Low-Dose-CT: Was bedeutet das und wann wird es eingesetzt?

Low-Dose-CT der Lunge und der Nieren mit kleinem Nierenstein

Eine Low-Dose-CT ist eine Computertomografie, bei der die Strahlendosis gegenüber einem üblichen CT-Protokoll gezielt reduziert wird. Trotzdem sollen die Bilder ausreichend Informationen liefern, um die jeweilige medizinische Frage zuverlässig beantworten zu können.

Wie stark die Dosis reduziert werden kann, hängt von der untersuchten Körperregion, dem Körperbau und vor allem von der medizinischen Fragestellung ab. Deshalb gibt es nicht die eine Low-Dose-CT mit einer für alle Untersuchungen festgelegten Strahlendosis.

Kurz gesagt: Was ist eine Low-Dose-CT?

Bei einer Low-Dose-CT wird bewusst weniger Röntgenstrahlung eingesetzt. Moderne Gerätetechnik und leistungsfähige Verfahren zur Bildrekonstruktion helfen dabei, aus den gewonnenen Messdaten trotzdem diagnostisch verwertbare Bilder zu berechnen.

Entscheidend ist die Balance: Die Dosis soll möglichst niedrig sein, die Bildqualität muss aber für die medizinische Fragestellung ausreichen. Eine besonders niedrige Strahlendosis ist kein Vorteil, wenn dadurch eine wichtige Veränderung übersehen werden könnte.

Einen allgemeinen Überblick über Funktionsweise, Einsatzgebiete, Kontrastmittel und Strahlenexposition der Computertomografie bietet der Beitrag CT einfach erklärt: Ablauf, Strahlung und Kontrastmittel.

Ist Low-Dose-CT eine besondere Art von CT?

Nein. Der Begriff bezeichnet in erster Linie ein dosisoptimiertes Untersuchungsprotokoll.

Ein moderner CT-Scanner kann je nach Fragestellung mit unterschiedlichen Einstellungen betrieben werden. Bei manchen Untersuchungen reichen vergleichsweise wenige Messdaten aus, andere Fragestellungen benötigen eine höhere Bildqualität und damit möglicherweise auch eine höhere Strahlendosis.

Die Aufnahmeparameter werden deshalb an Patient:in, Körperregion und diagnostische Aufgabe angepasst. Wie aus den gemessenen Daten die eigentlichen Schnittbilder entstehen, erklären wir ausführlicher im Beitrag Wie funktioniert ein CT?.

Warum kann man die Strahlendosis überhaupt reduzieren?

Ein CT-Gerät misst, wie stark Röntgenstrahlung beim Durchtritt durch den Körper abgeschwächt wird. Aus diesen Messwerten berechnet der Computer die CT-Bilder.

Werden weniger Röntgenstrahlen eingesetzt, stehen grundsätzlich weniger Messinformationen zur Verfügung. Das kann dazu führen, dass das Bild stärker rauscht.

Bildrauschen (zufällige körnige Bildunruhe, die feine Unterschiede zwischen Geweben schlechter erkennbar machen kann) lässt sich vereinfacht mit der Körnigkeit eines Fotos bei schlechten Lichtverhältnissen vergleichen. Je stärker das Rauschen wird, desto schwieriger können kleine oder kontrastarme Veränderungen erkennbar sein.

Moderne CT-Technik kann mit begrenzteren Messdaten jedoch wesentlich besser umgehen als frühere Geräte. Empfindliche Detektoren, automatische Anpassung der Aufnahmeparameter und leistungsfähige Rekonstruktionsverfahren ermöglichen deshalb bei vielen Fragestellungen eine deutliche Dosisreduktion.

Welche Rolle spielt die Bildrekonstruktion?

Das CT nimmt nicht direkt das fertige Schnittbild auf. Die Detektoren erfassen zunächst Messdaten, aus denen ein Computer die Bilder berechnet. Dieser Vorgang wird als Bildrekonstruktion (rechnerische Erzeugung von CT-Bildern aus den gemessenen Rohdaten) bezeichnet.

Bei der iterativen Rekonstruktion (mehrstufiges Rechenverfahren zur Verringerung von Bildrauschen und Verbesserung der Bildqualität) wird das Bild wiederholt mit den gemessenen Daten abgeglichen und schrittweise optimiert.

Neuere Geräte verwenden zusätzlich Verfahren des maschinellen Lernens beziehungsweise Deep Learning (computergestützte Verfahren, die anhand trainierter mathematischer Modelle Bildinformationen rekonstruieren oder Bildrauschen reduzieren können).

