Rückenschmerzen: Welche bildgebende Diagnostik?

Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden überhaupt. Trotzdem ist eine bildgebende Diagnostik bei Rückenschmerzen nicht automatisch erforderlich. Bei neu aufgetretenen unspezifischen Rückenschmerzen ohne Warnzeichen liefern Röntgen, CT oder MRI häufig keine Information, die die Behandlung verändert. Anders sieht es aus, wenn bestimmte Begleitsymptome, ein Unfall oder anhaltende beziehungsweise zunehmende Beschwerden auf eine konkrete Ursache hinweisen.

Rückenschmerzen: Wann ist bildgebende Diagnostik überhaupt sinnvoll?

Die wichtigste Entscheidung lautet zunächst nicht: Röntgen, CT oder MRI? Zuerst muss geklärt werden, ob überhaupt eine Bildgebung notwendig ist.

Bei unkomplizierten akuten Rückenschmerzen ohne Hinweise auf eine ernsthafte Erkrankung reichen zunächst Anamnese und körperliche Untersuchung aus. Eine vorsorgliche Bildgebung bringt in dieser Situation meist keinen zusätzlichen Nutzen.

Das ist auch deshalb wichtig, weil insbesondere MRI und CT zahlreiche Veränderungen der Wirbelsäule zeigen können, die mit zunehmendem Alter häufig vorkommen und nicht zwangsläufig die Ursache der Beschwerden sind. Ein auffälliger Bildbefund muss deshalb immer mit den Symptomen und dem klinischen Untersuchungsbefund zusammenpassen.

Welche Warnzeichen können eine Bildgebung erforderlich machen?

Eine frühzeitige weitere Abklärung kann erforderlich sein, wenn sogenannte Red Flags auf eine spezifische oder möglicherweise dringliche Ursache hinweisen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • neu aufgetretene ausgeprägte Lähmungen oder andere neurologische Ausfälle,
  • Störungen der Blasen- oder Darmfunktion in Verbindung mit neurologischen Beschwerden,
  • Verdacht auf eine Fraktur nach einem relevanten Trauma,
  • erhöhtes Frakturrisiko, beispielsweise bei ausgeprägter Osteoporose,
  • Hinweise auf eine Infektion,
  • bekannte Tumorerkrankung mit Verdacht auf Beteiligung der Wirbelsäule,
  • andere klinische Hinweise auf eine ernsthafte spezifische Ursache.

Das Vorliegen eines einzelnen möglichen Warnzeichens bedeutet nicht automatisch, dass eine schwere Erkrankung besteht. Die Ärztin oder der Arzt bewertet die Beschwerden deshalb immer im gesamten klinischen Zusammenhang.

MRI bei Rückenschmerzen: Bandscheiben, Nerven und Spinalkanal

Das MRI der Wirbelsäule bietet einen besonders guten Weichteilkontrast und kommt ohne ionisierende Strahlung aus. Es kann Bandscheiben, Nervenwurzeln, Rückenmark, Spinalkanal und Knochenmark detailliert darstellen.

Das MRI ist insbesondere wichtig, wenn aufgrund der Beschwerden und der neurologischen Untersuchung beispielsweise ein Bandscheibenvorfall mit Nervenkompression, eine relevante Spinalkanalstenose, eine entzündliche Veränderung oder eine Tumorerkrankung vermutet wird.

Auch bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden kann eine MRI-Untersuchung sinnvoll werden, wenn das Ergebnis Konsequenzen für die weitere Behandlung haben könnte.

Warum zeigt ein MRI häufig Veränderungen ohne Beschwerden?

Degenerative Veränderungen der Wirbelsäule sind häufig. Bandscheiben können an Höhe verlieren oder sich vorwölben, kleine Wirbelgelenke können arthrotische Veränderungen zeigen und der Spinalkanal kann enger werden.

Solche Befunde können Beschwerden erklären – müssen es aber nicht. Auch Menschen ohne Rückenschmerzen können im MRI Bandscheibenvorwölbungen oder andere degenerative Veränderungen aufweisen.

Deshalb sollte ein radiologischer Befund niemals isoliert betrachtet werden. Entscheidend ist, ob Bildbefund, Beschwerden und klinische Untersuchung zusammenpassen.

CT bei Rückenschmerzen: besonders wichtig für knöcherne Strukturen

Die Computertomografie stellt Knochen sehr detailliert dar. Sie spielt deshalb insbesondere bei Verletzungen und komplexen knöchernen Veränderungen der Wirbelsäule eine wichtige Rolle.

Nach einem relevanten Trauma kann eine CT beispielsweise Wirbelkörperfrakturen und deren genaue Ausdehnung zeigen. Sie ermöglicht eine sehr präzise Beurteilung der knöchernen Anatomie und kann damit auch für die weitere Therapieplanung wichtig sein.

