Platzangst beim MRI ist keine Seltenheit. Manche Patient:innen fühlen sich bereits beim Gedanken an die enge Öffnung des Geräts unwohl, andere bemerken die Angst erst, wenn der Untersuchungstisch in das MRI hineinfährt.
Eine MRI-Untersuchung muss deshalb aber nicht zwangsläufig abgebrochen werden. Oft helfen bereits einfache Massnahmen wie ein Spiegel, eine gute Kommunikation oder eine Begleitperson. Bei stärker ausgeprägter Klaustrophobie kommen weitere Möglichkeiten bis hin zu Medikamenten oder einer Untersuchung unter Sedierung infrage.
Kurz gesagt: Was hilft bei Platzangst im MRI?
Platzangst beim MRI sollte möglichst schon vor dem Untersuchungstermin angesprochen werden. Je früher die Radiologie davon weiss, desto besser kann die Untersuchung vorbereitet werden.
Ein Spiegel mit Blick aus dem Gerät, eine Begleitperson, Musik, Entspannungstechniken oder ein MRI mit weiter und kurzer Öffnung können helfen. Bei stärkerer Angst können nach ärztlicher Rücksprache angstlösende Medikamente eingesetzt werden. Eine tiefere Sedierung oder Anästhesie erfordert dagegen entsprechende medizinische Voraussetzungen und Überwachung.
Warum kann ein MRI Platzangst auslösen?
Bei einer MRI-Untersuchung liegt die Patientin oder der Patient auf einem Untersuchungstisch, der in die Öffnung des Magneten gefahren wird. Je nach untersuchter Körperregion befindet sich dabei auch der Kopf innerhalb des Geräts. Wie ein MRI grundsätzlich aufgebaut ist und wie die Untersuchung funktioniert, erklären wir im Beitrag „Wie funktioniert MRI?“.
Mehrere Eindrücke können zusammenkommen: die räumliche Enge, die Nähe der Geräteoberfläche, die ungewohnte Umgebung und die lauten Geräusche während der Messungen. Gleichzeitig soll man möglichst ruhig liegen. Manche Menschen empfinden dadurch einen Verlust der Kontrolle.
Bei ausgeprägter Klaustrophobie (Angst in engen oder geschlossenen Räumen) können Herzklopfen, Schwitzen, Zittern, Schwindel, beschleunigte Atmung oder das starke Bedürfnis entstehen, das Gerät sofort zu verlassen.
Solche Reaktionen können auch Menschen erleben, die im Alltag keine ausgeprägte Platzangst kennen.
Platzangst beim MRI vorher ansprechen
Wer weiss, dass enge Räume problematisch sind, sollte dies bereits bei der Terminvereinbarung mitteilen. Auch frühere abgebrochene MRI-Untersuchungen sind eine wichtige Information.
Das Untersuchungsteam kann dann gemeinsam mit Ihnen überlegen, welche Massnahmen sinnvoll sind. Häufig lässt sich bereits dadurch verhindern, dass die Angst erst unmittelbar vor Beginn der Untersuchung zum Problem wird.
Je nach Einrichtung kann es beispielsweise möglich sein, das MRI vorher anzusehen, den Ablauf ausführlicher zu erklären oder zusätzliche Zeit für die Vorbereitung einzuplanen. Einen allgemeinen Überblick über Ablauf, Funktionsweise und wichtige Sicherheitsfragen finden Sie im Beitrag „MRI einfach erklärt“.
Ein Spiegel kann den Blick aus dem MRI ermöglichen
Eine besonders einfache Möglichkeit ist ein Spiegel an der Kopfspule. Solche Spiegel sind so angeordnet, dass Patient:innen während der Untersuchung nicht nur die Innenwand des MRI sehen, sondern aus dem Gerät herausblicken können.
Je nach System lässt sich beispielsweise der Untersuchungsraum oder eine Person ausserhalb des Geräts sehen. Dadurch kann sich die räumliche Wahrnehmung verändern: Statt unmittelbar auf die Innenwand zu schauen, entsteht optisch ein Blick aus dem MRI heraus.
Gerade bei Untersuchungen des Kopfes, bei denen sich zusätzlich eine Empfangsspule um den Kopf befindet, kann ein solcher Spiegel hilfreich sein.
Kann eine Begleitperson mit in den MRI-Raum?
In manchen Einrichtungen kann eine Begleitperson mit in den MRI-Raum kommen. Voraussetzung ist, dass die radiologische Einrichtung dies erlaubt und die Begleitperson ebenfalls vollständig auf mögliche Risiken im starken Magnetfeld überprüft wurde.
