Ausmass und klinischer Situation kann eine weiterführende Untersuchung erforderlich sein.

Warum sind frühere Röntgenbilder so wichtig?

Der Vergleich mit früheren Aufnahmen kann bei der Beurteilung eines Röntgen-Thorax sehr hilfreich sein.

Eine Veränderung, die seit vielen Jahren unverändert besteht, wird möglicherweise anders beurteilt als eine neu aufgetretene Veränderung. Umgekehrt kann eine kleine Veränderung erst dadurch auffallen, dass sie auf einer früheren Aufnahme noch nicht vorhanden war.

Wenn Voraufnahmen verfügbar sind, sollten sie deshalb möglichst zum Vergleich herangezogen werden.

Was kann ein Röntgen-Thorax nicht zuverlässig zeigen?

Obwohl die Untersuchung sehr viele Informationen liefert, besitzt sie klare Grenzen.

Ein Röntgen-Thorax kann beispielsweise nicht zuverlässig ausschliessen:

  • kleine Lungentumoren,
  • kleine Lungenmetastasen,
  • eine Lungenembolie,
  • frühe interstitielle Lungenerkrankungen,
  • kleine Pneumothoraces,
  • sehr kleine Pleuraergüsse und
  • bestimmte frühe Lungenentzündungen.

Ein wichtiger Grund dafür ist die Überlagerung: Ein kleiner Lungenherd kann beispielsweise hinter einer Rippe, dem Herzen, dem Zwerchfell oder einem grösseren Gefäss verborgen sein. Diese Überlagerung (Darstellung mehrerer hintereinanderliegender Strukturen an derselben Stelle des Röntgenbildes) gehört zu den wichtigsten Grenzen der klassischen Radiografie.

Wann ist nach dem Röntgen eine CT sinnvoll?

Eine CT ist nicht automatisch erforderlich, wenn ein Röntgen-Thorax durchgeführt wurde.

Sie kann jedoch sinnvoll sein, wenn:

  • eine auffällige Veränderung genauer untersucht werden muss,
  • Beschwerden trotz unauffälligem Röntgenbild nicht ausreichend erklärt sind,
  • kleine Lungenveränderungen gesucht werden,
  • eine Lungenembolie vermutet wird,
  • eine Erkrankung des Lungengewebes genauer charakterisiert werden muss oder
  • komplexe Veränderungen von Lunge, Pleura oder Mediastinum beurteilt werden sollen.

Die CT erzeugt Schnittbilder des Körpers und reduziert dadurch einen grossen Teil der Überlagerungen, die beim normalen Röntgenbild entstehen. Sie liefert wesentlich detailliertere Informationen, geht jedoch normalerweise mit einer höheren Strahlenexposition einher.

Wie hoch ist die Strahlenbelastung beim Röntgen-Thorax?

Die Strahlenexposition eines modernen Röntgen-Thorax ist vergleichsweise gering.

Als grober Orientierungswert wird für eine Untersuchung des Brustkorbs bei Erwachsenen häufig eine effektive Dosis von ungefähr 0,1 Millisievert (mSv) angegeben. Die tatsächliche Dosis hängt jedoch von Aufnahmetechnik, Anzahl der Aufnahmen, Körperbau und Gerät ab.

Die effektive Dosis (berechnete Grösse zur Einordnung des mit einer Strahlenexposition verbundenen langfristigen Risikos) ermöglicht einen ungefähren Vergleich verschiedener Untersuchungen.

Die Strahlenbelastung und ihre Einordnung erklären wir ausführlich in unserem eigenen Beitrag „Wie hoch ist die Strahlenbelastung beim Röntgen?“.

Röntgen des Brustkorbs: Was kann man erkennen?

Fragestellung Aussage des Röntgen-Thorax
Lungenentzündung häufig erkennbar, frühe Veränderungen können fehlen
Pleuraerguss grössere Ergüsse meist gut erkennbar
Pneumothorax häufig erkennbar, kleine Befunde können verborgen bleiben
Lungenödem häufig charakteristische Veränderungen
Herzgrösse abschätzbar, abhängig von der Aufnahmetechnik
Lungentumor grössere Veränderungen können sichtbar sein
Kleine Lungenherde nicht zuverlässig auszuschliessen
Lungenembolie nicht zuverlässig diagnostizierbar oder auszuschliessen
Lungenfibrose fortgeschrittene Veränderungen möglich, CT empfindlicher
Rippenfraktur kann sichtbar sein, feine Frakturen können übersehen werden

Die Tabelle dient der Orientierung. Die tatsächliche Aussagekraft hängt immer von der konkreten Fragestellung, der Qualität der Aufnahme und der individuellen Situation ab.

Fazit

Ein Röntgen des Brustkorbs ist eine schnelle und bewährte Untersuchung, die wichtige Informationen über Lunge, Herz und andere Strukturen im Brustraum liefert. Lungenentzündungen, Pleuraergüsse, Pneumothoraces, Lungenstauung und zahlreiche weitere Veränderungen können damit erkannt werden.

Gleichzeitig besitzt die Untersuchung klare Grenzen. Kleine Tumoren, Lungenembolien und frühe Veränderungen des Lungengewebes können trotz unauffälligem Röntgenbild vorhanden sein.

Entscheidend ist deshalb nicht nur, was auf einem Röntgenbild zu sehen ist, sondern ob die konkrete medizinische Fragestellung damit zuverlässig beantwortet werden kann. Wenn dies nicht möglich ist, kann insbesondere eine CT zusätzliche Informationen liefern.

Quellen und weiterführende Informationen

  • European Society of Radiology (ESR): Empfehlungen und Patienteninformationen zur konventionellen Thoraxbildgebung und weiterführenden radiologischen Diagnostik.
  • American College of Radiology (ACR) / Radiological Society of North America (RSNA): RadiologyInfo – Chest X-ray.
  • American College of Radiology (ACR): Appropriateness Criteria – Dyspnea und Acute Respiratory Illness in Immunocompetent Patients.
  • British Thoracic Society (BTS): Leitlinien und Empfehlungen zur Diagnostik häufiger thorakaler Erkrankungen.
  • European Respiratory Society (ERS): Leitlinien und Empfehlungen zur bildgebenden Diagnostik pulmonaler Erkrankungen.
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