Ein Nierenstein kann unbemerkt bleiben oder plötzlich stärkste kolikartige Schmerzen verursachen. Welche bildgebende Diagnostik bei einem Nierenstein sinnvoll ist, hängt von der klinischen Situation ab. Besonders wichtig sind Ultraschall und Computertomografie (CT): Der Ultraschall kommt ohne ionisierende Strahlung aus, während die native CT auch kleine Harnleitersteine sehr zuverlässig nachweisen und ihre genaue Lage bestimmen kann.
Nierenstein: Was soll die bildgebende Diagnostik klären?
Bei akuten Beschwerden geht es nicht nur darum, einen Stein sichtbar zu machen. Die Bildgebung soll mehrere Fragen beantworten:
- Ist tatsächlich ein Stein vorhanden?
- Liegt er in der Niere oder im Harnleiter?
- Wie gross ist der Stein?
- Behindert er den Harnabfluss?
- Besteht bereits ein Harnstau?
- Gibt es eine andere Ursache für die Beschwerden?
Diese Informationen beeinflussen wesentlich, ob zunächst abgewartet werden kann oder eine weitere urologische Behandlung erforderlich ist.
Ultraschall bei Nierensteinen: häufig der erste Schritt
Der Ultraschall der Nieren und Harnwege ist schnell verfügbar und verursacht keine Strahlenexposition. Die europäische Leitlinie der European Association of Urology (EAU) empfiehlt ihn als primäres bildgebendes Verfahren bei Verdacht auf einen Harnstein.
Mit Ultraschall lassen sich Steine innerhalb der Niere teilweise direkt erkennen. Besonders wichtig ist jedoch der Nachweis eines Harnstaus: Kann der Urin wegen eines Steins im Harnleiter nicht ungehindert abfliessen, erweitern sich Nierenbecken und gegebenenfalls die Nierenkelche.
Der Ultraschall hat allerdings Grenzen. Vor allem kleine Steine im Harnleiter können übersehen werden. Darmgas, Körperbau und die Lage des Steins beeinflussen die Untersuchungsbedingungen. Ein unauffälliger Ultraschall schliesst einen Harnleiterstein deshalb nicht sicher aus.
CT bei Nierensteinen: besonders zuverlässiger Steinnachweis
Bei akuten Flankenschmerzen und weiter bestehendem Verdacht auf einen Harnleiterstein ist die CT von Abdomen und Becken ohne intravenöses Kontrastmittel das genaueste bildgebende Verfahren. Die EAU empfiehlt die native CT zur Bestätigung der Diagnose nach der initialen Ultraschalluntersuchung.
Die CT zeigt sehr kleine Steine und bestimmt ihre Grösse und genaue Position. Gleichzeitig lässt sich beurteilen, wie ausgeprägt eine Abflussbehinderung ist. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass bei fehlendem Steinnachweis häufig andere Ursachen akuter Bauch- oder Flankenschmerzen erkannt werden können.
Für die reine Steinsuche ist normalerweise kein intravenöses Kontrastmittel erforderlich. Dadurch kann die Untersuchung schnell durchgeführt werden.
Warum wird bei Nierensteinen häufig eine Low-Dose-CT verwendet?
Da Harnsteine häufig auch bei jüngeren Menschen auftreten und wiederkehren können, spielt der Strahlenschutz eine wichtige Rolle. Moderne Untersuchungsprotokolle können die Strahlenexposition einer CT zur Steinsuche deutlich reduzieren.
Wenn die klinische Fragestellung und die technischen Voraussetzungen es erlauben, kann deshalb eine Low-Dose-CT eingesetzt werden. Die notwendige Bildqualität und die geeignete Dosis hängen unter anderem vom Körperbau und von der konkreten Fragestellung ab.
Welche Rolle spielt das Röntgenbild bei Nierensteinen?
Eine Röntgenaufnahme von Nieren, Harnleitern und Blase kann bestimmte kalkhaltige Steine darstellen. Andere Steinarten sind dagegen im konventionellen Röntgenbild schlecht oder überhaupt nicht sichtbar.
