Direkte und indirekte Arthrografie: Worin liegt der Unterschied?

Direkte und indirekte Arthrografie bei der MRI-Untersuchung des Schultergelenks

Direkte und indirekte Arthrografie sind spezielle Formen der MRI-Untersuchung von Gelenken. In der Praxis stellt sich jedoch zunächst eine andere Frage: Reicht ein natives MRI ohne Kontrastmittel aus, sollte Kontrastmittel direkt in das Gelenk gespritzt werden oder ist eine intravenöse Kontrastmittelgabe sinnvoll? Die Antwort hängt davon ab, welche Struktur beziehungsweise Erkrankung untersucht werden soll. Während die direkte MR-Arthrografie vor allem kleine Strukturen innerhalb des Gelenks detailliert darstellt, liefert intravenöses Kontrastmittel insbesondere Informationen über die Durchblutung und Aktivität von Geweben. Für viele Gelenkerkrankungen ist dagegen überhaupt kein Kontrastmittel notwendig.

Gelenk-MRI: Wann reicht eine Untersuchung ohne Kontrastmittel?

Die meisten MRI-Untersuchungen von Gelenken werden zunächst nativ (ohne Kontrastmittel) durchgeführt. Moderne MRI-Geräte und spezielle Gelenkspulen ermöglichen eine sehr detaillierte Darstellung von Knochen, Knochenmark, Knorpel, Menisken, Bändern, Sehnen, Muskeln und anderen Weichteilen.

Typische Fragestellungen lassen sich deshalb häufig bereits ohne Kontrastmittel zuverlässig beantworten. Dazu gehören beispielsweise viele Meniskusverletzungen am Knie, Kreuzbandverletzungen, Erkrankungen der Rotatorenmanschette (Sehnen- und Muskelgruppe zur Stabilisierung der Schulter), Muskel- und Sehnenverletzungen sowie zahlreiche degenerative Veränderungen (verschleissbedingte Veränderungen).

Auch ein Knochenmarködem (vermehrter Flüssigkeitsgehalt des Knochenmarks), viele osteochondrale Läsionen (Schäden an Gelenkknorpel und angrenzendem Knochen) und Gelenkergüsse sind im nativen MRI gut erkennbar.

Kontrastmittel ist deshalb bei einem Gelenk-MRI keineswegs automatisch notwendig. Es sollte vielmehr eine konkrete zusätzliche diagnostische Frage beantworten.

Wann braucht ein Gelenk-MRI überhaupt Kontrastmittel?

Grundsätzlich gibt es zwei unterschiedliche Möglichkeiten: Kontrastmittel kann direkt in das Gelenk oder intravenös über eine Vene gegeben werden.

Diese beiden Vorgehensweisen erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Bei der direkten MR-Arthrografie steht die detaillierte Darstellung der Strukturen innerhalb des Gelenks im Vordergrund. Durch das Auffüllen des Gelenks werden diese Strukturen voneinander abgehoben und kleine Defekte können deutlicher sichtbar werden.

Bei intravenöser Kontrastmittelgabe interessiert dagegen häufig, welches Gewebe Kontrastmittel aufnimmt. Dadurch lassen sich beispielsweise entzündlich veränderte Gelenkinnenhaut, bestimmte Weichteilveränderungen oder Tumorgewebe genauer beurteilen.

Die Frage lautet deshalb nicht einfach „MRI mit oder ohne Kontrastmittel?“, sondern vielmehr: Welche zusätzliche Information soll das Kontrastmittel liefern?

Was ist eine direkte MR-Arthrografie?

Bei der direkten MR-Arthrografie wird unter sterilen Bedingungen eine dünne Nadel in das Gelenk eingeführt. Die korrekte Position der Nadel wird bildgesteuert kontrolliert, beispielsweise mit Durchleuchtung (Röntgenkontrolle) oder Ultraschall.

Anschliessend wird eine verdünnte gadoliniumhaltige Kontrastmittellösung unmittelbar in den Gelenkraum injiziert. Danach erfolgt die MRI-Untersuchung.

