Bauchschmerzen können zahlreiche Ursachen haben. Magen und Darm, Gallenblase und Gallenwege, Bauchspeicheldrüse, Nieren und Harnwege sowie weitere Organe kommen als Ausgangspunkt infrage. Welche bildgebende Diagnostik bei Bauchschmerzen sinnvoll ist, hängt deshalb nicht allein vom Symptom ab. Entscheidend sind unter anderem Schmerzort, Beginn und Verlauf, Begleitsymptome, Alter sowie die Ergebnisse der klinischen Untersuchung und der Laboruntersuchungen.
Bauchschmerzen: Was entscheidet über die bildgebende Diagnostik?
Bei Bauchschmerzen gibt es keine bildgebende Untersuchung, die für alle Situationen gleichermassen geeignet ist. Bevor Ultraschall, CT oder MRI zum Einsatz kommen, muss die klinische Situation möglichst genau eingeordnet werden.
Wichtige Fragen sind beispielsweise:
- Wo genau befinden sich die Schmerzen?
- Sind sie plötzlich oder allmählich aufgetreten?
- Sind die Schmerzen dauerhaft oder kolikartig?
- Bestehen Fieber, Übelkeit oder Erbrechen?
- Gibt es Veränderungen von Stuhlgang oder Wasserlassen?
- Besteht eine Schwangerschaft?
- Gab es frühere Operationen oder bekannte Erkrankungen?
Zusammen mit der körperlichen Untersuchung sowie Blut- und gegebenenfalls Urinuntersuchungen ergibt sich daraus eine Verdachtsdiagnose. Diese bestimmt wesentlich, welche Bildgebung die medizinische Frage am besten beantworten kann.
Der Schmerzort gibt wichtige Hinweise
Die Lokalisation der Beschwerden hilft bei der Auswahl der Bildgebung, erlaubt allein jedoch keine sichere Diagnose.
Rechter Oberbauch: Erkrankungen der Gallenblase und Gallenwege gehören zu den wichtigen möglichen Ursachen. Bei Verdacht auf eine biliäre Erkrankung (Erkrankung der Gallenblase oder Gallenwege) ist Ultraschall in der Regel die erste bildgebende Untersuchung. Mehr dazu im Beitrag „Gallensteine: Welche bildgebende Diagnostik?“.
Rechter Unterbauch: Eine wichtige mögliche Ursache ist die Appendizitis (Entzündung des Wurmfortsatzes des Blinddarms). Die Wahl zwischen Ultraschall, CT und MRI hängt unter anderem von Alter, Schwangerschaft und klinischer Situation ab.
Linker Unterbauch: Bei Erwachsenen kann beispielsweise eine Divertikulitis (Entzündung kleiner Ausstülpungen der Dickdarmwand) Beschwerden verursachen. Bei entsprechender klinischer Fragestellung besitzt die kontrastverstärkte CT von Abdomen und Becken einen hohen Stellenwert.
Oberbauch: Beschwerden können unter anderem vom Magen-Darm-Trakt, der Bauchspeicheldrüse, den Gallenwegen, der Leber oder anderen benachbarten Strukturen ausgehen.
Flanke und seitlicher Bauch: Auch Nieren und Harnwege kommen als Ursache infrage. Bei kolikartigen Flankenschmerzen und Verdacht auf einen Harnleiterstein gelten eigene diagnostische Empfehlungen. Diese erläutern wir im Beitrag „Flankenschmerzen: Welche bildgebende Diagnostik?“.
Erkrankungen können allerdings atypische Beschwerden verursachen. Der Schmerzort ist deshalb immer nur ein Teil der diagnostischen Einordnung.
Ultraschall bei Bauchschmerzen: Wann ist er besonders sinnvoll?
Der Ultraschall des Abdomens (Ultraschalluntersuchung des Bauchraums) arbeitet ohne ionisierende Strahlung und ermöglicht eine unmittelbare Untersuchung verschiedener Bauchorgane. Seine Bedeutung hängt stark von der klinischen Fragestellung ab.
Besonders wichtig ist Ultraschall bei Erkrankungen der Gallenblase und Gallenwege. Auch Leber, Nieren, Harnblase, Milz und verschiedene andere Strukturen lassen sich sonografisch untersuchen. Ein Harnstau (Aufweitung der Harnwege durch behinderten Urinabfluss) oder freie Flüssigkeit im Bauchraum kann ebenfalls erkennbar sein.
Bei bestimmten Fragestellungen lassen sich auch Darmabschnitte und die Appendix (Wurmfortsatz des Blinddarms) beurteilen. Die Aussagekraft hängt dabei unter anderem von der Erfahrung der untersuchenden Person, dem Körperbau und der Lage der betreffenden Strukturen ab.
