Hüftschmerzen können vom Hüftgelenk selbst, von Sehnen und Muskeln oder von benachbarten Strukturen ausgehen. Welche bildgebende Diagnostik bei Hüftschmerzen sinnvoll ist, hängt deshalb von Alter, Beschwerden, klinischem Befund und vermuteter Ursache ab. Häufig beginnt die Abklärung mit einer Röntgenaufnahme. MRI, Ultraschall und CT beantworten anschliessend spezielle Fragestellungen.
Hüftschmerzen: Was soll die bildgebende Diagnostik klären?
Schmerzen im Bereich der Hüfte bedeuten nicht automatisch, dass die Ursache innerhalb des Hüftgelenks liegt. Beschwerden können beispielsweise durch eine Arthrose, Verletzungen, Veränderungen des Labrums, Sehnenprobleme oder Erkrankungen des Knochens entstehen. Auch Beschwerden aus der Lendenwirbelsäule können in die Hüftregion ausstrahlen.
Vor der Bildgebung stehen deshalb Anamnese und klinische Untersuchung. Dabei sind unter anderem die genaue Lokalisation der Schmerzen, ihre Dauer, Bewegungseinschränkungen und mögliche vorausgegangene Verletzungen wichtig.
Röntgen bei Hüftschmerzen: häufig die erste Untersuchung
Bei länger bestehenden Hüftschmerzen ist das Röntgen des Hüftgelenks häufig die erste bildgebende Untersuchung. Es zeigt die knöchernen Strukturen, die Gelenkstellung und typische Veränderungen einer Hüftarthrose.
Dazu gehören beispielsweise eine Verschmälerung des Gelenkspalts, knöcherne Anbauten und Veränderungen des gelenknahen Knochens. Auch bestimmte Formvarianten des Hüftgelenks und fortgeschrittene knöcherne Veränderungen können erkannt werden.
Das Röntgen liefert damit bei vielen Patientinnen und Patienten bereits wesentliche Informationen für die weitere Abklärung.
MRI bei Hüftschmerzen: Knorpel, Labrum und Knochenmark
Das MRI des Hüftgelenks bietet einen hohen Weichteilkontrast und kann neben Muskeln und Sehnen auch Knorpel, Labrum und Knochenmark detailliert darstellen.
Eine MRI-Untersuchung kann beispielsweise sinnvoll sein bei Verdacht auf:
- Labrumverletzungen,
- Knorpelschäden,
- Femoroacetabuläres Impingement,
- okkulte Frakturen,
- Osteonekrose des Femurkopfs,
- entzündliche Veränderungen,
- Sehnenverletzungen oder
- andere Ursachen unklarer anhaltender Hüftschmerzen.
Das MRI kommt ohne ionisierende Strahlung aus. Trotzdem ist es bei chronischen Hüftschmerzen nicht automatisch die erste Untersuchung. Häufig wird zunächst anhand konventioneller Röntgenaufnahmen entschieden, ob und welche weiterführende Bildgebung notwendig ist.
Wann ist eine MR-Arthrografie der Hüfte sinnvoll?
Bei bestimmten Fragestellungen kann eine direkte MR-Arthrografie eingesetzt werden. Dabei wird vor der MRI-Untersuchung verdünntes Kontrastmittel direkt in das Hüftgelenk eingebracht.
Die Untersuchung kann insbesondere bei speziellen Fragestellungen am Labrum und Gelenkknorpel zusätzliche Informationen liefern. Moderne hochauflösende MRI-Techniken ermöglichen jedoch bei vielen Fragestellungen bereits ohne direkte Arthrografie eine sehr gute Beurteilung.
Ob eine konventionelle MRI-Untersuchung oder eine MR-Arthrografie sinnvoller ist, hängt deshalb von der konkreten klinischen Fragestellung und den verfügbaren Untersuchungstechniken ab.
Ultraschall bei Hüftschmerzen: Sehnen, Schleimbeutel und Gelenkerguss
Der Ultraschall der Hüftregion eignet sich besonders zur Beurteilung oberflächlicher Weichteilstrukturen. Sehnen, bestimmte Schleimbeutel und Flüssigkeitsansammlungen können damit untersucht werden.
Auch ein Gelenkerguss lässt sich sonografisch erkennen. Darüber hinaus kann Ultraschall zur Steuerung von Punktionen und anderen bildgesteuerten Eingriffen eingesetzt werden.
Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit einer dynamischen Untersuchung. Bewegliche Strukturen können während der Untersuchung direkt beobachtet werden.
Wo liegen die Grenzen des Ultraschalls an der Hüfte?