Der entscheidende Vorteil besteht nicht allein darin, dass sich Kontrastmittel im Gelenk befindet. Durch die eingebrachte Flüssigkeit entsteht gleichzeitig eine Gelenkdistension (kontrollierte Aufdehnung der Gelenkkapsel).

Warum verbessert die Gelenkdistension die Diagnostik?

Durch das Auffüllen des Gelenks werden normalerweise eng aneinanderliegende Strukturen voneinander abgehoben. Dadurch können beispielsweise Labrum, Gelenkkapsel und Gelenkknorpel besser abgegrenzt werden.

Gleichzeitig kann das Kontrastmittel in kleine Risse und Defekte eindringen. Eine feine Läsion (Gewebeschädigung), die im nativen MRI kaum sichtbar ist, kann dadurch deutlicher erkennbar werden.

Ausserdem lässt sich bei bestimmten Gelenken beurteilen, ob Kontrastmittel durch einen Defekt in einen normalerweise getrennten Gelenkabschnitt gelangt. Diese Information kann diagnostisch besonders hilfreich sein.

Wann ist die direkte MR-Arthrografie sinnvoll?

Die direkte MR-Arthrografie ist eine spezialisierte Untersuchung und keine Routineuntersuchung für jeden Gelenkschmerz. Sie besitzt ihren grössten Nutzen bei ausgewählten Fragestellungen innerhalb eines Gelenks.

Typische Indikationen können sein:

  • Verdacht auf bestimmte Labrumläsionen (Verletzungen der faserknorpeligen Gelenklippe) an Schulter oder Hüfte
  • Schulterinstabilität mit Verdacht auf Verletzungen von Labrum und Kapsel
  • ausgewählte kleine Knorpeldefekte
  • bestimmte Bandverletzungen innerhalb eines Gelenks
  • Verletzungen des TFCC (triangulärer Faserknorpelkomplex des Handgelenks)
  • ausgewählte postoperative Fragestellungen
  • unklare intraartikuläre Befunde, wenn ein hochwertiges natives MRI die klinische Frage nicht ausreichend beantwortet

Welche Indikation tatsächlich besteht, hängt jedoch stark vom jeweiligen Gelenk, der klinischen Fragestellung und der Qualität des verfügbaren MRI ab.

Schulter: Wann ist eine direkte Arthrografie sinnvoll?

Die Schulter gehört zu den klassischen Einsatzgebieten der direkten MR-Arthrografie. Besonders wichtig ist die Untersuchung des Labrums (faserknorpelige Gelenklippe am Rand der Schulterpfanne).

Nach Schulterluxationen (Ausrenkungen) oder bei wiederholter Schulterinstabilität können kleine Verletzungen des Labrums und der Gelenkkapsel entstehen. Durch die Distension des Gelenks und das Eindringen von Kontrastmittel in einen Riss lassen sich solche Veränderungen teilweise besonders deutlich darstellen.

Auch bei einer SLAP-Läsion (Verletzung des oberen Labrums im Bereich des Ansatzes der langen Bizepssehne) kann eine MR-Arthrografie sinnvoll sein.

Allerdings ist sie nicht bei jeder Schultererkrankung notwendig. Viele Verletzungen der Rotatorenmanschette lassen sich beispielsweise bereits mit Ultraschall oder nativem MRI zuverlässig diagnostizieren.

Hüfte: Labrum und Knorpel

Auch am Hüftgelenk kann die direkte MR-Arthrografie zur detaillierten Beurteilung des Acetabulumlabrums (Gelenklippe am Rand der Hüftpfanne) und des Gelenkknorpels eingesetzt werden.

Eine wichtige Fragestellung sind Labrumverletzungen im Zusammenhang mit einem femoroacetabulären Impingement, kurz FAI (mechanischer Konflikt zwischen Hüftkopf beziehungsweise Schenkelhals und Hüftpfanne).