Solche Techniken können dazu beitragen, diagnostisch geeignete Bilder mit geringerer Strahlendosis zu erzeugen. Sie können fehlende Messinformationen jedoch nicht unbegrenzt ersetzen. Auch moderne Rekonstruktionsverfahren benötigen ausreichend gute Ausgangsdaten.

Wann eignet sich eine Low-Dose-CT besonders gut?

Eine deutliche Dosisreduktion ist besonders dann möglich, wenn die gesuchte Veränderung einen starken natürlichen Kontrast zur Umgebung besitzt.

Typische Beispiele sind:

  • Lungengewebe und Lungenknoten,
  • Harnsteine,
  • Verkalkungen,
  • bestimmte knöcherne Veränderungen sowie
  • ausgewählte Verlaufskontrollen.

Je grösser der natürliche Kontrast zwischen gesuchter Struktur und Umgebung ist, desto eher kann die Dosis reduziert werden, ohne diagnostisch wichtige Informationen zu verlieren.

Warum gerade Lunge, Knochen, Verkalkungen und Harnsteine zu den besonderen Stärken der Computertomografie gehören, erläutern wir im Beitrag Was sieht man im CT besonders gut – und was nicht?.

Low-Dose-CT beim Lungenkrebs-Screening

Eine besonders bekannte Anwendung ist das Lungenkrebs-Screening mit Low-Dose-CT.

Dabei werden ausgewählte Menschen mit erhöhtem Lungenkrebsrisiko untersucht, obwohl sie keine entsprechenden Beschwerden haben. Da solche Früherkennungsuntersuchungen bei geeigneten Personen in festgelegten Abständen wiederholt werden können, ist eine möglichst geringe Strahlenexposition besonders wichtig.

Gleichzeitig müssen kleine Lungenknoten zuverlässig erkennbar bleiben. Die Untersuchung wird deshalb nicht einfach mit der technisch niedrigstmöglichen Dosis durchgeführt, sondern mit einem speziell auf diese diagnostische Aufgabe abgestimmten Protokoll.

Welche Personen für ein Lungenkrebs-Screening infrage kommen und wie Nutzen und mögliche Nachteile gegeneinander abgewogen werden, ist eine eigene medizinische Fragestellung.

Low-Dose-CT bei Nierensteinen

Auch bei der Suche nach Harnsteinen können dosisreduzierte CT-Protokolle eingesetzt werden.

Viele Steine unterscheiden sich aufgrund ihrer höheren Dichte deutlich vom umliegenden Gewebe und lassen sich deshalb auch bei reduzierter Dosis erkennen. Solche Steine werden medizinisch auch als Konkremente (feste Ablagerungen, beispielsweise Steine in Niere oder Harnleiter) bezeichnet.

Wie stark die Dosis reduziert werden kann, hängt unter anderem vom Körperbau, von der vermuteten Steingrösse und von der diagnostischen Fragestellung ab.

Welche Rolle Ultraschall und CT bei dieser Fragestellung spielen, erklären wir im Beitrag Nierenstein: Welche bildgebende Diagnostik?.

Low-Dose-CT bei Verlaufskontrollen

Dosisreduzierte Protokolle können besonders sinnvoll sein, wenn eine bekannte Veränderung wiederholt kontrolliert werden muss.

Ist beispielsweise ein Lungenrundherd bereits bekannt, kann bei einer späteren Untersuchung häufig mit reduzierter Dosis überprüft werden, ob er grösser, kleiner oder unverändert geblieben ist.

Das bedeutet jedoch nicht, dass jede Verlaufskontrolle automatisch als Low-Dose-CT durchgeführt werden kann. Wenn zusätzlich andere Organe oder kontrastarme Veränderungen beurteilt werden müssen, kann eine höhere Bildqualität erforderlich sein.

Warum wird nicht jede CT als Low-Dose-CT durchgeführt?

Unterschiedliche medizinische Fragestellungen stellen unterschiedliche Anforderungen an die Bildqualität.

Eine kleine kontrastarme Veränderung in der Leber erfordert beispielsweise eine andere Bildqualität als ein deutlich verkalkter Harnstein oder ein Lungenrundherd vor luftgefülltem Lungengewebe.

Wird die Strahlendosis zu stark reduziert, nimmt das Bildrauschen zu und feine Unterschiede zwischen Geweben können verloren gehen. Eine Aufnahme kann auf den ersten Blick akzeptabel aussehen und trotzdem für eine bestimmte diagnostische Aufgabe nicht ausreichend sein.