Warum reicht Ultraschall manchmal nicht aus?
Luft im Magen-Darm-Trakt erschwert die Ausbreitung der Ultraschallwellen. Dadurch können tiefer gelegene Strukturen oder bestimmte Darmabschnitte nur eingeschränkt einsehbar sein.
Auch die Bauchspeicheldrüse lässt sich bei ungünstigen Untersuchungsbedingungen teilweise nicht vollständig darstellen. Bei unklaren akuten Bauchschmerzen kann zudem ein schneller Überblick über den gesamten Bauch- und Beckenraum erforderlich sein.
Ein unauffälliger Ultraschall schliesst deshalb nicht grundsätzlich eine relevante Erkrankung aus. Wenn klinischer Befund und Beschwerden weiterhin auf eine behandlungsbedürftige Ursache hinweisen, kann eine weiterführende Bildgebung notwendig sein.
CT bei akuten unklaren Bauchschmerzen
Die CT von Abdomen und Becken besitzt bei Erwachsenen insbesondere bei akuten, nicht eindeutig lokalisierten oder klinisch schwer einzuordnenden Bauchschmerzen einen hohen Stellenwert.
Sie kann innerhalb kurzer Zeit grosse Bereiche des Bauch- und Beckenraums erfassen und gleichzeitig unterschiedliche mögliche Ursachen untersuchen.
Die CT kann beispielsweise entzündliche Veränderungen, einen Darmverschluss (Blockierung der normalen Darmpassage), eine Perforation (Durchbruch der Wand eines Hohlorgans), Abszesse (abgekapselte Eiteransammlungen) und zahlreiche andere akute Erkrankungen darstellen.
Welche CT-Untersuchung sinnvoll ist, richtet sich nach der klinischen Situation und der vermuteten Erkrankung.
CT mit oder ohne Kontrastmittel?
Ob intravenöses Kontrastmittel erforderlich ist, hängt von der vermuteten Erkrankung ab. Bei zahlreichen entzündlichen und vaskulären Fragestellungen verbessert intravenöses Kontrastmittel die Beurteilung von Organen, Darmwand und Blutgefässen.
Es gibt jedoch wichtige Ausnahmen. Bei der gezielten Suche nach einem Harnleiterstein erfolgt die CT beispielsweise üblicherweise ohne intravenöses Kontrastmittel.
Auch Untersuchungsbereich und Zeitpunkt der Aufnahmen nach Kontrastmittelgabe richten sich nach der medizinischen Fragestellung. Eine CT des Abdomens wird deshalb nicht bei allen Patientinnen und Patienten nach demselben Protokoll durchgeführt. Grundlegende Informationen dazu finden Sie im Beitrag „CT-Kontrastmittel“.
Rechter Oberbauch: Ultraschall bei Verdacht auf Gallensteine
Bei Schmerzen im rechten Oberbauch und Verdacht auf eine Erkrankung der Gallenblase oder Gallenwege ist Ultraschall besonders wichtig.
Er kann Gallensteine sowie typische Veränderungen bei einer akuten Cholezystitis (Entzündung der Gallenblase) darstellen. Auch eine Erweiterung der Gallenwege lässt sich sonografisch erkennen.
Bleiben diagnostische Fragen offen, richtet sich die weitere Untersuchung danach, ob beispielsweise eine Entzündung, eine Abflussbehinderung der Gallenwege oder eine andere Ursache vermutet wird. Dann können CT, MRI beziehungsweise MRCP oder andere Verfahren folgen.
Rechter Unterbauch und Verdacht auf Appendizitis
Bei Schmerzen im rechten Unterbauch gehört die Appendizitis zu den wichtigen möglichen Ursachen.
Bei Erwachsenen besitzt die CT von Abdomen und Becken eine hohe diagnostische Aussagekraft. Welche Untersuchung tatsächlich eingesetzt wird, hängt jedoch von der individuellen klinischen Situation ab.
Bei Kindern steht dagegen der Ultraschall im Vordergrund. Auch während der Schwangerschaft werden Verfahren ohne ionisierende Strahlung bevorzugt. Wenn Ultraschall die Ursache nicht ausreichend klärt, kann insbesondere das MRI eine wichtige weiterführende Untersuchung darstellen.
Linker Unterbauch und Verdacht auf Divertikulitis
Bei Erwachsenen können Schmerzen im linken Unterbauch unter anderem durch eine Divertikulitis verursacht werden.
Bei entsprechender klinischer Fragestellung besitzt die CT von Abdomen und Becken mit intravenösem Kontrastmittel einen hohen Stellenwert.