Moderne hochauflösende native MRI-Untersuchungen können allerdings inzwischen viele Labrum- und Knorpelveränderungen ebenfalls gut darstellen. Deshalb sollte auch hier individuell entschieden werden, ob die Gelenkpunktion einen relevanten diagnostischen Zusatznutzen erwarten lässt.

Handgelenk und andere Gelenke

Am Handgelenk können sehr kleine Band- und Knorpelstrukturen untersucht werden. Dazu gehört insbesondere der TFCC (triangulärer Faserknorpelkomplex, eine wichtige Stabilisierungsstruktur auf der Kleinfingerseite des Handgelenks).

Auch bestimmte Verletzungen der kleinen Handwurzelbänder können von der direkten Arthrografie profitieren. Dabei kann beispielsweise der Übertritt von Kontrastmittel zwischen normalerweise getrennten Gelenkabschnitten einen Defekt sichtbar machen.

An Knie, Ellenbogen oder Sprunggelenk bestehen ebenfalls spezielle Indikationen. Am Knie kann beispielsweise die Beurteilung eines erneut gerissenen Meniskus nach vorausgegangener Operation eine mögliche Fragestellung sein. Bei vielen Erkrankungen dieser Gelenke reicht jedoch ein natives MRI aus.

Was bedeutet intravenöses Kontrastmittel beim Gelenk-MRI?

Bei einem MRI mit intravenösem Kontrastmittel wird ein gadoliniumhaltiges Kontrastmittel über eine Vene verabreicht. Es verteilt sich über den Blutkreislauf und gelangt dadurch in durchblutete Gewebe.

Das diagnostische Prinzip unterscheidet sich grundlegend von der direkten Arthrografie. Hier soll nicht primär das Gelenk mechanisch aufgefüllt werden. Stattdessen untersucht man die Kontrastmittelaufnahme beziehungsweise das Enhancement (verstärkte Darstellung eines Gewebes nach Kontrastmittelgabe).

Gewebe mit erhöhter Durchblutung oder veränderter Gefässdurchlässigkeit können dadurch deutlicher sichtbar werden. Das betrifft beispielsweise entzündliche Veränderungen, die Gelenkinnenhaut und bestimmte Tumoren.

Wann ist intravenöses Kontrastmittel sinnvoll?

Eine intravenöse Kontrastmittelgabe kann insbesondere dann zusätzliche Informationen liefern, wenn nicht nur die mechanische Struktur eines Gelenks, sondern die Aktivität beziehungsweise Durchblutung eines krankhaften Prozesses beurteilt werden soll.

Mögliche Fragestellungen sind beispielsweise:

  • Synovitis (Entzündung der Gelenkinnenhaut)
  • entzündliche Gelenkerkrankungen
  • Infektionen beziehungsweise Verdacht auf Gelenk- oder Weichteilinfektionen
  • bestimmte postoperative Fragestellungen
  • Abgrenzung von Narbengewebe und aktivem krankhaftem Gewebe in ausgewählten Situationen
  • Tumoren und tumorähnliche Veränderungen
  • Beurteilung angrenzender entzündlicher oder tumoröser Weichteilveränderungen

Auch bei diesen Fragestellungen bedeutet das jedoch nicht, dass Kontrastmittel immer notwendig ist. Die Indikation hängt von der konkreten klinischen Frage und den bereits vorhandenen Befunden ab.

Frozen Shoulder: Braucht man intravenöses Kontrastmittel?

Die Frozen Shoulder beziehungsweise adhäsive Kapsulitis (schmerzhafte Erkrankung mit zunehmender Bewegungseinschränkung durch Veränderungen der Gelenkkapsel) ist ein gutes Beispiel dafür, warum zwischen „besser sichtbar“ und „notwendig“ unterschieden werden muss.

Im nativen MRI können charakteristische Veränderungen der Gelenkkapsel und des Rotatorenintervalls (anatomischer Bereich zwischen zwei Sehnen der Rotatorenmanschette) erkannt werden. Dazu gehören beispielsweise eine Verdickung bestimmter Kapselabschnitte und Veränderungen des umgebenden Fettgewebes.