Die Begleitperson kann während der Untersuchung in der Nähe bleiben und – sofern Position und Untersuchung dies zulassen – beispielsweise Hand, Fuss oder Bein der Patientin beziehungsweise des Patienten berühren.
Auch für Begleitpersonen gelten sämtliche MRI-Sicherheitsregeln. Uhren, Mobiltelefone, Schlüssel und andere ungeeignete Gegenstände dürfen nicht einfach mit in den MRI-Raum genommen werden. Implantate oder medizinische Geräte müssen ebenfalls berücksichtigt werden.
Kommunikation während des MRI hilft gegen Kontrollverlust
Patient:innen sind während der Untersuchung normalerweise nicht vom Personal abgeschnitten. Über eine Gegensprechanlage besteht Kontakt zur radiologischen Fachperson.
Zusätzlich erhalten Patient:innen häufig einen Rufball oder eine andere Signalmöglichkeit. Damit können sie sich bemerkbar machen, wenn die Angst zu stark wird oder ein anderes Problem auftritt.
Allein das Wissen, die Untersuchung nicht hilflos aushalten zu müssen, kann hilfreich sein. Wenn erforderlich, kann eine Messsequenz unterbrochen und der Untersuchungstisch aus dem Gerät gefahren werden.
Augen schliessen oder bewusst hinausschauen?
Manchen Menschen hilft es, die Augen bereits zu schliessen, bevor der Untersuchungstisch in das MRI hineinfährt. Dadurch wird die räumliche Enge weniger unmittelbar wahrgenommen.
Andere fühlen sich wohler, wenn sie über einen Spiegel aus dem Gerät schauen können.
Es gibt deshalb nicht die eine richtige Methode. Entscheidend ist, welche Strategie der einzelnen Patientin oder dem einzelnen Patienten mehr Sicherheit vermittelt.
Ruhiges Atmen kann die Angst reduzieren
Angst führt häufig zu schnellerer und flacherer Atmung. Dadurch können körperliche Empfindungen entstehen, die wiederum als bedrohlich wahrgenommen werden und die Angst weiter verstärken.
Bewusst langsames und ruhiges Atmen kann helfen, diesen Kreislauf zu unterbrechen. Dabei geht es nicht darum, besonders tief oder möglichst viel zu atmen, sondern um einen gleichmässigen Atemrhythmus.
Auch andere Entspannungsverfahren können unterstützend eingesetzt werden.
Musik und audiovisuelle Systeme können ablenken
Viele MRI-Einrichtungen bieten Kopfhörer oder Musik während der Untersuchung an. Neben dem notwendigen Gehörschutz kann Musik dazu beitragen, die Aufmerksamkeit von der Untersuchung wegzulenken.
Modernere Systeme ermöglichen teilweise auch visuelle Inhalte. Über MRI-kompatible Spiegel- oder Videosysteme können Patient:innen beispielsweise Bilder oder Filme sehen.
Solche Möglichkeiten stehen jedoch nicht in jeder radiologischen Einrichtung zur Verfügung.
Hilft ein breiteres oder offenes MRI bei Platzangst?
Moderne MRI-Geräte besitzen häufig eine relativ weite und teilweise kürzere Öffnung. Ein sogenanntes Wide-Bore-MRI (MRI mit besonders weiter röhrenförmiger Öffnung) kann insbesondere für Menschen mit Platzangst angenehmer sein als ein langes und engeres Gerät.
Daneben existieren offenere MRI-Konstruktionen. Sie können für einzelne Patient:innen eine Alternative darstellen. Die unterschiedlichen Bauformen, ihre Vorteile und ihre technischen Grenzen erklären wir ausführlich im Beitrag „Offenes MRI: Vorteile, Nachteile und Upright-MRI“.
Allerdings eignet sich nicht jedes Gerät gleich gut für jede diagnostische Fragestellung. Auch ein offenes oder besonders breites MRI garantiert nicht, dass keine Klaustrophobie auftritt.
Entscheidend ist deshalb, ein Gerät zu wählen, das sowohl möglichst gut toleriert wird als auch die medizinische Frage zuverlässig beantworten kann.
Spielt die untersuchte Körperregion eine Rolle?
Ja. Bei einem MRI des Gehirns oder der Halswirbelsäule befindet sich der Kopf normalerweise im Gerät. Zusätzlich wird bei Untersuchungen des Kopfes eine spezielle Empfangsspule verwendet.