Sie kann nicht nur die entzündlichen Veränderungen des Dickdarms darstellen, sondern auch mögliche Komplikationen wie einen Abszess oder eine Perforation erkennen.
Bauchschmerzen und Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse
Bei Verdacht auf eine akute Pankreatitis (akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse) bilden Beschwerden und Laborwerte wesentliche Grundlagen der Diagnose. Eine CT ist bei typischer klinischer und laborchemischer Konstellation nicht automatisch unmittelbar erforderlich.
Bildgebung gewinnt insbesondere dann an Bedeutung, wenn die Diagnose unklar bleibt, ein komplizierter Verlauf vermutet wird oder Komplikationen beurteilt werden müssen.
Ultraschall kann insbesondere bei der Suche nach Gallensteinen als möglicher Ursache hilfreich sein. Abhängig von der Fragestellung können kontrastverstärkte CT und MRI beziehungsweise MRCP zusätzliche Informationen liefern.
Welche Rolle spielt das MRI bei Bauchschmerzen?
Das MRI des Abdomens bietet einen hohen Weichteilkontrast (gute Unterscheidbarkeit verschiedener weicher Gewebe) und arbeitet ohne ionisierende Strahlung.
Bei vielen akuten Fragestellungen erwachsener Patientinnen und Patienten ist es jedoch nicht automatisch die erste Untersuchung. Verfügbarkeit, Untersuchungsdauer und die konkrete klinische Situation beeinflussen die Entscheidung.
Für ausgewählte Fragestellungen besitzt das MRI besondere Stärken. Dazu gehören beispielsweise Untersuchungen von Leber, Gallenwegen, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm.
Mit der MRCP (spezielle MRI-Technik zur Darstellung der Gallenwege und des Pankreasgangs) lassen sich Gallenwege und Pankreasgang nicht invasiv darstellen.
Eine MR-Enterografie (spezielle MRI-Untersuchung des Dünndarms) ermöglicht eine detaillierte Beurteilung des Dünndarms und spielt insbesondere bei bestimmten chronischen Darmerkrankungen eine Rolle.
Bauchschmerzen und Darmerkrankungen
Welche Bildgebung bei Erkrankungen des Darms geeignet ist, hängt stark von der vermuteten Ursache ab.
Bei akuten Erkrankungen wie Divertikulitis, Darmverschluss, Perforation oder anderen Komplikationen besitzt die CT bei Erwachsenen häufig einen hohen Stellenwert.
Ultraschall kann bei bestimmten lokalisierten entzündlichen Darmveränderungen ebenfalls aussagekräftig sein. Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (langandauernden entzündlichen Erkrankungen des Darms wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa) kommen je nach Fragestellung spezialisierte Verfahren wie Darmultraschall oder MR-Enterografie zum Einsatz.
Die Wahl der Methode orientiert sich deshalb nicht allein am betroffenen Organ, sondern auch daran, ob eine akute Notfallsituation oder eine chronische Erkrankung abgeklärt werden soll.
Bauchschmerzen bei Kindern: Ultraschall zuerst
Bei Kindern und Jugendlichen gelten andere Schwerpunkte als bei Erwachsenen. Wenn eine bildgebende Untersuchung erforderlich ist, besitzt der Ultraschall des Abdomens einen besonders hohen Stellenwert.
Die Sonografie kann bei vielen Ursachen akuter Bauchschmerzen bereits die entscheidenden diagnostischen Informationen liefern und kommt ohne ionisierende Strahlung aus.
Weitere Verfahren werden abhängig vom Befund und von der klinischen Fragestellung individuell ausgewählt. MRI kann als weiterführende strahlungsfreie Methode eingesetzt werden.
Eine CT bleibt bei Kindern ausgewählten Situationen vorbehalten und sollte mit alters-, grössen- und gewichtsangepassten dosisreduzierten Protokollen erfolgen.
Bauchschmerzen während der Schwangerschaft
Während der Schwangerschaft wird die Bildgebung besonders sorgfältig ausgewählt. Ultraschall ist bei vielen abdominalen und gynäkologischen Fragestellungen die bevorzugte erste Methode.
Bleibt die Ursache unklar und ist weitere Bildgebung erforderlich, kann das MRI ohne intravenöses gadoliniumhaltiges Kontrastmittel wichtige zusätzliche Informationen liefern.
Eine medizinisch notwendige CT ist während der Schwangerschaft nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Sie kommt insbesondere dann infrage, wenn eine dringliche klinische Fragestellung mit strahlungsfreien Verfahren nicht ausreichend oder nicht rechtzeitig beantwortet werden kann. Weitere Informationen finden Sie im Beitrag „MRI in der Schwangerschaft“.
Welche Rolle spielt das konventionelle Röntgen?
