MRI und Metall ist ein wichtiges Sicherheitsthema, weil bei der Magnetresonanztomografie ein sehr starkes Magnetfeld eingesetzt wird. Vor einer MRI-Untersuchung wird deshalb sorgfältig abgeklärt, ob sich Implantate, medizinische Geräte oder andere metallische Gegenstände im oder am Körper befinden.
Metall bedeutet jedoch nicht automatisch, dass ein MRI nicht durchgeführt werden kann. Viele moderne Implantate können unter definierten Bedingungen sicher im MRI untersucht werden. Entscheidend ist deshalb nicht nur die Frage „Haben Sie Metall im Körper?“, sondern vor allem: Was genau wurde implantiert? Wie eine MRI-Untersuchung grundsätzlich funktioniert, erklären wir im Beitrag „MRI einfach erklärt“.
Kurz gesagt: Darf man mit Metall ins MRI?
Das hängt vom jeweiligen Gegenstand oder Implantat ab. Viele Gelenkprothesen, Schrauben, Platten, Gefässstents und andere moderne Implantate stellen bei Beachtung der entsprechenden Vorgaben kein grundsätzliches Hindernis für eine MRI-Untersuchung dar.
Bei bestimmten Implantaten – insbesondere Herzschrittmachern, Defibrillatoren, Neurostimulatoren, Cochlea-Implantaten oder anderen elektronischen beziehungsweise magnetisch beeinflussbaren Systemen – ist dagegen eine genaue Prüfung erforderlich.
Schmuck, Uhren, Mobiltelefone und andere abnehmbare metallische oder elektronische Gegenstände bleiben grundsätzlich ausserhalb des MRI-Raums.
Warum ist Metall im MRI überhaupt ein Thema?
Ein MRI arbeitet mit einem starken statischen Magnetfeld, schnell wechselnden Magnetfeldgradienten und Hochfrequenzenergie.
Abhängig von Material und Konstruktion können unterschiedliche Effekte auftreten:
- bestimmte metallische Gegenstände können vom Magnetfeld angezogen werden,
- es können Kräfte oder ein Drehmoment (Tendenz eines Gegenstands, sich im Magnetfeld auszurichten oder zu verdrehen) entstehen,
- metallische Strukturen können sich unter bestimmten Bedingungen erwärmen,
- elektronische Implantate können beeinflusst werden und
- Metall kann die Bildqualität beeinträchtigen.
Welche dieser Effekte tatsächlich relevant sind, hängt stark vom jeweiligen Implantat ab. Deshalb lässt sich die Sicherheit nicht allein daran beurteilen, ob ein Gegenstand „aus Metall“ besteht.
Was bedeuten MR Safe, MR Conditional und MR Unsafe?
Für medizinische Produkte werden international drei wichtige Sicherheitskategorien verwendet.
MR Safe
MR Safe bezeichnet Gegenstände, von denen in einer MRI-Umgebung keine bekannten Gefahren ausgehen. Nach der entsprechenden Definition bestehen solche Produkte aus nichtmetallischen, nichtleitenden und nichtmagnetischen Materialien.
MR Conditional
MR Conditional bedeutet, dass ein Implantat oder medizinisches Gerät unter genau festgelegten Bedingungen im MRI untersucht werden kann.
Diese Bedingungen können beispielsweise betreffen:
- die zulässige Magnetfeldstärke,
- Grenzwerte der Hochfrequenzbelastung,
- Eigenschaften der Gradienten,
- die Lage beziehungsweise Position der Patientin oder des Patienten oder
- weitere technische Vorgaben.
MR Conditional bedeutet deshalb nicht einfach „MRI-tauglich“. Es bedeutet: Das MRI kann durchgeführt werden, wenn die für dieses konkrete Produkt festgelegten Bedingungen eingehalten werden.
MR Unsafe
MR Unsafe bezeichnet Gegenstände oder Geräte, von denen in der MRI-Umgebung ein nicht akzeptables Risiko ausgeht. Sie dürfen entsprechend ihrer Kennzeichnung nicht in die dafür ausgeschlossenen Bereiche der MRI-Umgebung gelangen.
Warum muss man das genaue Implantat kennen?
Zwei Implantate mit ähnlicher Funktion können völlig unterschiedliche MRI-Bedingungen haben.
Die Aussage „Ich habe einen Herzschrittmacher“ oder „Ich habe eine Hüftprothese“ reicht deshalb für die Sicherheitsprüfung nicht immer aus.
Besonders bei komplexen oder aktiven Implantaten können Hersteller, Modellbezeichnung, implantierte Komponenten und manchmal auch das Implantationsdatum wichtig sein.