Bei anderen Untersuchungen kann die Position günstiger sein. Je nach Körperregion und Gerät können Patient:innen teilweise mit den Füssen zuerst untersucht werden oder der Kopf befindet sich näher an beziehungsweise ausserhalb der Öffnung.
Ob eine solche Position möglich ist, hängt von der geplanten Untersuchung und der verwendeten Technik ab.
Welche ergänzenden Entspannungsverfahren gibt es?
In einzelnen Einrichtungen werden zusätzliche Verfahren wie Hypnose beziehungsweise angeleitete Selbsthypnose eingesetzt. Untersuchungen deuten darauf hin, dass solche Methoden bei bestimmten Patient:innen mit hohem Klaustrophobierisiko hilfreich sein können.
Auch Aromatherapie wurde als ergänzende Massnahme untersucht. Die wissenschaftliche Evidenz ist hierfür jedoch deutlich begrenzter.
Solche Verfahren können eine gute Vorbereitung und etablierte organisatorische oder medizinische Massnahmen ergänzen, sie aber nicht ersetzen.
Medikamente gegen Platzangst beim MRI
Wenn einfache Massnahmen nicht ausreichen, kann bei stärkerer Platzangst beim MRI nach ärztlicher Rücksprache ein angstlösendes oder beruhigendes Medikament eingesetzt werden.
Welche Substanz geeignet ist und wann sie eingenommen werden soll, muss individuell festgelegt werden.
Patient:innen sollten deshalb nicht eigenständig Beruhigungsmittel einnehmen oder die Dosierung vorhandener Medikamente verändern.
Beruhigende Medikamente können Aufmerksamkeit, Reaktionsvermögen und Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Je nach Medikament und Dosierung kann deshalb eine Begleitperson erforderlich sein und das selbstständige Führen eines Fahrzeugs nach der Untersuchung ausgeschlossen sein.
Wann ist eine Sedierung oder Anästhesie notwendig?
Bei sehr ausgeprägter Klaustrophobie kann es vorkommen, dass eine diagnostisch notwendige MRI-Untersuchung trotz anderer Massnahmen nicht durchgeführt werden kann.
Dann kann eine Untersuchung unter einer stärkeren Sedierung (medikamentöse Beruhigung mit unterschiedlicher Tiefe der Bewusstseinsdämpfung) oder in besonderen Fällen unter Anästhesie (Narkose beziehungsweise tieferer Ausschaltung des Bewusstseins) erwogen werden.
Dies ist deutlich aufwendiger als die Einnahme eines einfachen angstlösenden Medikaments. Sedierung und Anästhesie erfordern geeignete Überwachungsmöglichkeiten, entsprechend qualifiziertes Personal und MRI-kompatible medizinische Geräte.
Solche Untersuchungen werden deshalb in entsprechend ausgestatteten Einrichtungen durchgeführt.
Warum ist Sedierung nicht die erste Lösung?
Wenn eine MRI-Untersuchung mit einfachen Massnahmen ohne Sedierung möglich ist, hat dies mehrere Vorteile.
Beruhigungs- und Narkosemedikamente bringen zusätzliche medizinische Risiken und organisatorische Anforderungen mit sich.
Deshalb werden zunächst möglichst einfache und risikoarme Strategien genutzt. Bei ausgeprägter Klaustrophobie kann eine medikamentöse Unterstützung dennoch genau die richtige Lösung sein, wenn die Untersuchung sonst nicht möglich wäre.
Was kann ich selbst vor dem MRI tun?
Informieren Sie die Radiologie bereits vor dem Termin über Ihre Platzangst und teilen Sie mit, wenn Sie schon einmal eine MRI-Untersuchung deswegen abbrechen mussten.
Fragen Sie, welche Möglichkeiten die Einrichtung anbietet. Spiegel, Musik, eine Begleitperson oder ein Gerät mit weiter Öffnung können bei der Planung berücksichtigt werden.
Wenn Sie glauben, ein Beruhigungsmittel oder eine Sedierung zu benötigen, sollte auch dies vorab besprochen werden. Solche Massnahmen können nicht in jeder Einrichtung spontan organisiert werden.
Was tun, wenn während des MRI plötzlich Angst entsteht?
Versuchen Sie, ruhig und gleichmässig zu atmen und konzentrieren Sie sich beispielsweise auf Musik, eine vertraute Stimme oder den Blick über einen Spiegel aus dem Gerät.