Moderner Strahlenschutz bedeutet deshalb nicht, bei jeder Untersuchung die technisch niedrigstmögliche Dosis einzusetzen. Ziel ist die niedrigste Dosis, mit der die medizinische Fragestellung zuverlässig beantwortet werden kann.

Was bedeutet Ultra-Low-Dose?

Der Begriff Ultra-Low-Dose wird für CT-Protokolle mit besonders niedriger Strahlenexposition verwendet.

Auch dafür gibt es jedoch keinen universellen Dosiswert, der unabhängig von Körperregion, CT-Gerät und Fragestellung gilt.

Solche Protokolle können für ausgewählte Anwendungen geeignet sein. Die Bezeichnung allein sagt jedoch noch nichts darüber aus, ob die Bildqualität für eine bestimmte diagnostische Aufgabe ausreicht.

Wie wird die Dosis an die Patientin oder den Patienten angepasst?

Moderne CT-Geräte können die benötigte Röntgenstrahlung automatisch an den Körper anpassen. Ein schlanker Körperbereich benötigt beispielsweise weniger Strahlung als ein breiterer oder dichterer Bereich.

Zusätzlich können unter anderem Röhrenstrom, Röhrenspannung, Scanlänge und weitere Aufnahmeparameter an die Fragestellung angepasst werden.

Die automatische Dosismodulation (automatische Anpassung der Röntgenleistung an die Dicke und Dichte des durchstrahlten Körperbereichs) ist dabei ein wichtiger Bestandteil moderner CT-Protokolle.

Auch die Begrenzung der Untersuchung auf die tatsächlich benötigte Körperregion trägt wesentlich zur Dosisoptimierung bei.

Spielt der Körperbau eine Rolle?

Ja. Bei einem kräftigeren Körper muss die Röntgenstrahlung mehr Gewebe durchdringen. Wird die Dosis dabei zu stark reduziert, können die Messdaten stärker verrauschen.

Das bedeutet nicht, dass bei kräftigeren Menschen keine dosisoptimierte CT möglich ist. Die technischen Einstellungen müssen lediglich entsprechend angepasst werden.

Deshalb kann dasselbe Low-Dose-Protokoll nicht unverändert bei jeder Person verwendet werden.

Wie gross ist die Dosisersparnis?

Eine pauschale Prozentzahl wäre irreführend. Die mögliche Dosisreduktion hängt von der Ausgangsuntersuchung, dem CT-Gerät, dem Untersuchungsprotokoll, dem Körperbau und der medizinischen Fragestellung ab.

Die Entwicklung moderner CT-Technik zeigt jedoch, dass Untersuchungsprotokolle zunehmend dosisoptimiert werden. Verbesserte Detektoren, automatische Belichtungssteuerung und moderne Rekonstruktionsverfahren tragen dazu bei, für zahlreiche Fragestellungen mit weniger Strahlenexposition diagnostisch geeignete Bilder zu erzeugen.

Diagnostische Referenzwerte (Vergleichswerte zur Beurteilung und Optimierung typischer Strahlendosen bei medizinischen Untersuchungen) helfen dabei, ungewöhnlich hohe Dosen zu erkennen und Untersuchungsprotokolle zu überprüfen.

Was bedeutet Low-Dose für das Strahlenrisiko?

Eine geringere Strahlendosis bedeutet grundsätzlich auch eine geringere Strahlenexposition. Eine Low-Dose-CT verwendet jedoch weiterhin ionisierende Röntgenstrahlung.

Bei den üblichen diagnostischen CT-Dosen stehen nicht deterministische Gewebeschäden im Vordergrund, sondern das sehr kleine stochastische Strahlenrisiko. Dabei wird im Strahlenschutz vorsorglich davon ausgegangen, dass ionisierende Strahlung auch bei niedrigen Dosen mit einer sehr kleinen zusätzlichen Wahrscheinlichkeit langfristiger strahlenbedingter Erkrankungen verbunden sein kann.

Deshalb sollen unnötige CT-Untersuchungen vermieden und notwendige Untersuchungen konsequent dosisoptimiert werden. Ausführlicher erklären wir Strahlendosis, deterministische und stochastische Strahlenwirkungen im Beitrag Strahlung beim CT: Dosis und Risiken.

Welche Bedeutung hat Low-Dose bei Kindern?