Die konventionelle Röntgenaufnahme des Abdomens hat bei der allgemeinen Abklärung von Bauchschmerzen gegenüber Ultraschall und Schnittbildverfahren deutlich an Bedeutung verloren.
Bei ausgewählten Fragestellungen kann sie weiterhin sinnvoll sein. Bei vielen Ursachen akuter Bauchschmerzen liefert die CT jedoch wesentlich umfassendere Informationen.
Ein Abdomen-Röntgen gehört deshalb nicht automatisch zur bildgebenden Abklärung jedes akuten Bauchschmerzes.
Wann können Bauchschmerzen ein Notfall sein?
Sehr starke oder plötzlich auftretende Bauchschmerzen können auf eine akut behandlungsbedürftige Erkrankung hinweisen.
Warnzeichen sind beispielsweise Kreislaufprobleme, ein deutlich reduzierter Allgemeinzustand, anhaltendes Erbrechen, Fieber, ein ausgeprägt druckschmerzhafter oder harter Bauch sowie Blutungen.
In solchen Situationen sollte nicht selbst entschieden werden, ob Ultraschall, CT oder MRI die richtige Untersuchung ist. Eine rasche ärztliche Beurteilung bestimmt anhand der klinischen Situation die erforderliche Diagnostik.
Bauchschmerzen und bildgebende Diagnostik: Welche Methode ist wann sinnvoll?
Ultraschall: besonders wichtig bei Verdacht auf Erkrankungen der Gallenblase und Gallenwege sowie bei zahlreichen Fragestellungen an Leber, Nieren und Harnwegen. Bei Kindern und während der Schwangerschaft besitzt er einen besonders hohen Stellenwert.
CT: zentrale Untersuchung bei Erwachsenen für zahlreiche akute unklare oder nicht lokalisierte Bauchschmerzen sowie viele entzündliche und andere akute Erkrankungen des Bauch- und Beckenraums. Das Untersuchungsprotokoll richtet sich nach der klinischen Fragestellung.
MRI: besonders geeignet für ausgewählte Fragestellungen unter anderem an Leber, Gallenwegen, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm. Es ist zudem eine wichtige strahlungsfreie Alternative in bestimmten Situationen.
Röntgen: spielt bei der allgemeinen Abklärung von Bauchschmerzen heute eine geringere Rolle und kommt vor allem bei ausgewählten Fragestellungen zum Einsatz.
Einen allgemeinen Überblick über die unterschiedlichen Stärken der Verfahren bietet der Beitrag „Bildgebende Diagnostik: Welche Untersuchung zeigt was?“.
Fazit
Bei Bauchschmerzen richtet sich die bildgebende Diagnostik nach Schmerzlokalisation, Verlauf, Begleitsymptomen, Alter und vermuteter Ursache. Es gibt keine Untersuchung, die grundsätzlich bei allen Bauchschmerzen an erster Stelle steht.
Bei biliären Beschwerden ist Ultraschall besonders wichtig, während die CT bei Erwachsenen bei vielen akuten unklaren abdominalen Beschwerden eine zentrale Rolle besitzt. Bei Kindern steht bei erforderlicher Bildgebung der Ultraschall im Vordergrund.
MRI ergänzt die Diagnostik bei speziellen Fragestellungen und ermöglicht insbesondere in ausgewählten Situationen eine Untersuchung ohne ionisierende Strahlung. Entscheidend ist somit nicht die Wahl der technisch aufwendigsten Untersuchung, sondern die Bildgebung, die zur konkreten klinischen Fragestellung passt.
Weiterführende Beiträge
- Gallensteine: Welche bildgebende Diagnostik?
- Flankenschmerzen: Welche bildgebende Diagnostik?
- Nierenstein: Welche bildgebende Diagnostik?
- Ultraschall der Bauchorgane
- Bildgebende Diagnostik: Welche Untersuchung zeigt was?
Quellen und weiterführende Informationen
- Gesellschaft für Pädiatrische Radiologie (GPR) / AWMF: S1-Leitlinie „Bauchschmerz bei Kindern und Jugendlichen – Bildgebende Diagnostik“, AWMF-Registernummer 064-016.
- American College of Radiology (ACR): Appropriateness Criteria – Acute Nonlocalized Abdominal Pain.
- American College of Radiology (ACR): Appropriateness Criteria – Right Upper Quadrant Pain.
- American College of Radiology (ACR): Appropriateness Criteria – Right Lower Quadrant Pain.
- American College of Radiology (ACR): Appropriateness Criteria – Left Lower Quadrant Pain.
- European Association for the Study of the Liver (EASL): Clinical Practice Guidelines on the prevention, diagnosis and treatment of gallstones.