Erinnern Sie sich daran, dass das Untersuchungsteam Sie beobachten und mit Ihnen kommunizieren kann.
Halten Sie den Rufball in der Hand und geben Sie ein Signal, wenn die Situation für Sie nicht mehr tolerierbar ist.
Eine MRI-Untersuchung soll nicht gegen eine zunehmende Panik „durchgestanden“ werden. Häufig lässt sich nach einer kurzen Unterbrechung gemeinsam entscheiden, ob und wie die Untersuchung fortgesetzt werden kann.
Häufige Missverständnisse bei Platzangst im MRI
„Wer Platzangst hat, kann kein MRI bekommen.“
Nein. Viele Patient:innen mit Klaustrophobie können mit geeigneter Vorbereitung und unterstützenden Massnahmen erfolgreich untersucht werden.
„Ein offenes MRI löst das Problem immer.“
Nein. Offenere oder breitere Geräte können helfen, verhindern klaustrophobische Reaktionen aber nicht zuverlässig. Zudem muss das verwendete MRI für die diagnostische Fragestellung geeignet sein.
„Wenn ich den Rufball drücke, ist die Untersuchung automatisch beendet.“
Nein. Der Rufball dient zunächst dazu, Kontakt mit dem Untersuchungsteam aufzunehmen. Je nach Situation kann eine kurze Pause ausreichen und die Untersuchung anschliessend fortgesetzt werden.
„Bei Platzangst braucht man immer ein Beruhigungsmittel.“
Nein. Viele Menschen kommen mit nichtmedikamentösen Massnahmen zurecht. Medikamente sind eine zusätzliche Möglichkeit, wenn einfachere Strategien nicht ausreichen.
„Eine Sedierung beim MRI ist dasselbe wie eine Narkose.“
Nein. Es gibt unterschiedliche Stufen von angstlösender Medikation und Sedierung bis hin zur Allgemeinanästhesie.
Fazit
Platzangst beim MRI bedeutet nicht, dass eine Magnetresonanztomografie unmöglich ist.
Häufig helfen bereits einfache Massnahmen wie ein Spiegel mit Blick aus dem Gerät, eine gute Kommunikation, Musik oder – wenn die Einrichtung dies ermöglicht – eine Begleitperson im Untersuchungsraum.
Weitere Möglichkeiten reichen von Entspannungsverfahren und einem möglichst geeigneten MRI-Gerät bis zu ärztlich verordneten angstlösenden Medikamenten. Bei sehr ausgeprägter Klaustrophobie kann eine Untersuchung unter Sedierung oder Anästhesie erforderlich sein.
Am wichtigsten ist, die Platzangst nicht erst unmittelbar vor Beginn der Untersuchung anzusprechen. Je früher das MRI-Team davon weiss, desto besser lässt sich eine passende und sichere Lösung vorbereiten.
Literatur und weiterführende Informationen
- American College of Radiology (ACR): ACR Manual on MR Safety. Aktuelle Ausgabe 2026.
- Enders J, Zimmermann E, Rief M, et al.: Reduction of claustrophobia with short-bore versus open magnetic resonance imaging: a randomized controlled trial. PLoS One. 2011;6:e23494.
- Dewey M, Schink T, Dewey CF: Claustrophobia during magnetic resonance imaging: cohort study in over 55,000 patients. Journal of Magnetic Resonance Imaging. 2007;26:1322–1327.
- Munn Z, Jordan Z: Interventions to reduce anxiety, distress and the need for sedation in adult patients undergoing magnetic resonance imaging: a systematic review. International Journal of Evidence-Based Healthcare. 2013;11:265–274.
- Törnqvist E, Månsson Å, Larsson EM, Hallström I: Impact of extended written information on patient anxiety and image motion artifacts during magnetic resonance imaging. Acta Radiologica. 2006;47:474–480.
- Hunt CH, Wood CP, Lane JI, Bolster BD, Bernstein MA, Witte RJ: Wide, short bore magnetic resonance at 1.5 T: reducing the failure rate in claustrophobic patients. Neuroradiology. 2011;53:281–286.
- Hollenhorst J, Münte S, Friedrich L, et al.: Using intranasal midazolam spray to prevent claustrophobia induced by MRI imaging. Anesthesia & Analgesia. 2001;92:139–143.
- Audio-guided self-hypnosis for reduction of claustrophobia during MR imaging: results of an observational 2-group study. European Radiology. 2021.