Bei Kindern wird die Strahlendosis besonders konsequent an Körpergrösse und Fragestellung angepasst. Ein CT-Protokoll für Erwachsene darf nicht unverändert bei einem kleinen Kind angewendet werden.

Je nach medizinischer Frage können Ultraschall oder MRI bevorzugt werden, wenn sie die benötigte Information ohne ionisierende Strahlung zuverlässig liefern. Ist eine CT notwendig, wird das Protokoll alters- und grössenangepasst optimiert.

Die besonderen Überlegungen bei Kindern und während einer Schwangerschaft erläutern wir ausführlich im Beitrag CT in Schwangerschaft und bei Kindern.

Low-Dose bedeutet nicht automatisch eine schlechtere Untersuchung

Eine dosisreduzierte CT ist nicht einfach eine „schlechtere CT“.

Ein gut abgestimmtes Low-Dose-Protokoll ist gezielt für eine bestimmte diagnostische Aufgabe entwickelt. Wenn beispielsweise kleine Lungenknoten gesucht werden, kann eine andere Bildqualität ausreichend sein als bei der detaillierten Beurteilung kontrastarmer Veränderungen im Bauchraum.

Entscheidend ist daher nicht, wie perfekt ein CT-Bild aussieht, sondern ob es die benötigte diagnostische Information zuverlässig liefert.

Häufige Missverständnisse

„Low-Dose bedeutet fast keine Strahlung.“

Nein. Auch eine Low-Dose-CT verwendet ionisierende Röntgenstrahlung. Die Dosis wird lediglich gegenüber einem üblichen beziehungsweise vergleichbaren CT-Protokoll reduziert.

„Low-Dose ist eine bestimmte Strahlendosis.“

Nein. Es gibt keinen einzelnen Dosiswert, ab dem jede CT automatisch als Low-Dose-Untersuchung gilt. Körperregion, Fragestellung, Gerät und Patient:in müssen berücksichtigt werden.

„Mit moderner KI kann man die Strahlung beliebig reduzieren.“

Nein. Moderne Rekonstruktionsverfahren können Bildrauschen reduzieren und eine weitere Dosisoptimierung ermöglichen. Sie können fehlende Messinformationen aber nicht unbegrenzt ersetzen.

„Low-Dose ist immer besser.“

Nein. Eine geringere Strahlenexposition ist wünschenswert, solange die diagnostische Aussagekraft erhalten bleibt. Wird die Dosis zu stark reduziert, können relevante Veränderungen schlechter sichtbar werden.

„Je niedriger die Strahlendosis, desto moderner das CT.“

Nein. Die reine Dosis sagt nicht aus, wie gut eine Untersuchung geplant wurde. Ein modernes CT-Protokoll muss Strahlenexposition und diagnostische Bildqualität sinnvoll aufeinander abstimmen.

Fazit

Eine Low-Dose-CT ist keine eigene Untersuchungsmethode, sondern eine an die medizinische Fragestellung angepasste Computertomografie mit reduzierter Strahlendosis.

Besonders gut eignet sich dieses Prinzip für Fragestellungen, bei denen die gesuchten Strukturen einen hohen natürlichen Kontrast besitzen oder wiederholte Untersuchungen erforderlich sein können.

Moderne Detektoren, automatische Dosisanpassung sowie iterative und KI-basierte Rekonstruktionsverfahren ermöglichen heute eine zunehmend optimierte Strahlenexposition.

Entscheidend bleibt jedoch die diagnostische Aufgabe: Die beste CT ist nicht die mit der niedrigsten Dosis, sondern die mit der niedrigsten Dosis, die eine zuverlässige Diagnose ermöglicht.

Weiterführende Beiträge

Literatur und weiterführende Informationen

  1. Bundesamt für Gesundheit (BAG): Diagnostische Referenzwerte im Strahlenschutz. Schweiz.
  2. Bundesamt für Gesundheit (BAG): Trends and evolution in computed tomography radiation dose from 2018 and 2023: a Swiss perspective of the medical radiation exposure. Journal of Radiological Protection. 2025;45:033501.
  3. International Commission on Radiological Protection (ICRP): Diagnostic Reference Levels in Medical Imaging. ICRP Publication 135. Annals of the ICRP. 2017;46(1).
  4. International Atomic Energy Agency (IAEA): Radiation Protection of Patients: Computed Tomography. Vienna.
  5. American College of Radiology (ACR): Lung CT Screening Reporting & Data System (Lung-RADS). Current guidance.
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