Das Hüftgelenk liegt vergleichsweise tief im Körper. Viele Strukturen innerhalb des Gelenks lassen sich deshalb mit Ultraschall nicht vollständig beurteilen.
Für Fragestellungen am Labrum, Gelenkknorpel oder Knochenmark ist das MRI wesentlich besser geeignet. Ultraschall und MRI konkurrieren daher nicht miteinander, sondern haben unterschiedliche Aufgaben.
CT bei Hüftschmerzen: detaillierte Darstellung des Knochens
Die CT der Hüfte ermöglicht eine sehr genaue Darstellung knöcherner Strukturen. Sie kann insbesondere bei komplexen Frakturen, bestimmten knöchernen Formveränderungen und für spezielle präoperative Fragestellungen eingesetzt werden.
Bei gewöhnlichen chronischen Hüftschmerzen spielt die CT dagegen meist eine geringere Rolle als Röntgen und MRI. Da sie mit ionisierender Strahlung arbeitet, wird sie gezielt eingesetzt, wenn ihre hohe räumliche Auflösung einen diagnostischen Vorteil bietet.
Hüftschmerzen nach einem Sturz: Welche Bildgebung ist sinnvoll?
Nach einem Sturz oder Unfall ist bei Verdacht auf eine Hüftfraktur normalerweise zunächst eine Röntgenuntersuchung angezeigt.
Eine wichtige Situation entsteht, wenn weiterhin ein deutlicher klinischer Frakturverdacht besteht, auf den Röntgenaufnahmen jedoch keine Fraktur erkennbar ist. Insbesondere bei älteren Patientinnen und Patienten können solche okkulten Frakturen vorkommen.
In dieser Situation kann eine weiterführende Untersuchung mit MRI oder CT erforderlich sein. Das MRI kann zusätzlich Veränderungen des Knochenmarks sehr empfindlich darstellen.
Hüftarthrose: Ist ein MRI notwendig?
Bei einer typischen Hüftarthrose liefern Röntgenaufnahmen häufig bereits die entscheidenden Informationen. Ein zusätzliches MRI ist bei eindeutigem klinischem und radiologischem Befund meist nicht erforderlich.
Eine weiterführende Bildgebung kann sinnvoll werden, wenn Beschwerden und Röntgenbefund nicht zusammenpassen oder eine zusätzliche beziehungsweise andere Ursache der Schmerzen vermutet wird.
Warum müssen Bildbefund und Beschwerden zusammenpassen?
Auch an der Hüfte können bildgebende Untersuchungen Veränderungen zeigen, die nicht zwangsläufig Beschwerden verursachen. Ein morphologischer Befund allein beweist deshalb nicht, dass genau diese Veränderung für die Schmerzen verantwortlich ist.
Besonders wichtig ist die Kombination aus Schmerzlokalisation, klinischer Untersuchung und Bildgebung. Erst daraus ergibt sich häufig eine zuverlässige diagnostische Einordnung.
Hüftschmerzen: Welche Bildgebung ist wann sinnvoll?
Röntgen: häufig die erste Untersuchung bei chronischen Hüftschmerzen; besonders wichtig für Arthrose, Gelenkstellung und knöcherne Veränderungen.
MRI: besonders geeignet für Labrum, Knorpel, Knochenmark, Sehnen und okkulte Frakturen sowie bei unklaren Beschwerden.
Ultraschall: sinnvoll für bestimmte Sehnen, Schleimbeutel, Gelenkergüsse und bildgesteuerte Punktionen oder Injektionen.
CT: besonders geeignet zur detaillierten Darstellung komplexer knöcherner Veränderungen und Frakturen.
Fazit
Bei Hüftschmerzen richtet sich die bildgebende Diagnostik nach der vermuteten Ursache. Häufig bildet das Röntgen den ersten Schritt. Das MRI beantwortet weiterführende Fragen zu Labrum, Knorpel, Knochenmark und Weichteilen, während Ultraschall vor allem für oberflächliche Strukturen und Gelenkergüsse eingesetzt wird. Die CT besitzt ihre besondere Stärke bei komplexen knöchernen Fragestellungen. Entscheidend ist nicht die technisch aufwendigste Untersuchung, sondern die Methode, die zur klinischen Fragestellung passt.
Quellen und weiterführende Informationen
European Alliance of Associations for Rheumatology (EULAR): Recommendations for the use of imaging in the clinical management of peripheral joint osteoarthritis.
European Society of Musculoskeletal Radiology (ESSR): Technical Guidelines – Musculoskeletal Ultrasound, Hip; Imaging Protocols for the Hip.
American College of Radiology (ACR): Appropriateness Criteria – Chronic Hip Pain und Acute Hip Pain.