Für die erstmalige zuverlässige Abklärung einer akuten Nierenkolik hat das Röntgenbild deshalb gegenüber Ultraschall und CT deutlich an Bedeutung verloren. Es kann jedoch bei bekannten röntgendichten Steinen für Verlaufskontrollen sinnvoll sein.
Ist ein MRI bei Nierensteinen sinnvoll?
Das MRI ist für den direkten Nachweis von Harnsteinen normalerweise nicht die Methode der Wahl. Steine selbst lassen sich damit weniger zuverlässig erkennen als mit CT.
Eine MR-Urografie kann jedoch eine Abflussbehinderung und die Anatomie der Harnwege darstellen. Eine besondere Rolle kann sie deshalb in Situationen spielen, in denen ionisierende Strahlung möglichst vermieden werden soll.
Bildgebende Diagnostik bei Nierensteinen in der Schwangerschaft
Bei Schwangeren wird die Bildgebung besonders sorgfältig ausgewählt. Nach den Empfehlungen der EAU ist bei Verdacht auf eine Nierenkolik zunächst der Ultraschall das bevorzugte Verfahren.
Bleibt die Situation unklar und ist weitere Bildgebung erforderlich, kann ein MRI beziehungsweise eine MR-Urografie ohne Kontrastmittel als zweite Stufe eingesetzt werden. Eine Low-Dose-CT kommt während der Schwangerschaft nur in ausgewählten Situationen als letzte bildgebende Option infrage, wenn die diagnostische Information für die weitere Behandlung erforderlich ist.
Bildgebende Diagnostik bei Nierensteinen im Kindesalter
Auch bei Kindern steht der Ultraschall an erster Stelle. Untersucht werden die Nieren, die gefüllte Harnblase und soweit einsehbar die angrenzenden Abschnitte der Harnleiter.
Reicht der Ultraschall zur Beantwortung der klinischen Frage nicht aus, können abhängig von der Situation weitere Untersuchungen erforderlich werden. Dabei wird die Strahlenexposition besonders sorgfältig gegen den diagnostischen Nutzen abgewogen.
Wann muss ein Nierenstein rasch abgeklärt werden?
Starke Flankenschmerzen allein bedeuten nicht automatisch eine gefährliche Situation. Bestimmte Begleitumstände erfordern jedoch eine rasche ärztliche Abklärung. Dazu gehören insbesondere Fieber bei möglicher Harnabflussstörung, eine einzelne funktionsfähige Niere oder eine unklare Diagnose.
Ein infiziertes und gleichzeitig gestautes Harnsystem kann eine dringliche urologische Behandlung erforderlich machen. Die Bildgebung ist dann ein Teil der gesamten klinischen und laborchemischen Beurteilung und darf notwendige Akutmassnahmen nicht verzögern.
Nierenstein: Welche Bildgebung ist wann sinnvoll?
Ultraschall: häufig die erste Untersuchung; besonders geeignet zum Nachweis eines Harnstaus und ohne Strahlenexposition.
Native CT: besonders zuverlässig für Nachweis, Grösse und Lokalisation eines Harnleiter- oder Nierensteins; bei akuter Kolik häufig entscheidend, wenn der Ultraschall die Frage nicht ausreichend beantwortet.
Röntgen: heute vor allem bei ausgewählten röntgendichten Steinen und für bestimmte Verlaufskontrollen von Bedeutung.
MRI/MR-Urografie: kein Standardverfahren zum direkten Steinnachweis, aber eine mögliche ergänzende Untersuchung insbesondere während der Schwangerschaft.
Fazit
Bei einem Nierenstein richtet sich die bildgebende Diagnostik nach der klinischen Situation. Der Ultraschall ermöglicht eine schnelle Untersuchung ohne Strahlenexposition und kann insbesondere einen Harnstau erkennen. Die native CT weist auch kleine Harnleitersteine zuverlässig nach und zeigt deren genaue Lage und Grösse. Bei Kindern und Schwangeren hat die Vermeidung ionisierender Strahlung einen besonders hohen Stellenwert.
Quellen und weiterführende Informationen
European Association of Urology (EAU): Guidelines on Urolithiasis, aktuelle Ausgabe 2026.
American College of Radiology (ACR): Appropriateness Criteria – Acute Onset Flank Pain, Suspicion of Stone Disease (Urolithiasis).