Wenn Sie einen Implantatpass (Dokument mit Angaben zu Hersteller, Modell und Eigenschaften eines implantierten medizinischen Produkts) besitzen, sollten Sie ihn deshalb zur MRI-Untersuchung mitbringen. Weitere allgemeine Hinweise vor einer MRI-Untersuchung finden Sie im Beitrag „MRI-Vorbereitung: Muss man nüchtern sein?“.
Kann man mit einer Hüft- oder Knieprothese ins MRI?
Viele Patient:innen mit modernen orthopädischen Implantaten können im MRI untersucht werden.
Dazu gehören beispielsweise zahlreiche Gelenkprothesen, Osteosyntheseplatten, Schrauben und andere fest im Knochen verankerte Implantate.
Trotzdem sollte jedes Implantat bei der Sicherheitsabklärung angegeben werden.
Metall kann ausserdem sogenannte Artefakte (Bildstörungen beziehungsweise Signalverluste oder Bildverzerrungen) erzeugen. Dadurch können Strukturen in unmittelbarer Nähe des Implantats schlechter beurteilt werden.
Moderne MRI-Techniken können solche Metallartefakte teilweise deutlich reduzieren.
Kann man mit einem Herzschrittmacher ins MRI?
Ein Herzschrittmacher bedeutet heute nicht automatisch, dass ein MRI ausgeschlossen ist.
Viele moderne Herzschrittmachersysteme sind MR Conditional und können unter definierten Bedingungen untersucht werden.
Dabei muss jedoch das gesamte System berücksichtigt werden. Dazu gehören insbesondere der Herzschrittmacher selbst und die implantierten Elektroden.
Je nach System und klinischer Situation können zusätzliche Massnahmen erforderlich sein, beispielsweise:
- Kontrolle des Herzschrittmachers vor dem MRI,
- spezielle Programmierung für die Dauer der Untersuchung,
- geeignete Überwachung während des MRI und
- erneute Kontrolle nach der Untersuchung.
Auch Patient:innen mit älteren oder nicht ausdrücklich als MR Conditional gekennzeichneten Systemen können in spezialisierten Einrichtungen unter bestimmten Voraussetzungen für ein MRI infrage kommen. Dies erfordert jedoch eine individuelle medizinische Nutzen-Risiko-Abwägung und ein etabliertes Sicherheitsprotokoll.
Was gilt für implantierte Defibrillatoren?
Für implantierbare Kardioverter-Defibrillatoren, sogenannte ICD (implantierte Geräte zur Erkennung und Behandlung gefährlicher Herzrhythmusstörungen), gelten ähnliche Grundprinzipien wie für Herzschrittmacher.
Auch hier gibt es MR-Conditional-Systeme, die unter definierten Bedingungen untersucht werden können.
Da ein ICD lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen erkennen und behandeln soll, sind die korrekte Identifikation des Systems, eine geeignete Programmierung und die Überwachung besonders wichtig.
Ein ICD sollte deshalb bereits bei der Terminvereinbarung angegeben werden.
Was gilt für Cochlea-Implantate?
Bei Cochlea-Implantaten (elektronischen Hörimplantaten für bestimmte Formen hochgradiger Schwerhörigkeit) ist eine besonders genaue Prüfung notwendig.
Viele dieser Implantate enthalten einen Magneten. Je nach Modell unterscheiden sich die zulässige Magnetfeldstärke und die notwendigen Sicherheitsmassnahmen erheblich.
Bei bestimmten Systemen kann ein MRI unter festgelegten Bedingungen durchgeführt werden. Je nach Implantat können besondere Massnahmen erforderlich sein; bei manchen Modellen kann beispielsweise die Entfernung eines Implantatmagneten notwendig werden.
Der Implantatpass und die genaue Modellbezeichnung sind deshalb besonders wichtig.
Was gilt für Neurostimulatoren und Medikamentenpumpen?
Auch Neurostimulatoren, Rückenmarkstimulatoren, implantierte Medikamentenpumpen und ähnliche Systeme müssen vor einem MRI genau identifiziert werden.
Je nach Gerät können Einschränkungen bezüglich Magnetfeldstärke, untersuchter Körperregion, verwendeter Spulen oder anderer technischer Parameter bestehen.
Manche Geräte müssen vor der Untersuchung in einen speziellen MRI-Modus versetzt werden.
Patient:innen sollten deshalb nicht selbst davon ausgehen, dass ein Implantat MRI-tauglich ist, nur weil bereits früher einmal eine MRI-Untersuchung durchgeführt wurde.
Was ist mit Gefässstents, Clips und Filtern?
Auch Gefässstents, Gefässclips, Filter und andere intravaskuläre Implantate werden bei der MRI-Sicherheitsabklärung berücksichtigt.
Viele moderne Systeme können unter den vorgesehenen Bedingungen im MRI untersucht werden.
Besondere Aufmerksamkeit benötigen Implantate, deren genaue Art oder Herkunft unbekannt ist.