Für Bandscheiben, Rückenmark und Nervenstrukturen bietet das MRI dagegen in vielen Situationen die bessere Darstellung. Zudem arbeitet die CT mit ionisierender Strahlung.

Welche Rolle spielt Röntgen bei Rückenschmerzen?

Das Röntgen der Wirbelsäule zeigt vor allem knöcherne Strukturen. Bandscheiben, Nerven und Rückenmark können damit nicht direkt beurteilt werden.

Röntgenaufnahmen können bei bestimmten Fragestellungen weiterhin sinnvoll sein, beispielsweise zur Beurteilung von Fehlstellungen, Achsverhältnissen oder ausgewählten knöchernen Veränderungen. Auch bei bestimmten Frakturfragestellungen können sie eingesetzt werden.

Bei unkomplizierten akuten Rückenschmerzen ohne Warnzeichen ist eine routinemässige Röntgenaufnahme dagegen in der Regel nicht erforderlich.

Was passiert bei ausstrahlenden Schmerzen ins Bein?

Strahlen Schmerzen vom Rücken in ein Bein aus, kann eine Reizung oder Kompression einer Nervenwurzel vorliegen. Häufig wird dabei an einen Bandscheibenvorfall gedacht.

Auch hier ist nicht bei jeder neu aufgetretenen Ischialgie sofort ein MRI notwendig. Entscheidend sind Stärke und Verlauf der Beschwerden sowie mögliche neurologische Ausfälle.

Bei ausgeprägten oder zunehmenden neurologischen Defiziten oder wenn eine invasive Behandlung erwogen wird, gewinnt das MRI der Lendenwirbelsäule besondere Bedeutung.

Bildgebende Diagnostik bei länger bestehenden Rückenschmerzen

Bleiben aktivitätseinschränkende Rückenschmerzen trotz angemessener Behandlung über mehrere Wochen bestehen oder nehmen die Beschwerden zu, sollte die Indikation zur Bildgebung erneut geprüft werden.

Die Entscheidung hängt dabei nicht allein von der Dauer der Schmerzen ab. Entscheidend ist, welche Ursache vermutet wird und ob das Ergebnis der Untersuchung die weitere Behandlung beeinflussen kann.

Eine bereits durchgeführte Bildgebung sollte bei unverändertem Beschwerdebild nicht routinemässig wiederholt werden.

Warum ist zu viel Bildgebung nicht unbedingt besser?

Eine MRI- oder CT-Untersuchung kann sehr detaillierte anatomische Veränderungen sichtbar machen. Mehr Information bedeutet jedoch nicht automatisch eine bessere Diagnose.

Werden zufällige oder altersbedingte Veränderungen als Ursache der Beschwerden interpretiert, obwohl sie klinisch nicht relevant sind, können weitere Untersuchungen oder Behandlungen folgen, die keinen Nutzen bringen.

Gute radiologische Diagnostik bedeutet deshalb nicht, möglichst früh möglichst viele Bilder anzufertigen. Entscheidend ist die richtige Untersuchung zur richtigen klinischen Fragestellung.

Rückenschmerzen: Welche Bildgebung ist wann sinnvoll?

Keine Bildgebung: bei neu aufgetretenen unspezifischen Rückenschmerzen ohne Warnzeichen häufig die richtige Entscheidung.

MRI: besonders geeignet zur Beurteilung von Bandscheiben, Nervenwurzeln, Rückenmark, Spinalkanal und Knochenmark sowie bei Verdacht auf bestimmte entzündliche oder tumoröse Veränderungen.

CT: besonders geeignet zur detaillierten Darstellung knöcherner Strukturen und bei bestimmten Verletzungen der Wirbelsäule.

Röntgen: sinnvoll bei ausgewählten Fragestellungen der knöchernen Wirbelsäule, von Fehlstellungen oder Achsverhältnissen; bei unkomplizierten akuten Rückenschmerzen meist nicht erforderlich.

Fazit

Bei Rückenschmerzen richtet sich die bildgebende Diagnostik nach Beschwerden, klinischem Befund und möglichen Warnzeichen. Bei akuten unspezifischen Rückenschmerzen ist zunächst häufig überhaupt keine Bildgebung notwendig. Besteht dagegen der Verdacht auf eine spezifische Ursache, werden MRI, CT oder Röntgen gezielt entsprechend der Fragestellung eingesetzt. Besonders wichtig bleibt dabei die gemeinsame Beurteilung von klinischen Beschwerden und radiologischem Befund.

Quellen und weiterführende Informationen

Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz, 2. Auflage – derzeit nicht mehr gültig und in Überarbeitung; archivierte Empfehlungen zur bildgebenden Diagnostik.

American College of Radiology (ACR): Appropriateness Criteria – Low Back Pain.

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