Bei bestimmten älteren Gefässclips – insbesondere intrakraniellen Aneurysmaclips (Gefässclips an Hirnarterien zur Behandlung eines Aneurysmas) – kann die genaue Identifikation für die Sicherheitsentscheidung entscheidend sein.
Warum muss Schmuck vor dem MRI abgelegt werden?
Schmuck sollte vor einer MRI-Untersuchung grundsätzlich abgelegt werden. Dazu gehören beispielsweise Halsketten, Ohrringe, Piercings, Ringe, Armbänder und Uhren.
Ein Grund ist, dass nicht immer zuverlässig bekannt ist, aus welcher Legierung ein Schmuckstück besteht und wie es sich im Magnetfeld verhält.
Metallische Gegenstände können ausserdem die Bildqualität beeinträchtigen oder sich unter ungünstigen Bedingungen erwärmen.
Am einfachsten ist es deshalb, Schmuck und andere nicht benötigte metallische Gegenstände bereits vor Betreten des MRI-Untersuchungsbereichs abzulegen.
Warum dürfen Handy, Schlüssel und Uhr nicht mit ins MRI?
Das starke statische Magnetfeld eines klinischen MRI ist bei den meisten Geräten dauerhaft vorhanden und nicht nur während der eigentlichen Bildaufnahme aktiv.
Ferromagnetische Gegenstände (Materialien, die von einem Magnetfeld besonders stark angezogen werden können) können dadurch beschleunigt und im ungünstigsten Fall zu gefährlichen Projektilen werden.
Deshalb dürfen beispielsweise Schlüssel, Werkzeuge oder andere ungeprüfte metallische Gegenstände nicht in den kontrollierten MRI-Bereich gelangen.
Mobiltelefone, Smartwatches, Bankkarten und andere elektronische oder magnetisch empfindliche Gegenstände können ausserdem beschädigt oder in ihrer Funktion beeinträchtigt werden.
Was ist mit Piercings, die sich nicht entfernen lassen?
Wenn sich ein Piercing nicht entfernen lässt, sollte dies dem MRI-Team vor der Untersuchung mitgeteilt werden.
Entscheidend sind Material, Position und die geplante Untersuchung.
Das Team kann dann beurteilen, ob das MRI unter den gegebenen Bedingungen möglich ist oder ob weitere Abklärungen notwendig sind.
Ein Piercing sollte nicht eigenständig mit Gewalt entfernt werden.
Was gilt für Zahnimplantate, Kronen und Zahnspangen?
Viele fest eingesetzte zahnmedizinische Materialien stellen kein grundsätzliches Hindernis für ein MRI dar.
Sie können jedoch insbesondere bei Untersuchungen von Kopf, Gesicht und Hals Bildartefakte verursachen.
Herausnehmbare zahnmedizinische Konstruktionen sollten entsprechend den Anweisungen des MRI-Teams entfernt werden.
Auch festsitzende Zahnspangen sollten vor der Untersuchung angegeben werden, insbesondere wenn Kopf oder Hals untersucht werden sollen.
Was ist mit Metallsplittern oder Fremdkörpern?
Besondere Aufmerksamkeit benötigen mögliche metallische Fremdkörper.
Das betrifft beispielsweise Menschen, die beruflich mit Metallbearbeitung zu tun haben oder in der Vergangenheit eine Verletzung durch Metallsplitter erlitten haben.
Besonders wichtig sind mögliche metallische Fremdkörper im Bereich der Augen. Besteht ein entsprechender Verdacht, kann vor dem MRI eine weitere Abklärung erforderlich sein.
Deshalb sollte eine frühere Verletzung durch Metall auch dann angegeben werden, wenn sie viele Jahre zurückliegt und heute keine Beschwerden verursacht.
Warum wird vor dem MRI ein Sicherheitsfragebogen ausgefüllt?
Der Sicherheitsfragebogen ist ein wichtiger Bestandteil jeder MRI-Untersuchung. Er soll mögliche Implantate, Fremdkörper und andere relevante Situationen erkennen, bevor Patient:innen den kontrollierten MRI-Bereich betreten.
Gefragt wird beispielsweise nach:
- Herzschrittmachern und Defibrillatoren,
- früheren Operationen,
- Gelenkprothesen,
- Gefässimplantaten,
- Hörimplantaten,
- Neurostimulatoren,
- Pumpensystemen und
- metallischen Fremdkörpern.
Diese Fragen sollten möglichst vollständig beantwortet werden.
Wenn Sie bei einem Implantat unsicher sind, ist auch „Ich weiss es nicht genau“ eine wichtige Information. Das radiologische Team kann dann gezielt nachfragen und weitere Unterlagen anfordern.
Was sollte ich vor einem MRI mit Implantat mitbringen?
Wenn Sie ein Implantat oder medizinisches Gerät tragen, bringen Sie nach Möglichkeit den Implantatpass oder andere Unterlagen mit, aus denen Hersteller und genaue Modellbezeichnung hervorgehen.
Bei Herzschrittmachern, Defibrillatoren und anderen elektronischen Implantaten ist es sinnvoll, die radiologische Einrichtung bereits bei der Terminvereinbarung darüber zu informieren.
So können notwendige Abklärungen vor dem Untersuchungstag durchgeführt werden.
Dadurch lässt sich vermeiden, dass eine medizinisch sinnvolle MRI-Untersuchung allein deshalb verschoben werden muss, weil wichtige Informationen zum Implantat fehlen.
Häufige Missverständnisse zu MRI und Metall
„Mit Metall im Körper darf man niemals ins MRI.“
Nein. Viele moderne Implantate können unter bestimmten Bedingungen sicher im MRI untersucht werden. Entscheidend sind das konkrete Implantat und seine MRI-Sicherheitsbedingungen.
„Titan ist immer problemlos.“
Diese Aussage ist zu pauschal. Das Material allein reicht nicht aus, um die MRI-Sicherheit eines medizinischen Produkts zu beurteilen. Entscheidend ist die Bewertung des konkreten Implantats beziehungsweise Systems.
„Ein moderner Herzschrittmacher ist automatisch MRI-sicher.“
Nein. Viele moderne Systeme sind MR Conditional. Das bedeutet, dass ein MRI nur unter den für das konkrete System festgelegten Bedingungen durchgeführt werden darf.
„Wenn ich mit meinem Implantat schon einmal im MRI war, geht es immer wieder.“
Nicht unbedingt. Magnetfeldstärke, MRI-System, Untersuchungsregion und technische Parameter können unterschiedlich sein. Die Sicherheitsbedingungen müssen deshalb bei jeder Untersuchung berücksichtigt werden.
„Schmuck ist nur ein Problem, weil er die Bilder stört.“
Nein. Neben möglichen Bildartefakten spielen auch magnetische Kräfte und mögliche Erwärmung eine Rolle. Deshalb werden nicht benötigte metallische Gegenstände vor der Untersuchung entfernt.
Wann sollte ich das MRI-Team unbedingt informieren?
Informieren Sie das MRI-Team insbesondere über:
- Herzschrittmacher oder Defibrillatoren,
- Cochlea-Implantate,
- Neurostimulatoren,
- Medikamentenpumpen,
- Gefässclips,
- Gelenkprothesen und andere Implantate sowie
- mögliche metallische Fremdkörper.
Auch frühere Operationen können wichtig sein, wenn Sie nicht genau wissen, ob dabei ein Implantat eingesetzt wurde.
Im Zweifelsfall ist es besser, eine Information zusätzlich anzugeben, als ein möglicherweise relevantes Implantat unerwähnt zu lassen.
Fazit
MRI und Metall schliessen sich nicht grundsätzlich aus. Viele Implantate können heute unter definierten Bedingungen sicher untersucht werden.
Entscheidend ist jedoch, dass das konkrete Implantat bekannt ist und seine MRI-Sicherheitsbedingungen überprüft werden.
Besondere Aufmerksamkeit benötigen unter anderem Herzschrittmacher, Defibrillatoren, Cochlea-Implantate, Neurostimulatoren und andere aktive medizinische Geräte.
Bringen Sie vorhandene Implantatpässe mit und informieren Sie das MRI-Team möglichst frühzeitig über alle Implantate und metallischen Fremdkörper.
Weiterführende Beiträge auf radiologie24
- MRI einfach erklärt: Ablauf, Funktionsweise und Sicherheit
- Wie funktioniert MRI?
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- MRI-Kontrastmittel: Nutzen und Risiken
- Platzangst beim MRI: Was hilft?
- Offenes MRI: Vorteile, Nachteile und Upright-MRI
Literatur und weiterführende Informationen
- American College of Radiology (ACR): ACR Manual on MR Safety. 2026.
- U.S. Food and Drug Administration (FDA): Benefits and Risks of Magnetic Resonance Imaging.
- U.S. Food and Drug Administration (FDA): Testing and Labeling Medical Devices for Safety in the Magnetic Resonance Environment. Guidance for Industry and Food and Drug Administration Staff. 2023.
- ASTM International: ASTM F2503 – Standard Practice for Marking Medical Devices and Other Items for Safety in the Magnetic Resonance Environment.
- International Electrotechnical Commission (IEC): IEC 60601-2-33 – Particular requirements for the basic safety and essential performance of magnetic resonance equipment for medical diagnosis.
- Shellock FG, Crues JV: MR Procedures: Biologic Effects, Safety, and Patient Care. Radiology.