Nach intravenöser Kontrastmittelgabe können entzündlich veränderte und stärker durchblutete Kapsel- und Synovialstrukturen deutlicher kontrastieren. Dadurch kann die Aktivität dieser Veränderungen besser sichtbar werden.

Für die übliche diagnostische Abklärung einer vermuteten Frozen Shoulder ist intravenöses Kontrastmittel jedoch nicht grundsätzlich erforderlich. Ein hochwertiges natives MRI ist in vielen Fällen ausreichend. Die zusätzliche Kontrastmittelgabe sollte deshalb einer konkreten Fragestellung vorbehalten bleiben.

Synovitis: Warum kann intravenöses Kontrastmittel helfen?

Die Synovia (Gelenkinnenhaut) ist normalerweise sehr dünn. Bei einer Entzündung kann sie verdicken und stärker durchblutet werden. Diese Veränderung bezeichnet man als Synovitis (Entzündung der Gelenkinnenhaut).

Ein Gelenkerguss und verdickte Synovia können im nativen MRI bereits sichtbar sein. Nach intravenöser Kontrastmittelgabe nimmt entzündlich veränderte Synovia jedoch Kontrastmittel auf und kann dadurch besser von der Gelenkflüssigkeit abgegrenzt werden.

Das kann bei ausgewählten entzündlichen Erkrankungen diagnostisch hilfreich sein. Die Kontrastmittelaufnahme liefert dabei eine andere Information als die direkte Arthrografie: Sie zeigt nicht primär einen mechanischen Defekt, sondern Eigenschaften des Gewebes.

Welche Rolle spielt intravenöses Kontrastmittel bei Tumoren?

Bei einem Tumor oder einer tumorähnlichen Veränderung des Bewegungsapparates kann intravenöses Kontrastmittel zusätzliche Informationen liefern. Es kann beispielsweise helfen, durchblutete solide Tumoranteile von Flüssigkeit, Nekrosen (abgestorbenem Gewebe) oder anderen Gewebekomponenten abzugrenzen.

Darüber hinaus kann die kontrastverstärkte MRI bei ausgewählten Fragestellungen für die Planung einer Biopsie (Entnahme einer Gewebeprobe), die Beurteilung der lokalen Tumorausdehnung oder die Kontrolle nach einer Behandlung hilfreich sein.

Ein Tumor ist allerdings keine typische Indikation für eine „indirekte Arthrografie“. In dieser Situation handelt es sich in der Regel um ein kontrastverstärktes MRI nach intravenöser Kontrastmittelgabe.

Was ist dann eine indirekte MR-Arthrografie?

Die indirekte MR-Arthrografie ist eine besondere Form der Untersuchung nach intravenöser Kontrastmittelgabe. Das Kontrastmittel gelangt zunächst über den Blutkreislauf zur Synovia und tritt anschliessend in die Gelenkflüssigkeit über.

Nach der Kontrastmittelgabe wird häufig eine gewisse Zeit gewartet und das Gelenk gegebenenfalls bewegt. Dadurch kann sich das Kontrastmittel innerhalb des Gelenks verteilen. Anschliessend werden spezielle MRI-Sequenzen angefertigt.

Das Verfahren kann dadurch einen arthrografischen Effekt erzeugen, ohne dass das Gelenk punktiert werden muss.

Was sind die Vorteile der indirekten MR-Arthrografie?

Der wichtigste Vorteil ist die fehlende Gelenkpunktion. Das Verfahren ist deshalb weniger invasiv als die direkte MR-Arthrografie.

Gleichzeitig kontrastieren vaskularisierte Gewebe (Gewebe mit Blutgefässversorgung) innerhalb und ausserhalb des Gelenks. Das kann bei bestimmten Fragestellungen zusätzliche Informationen über Synovia und periartikuläre Strukturen (Gewebe in der Umgebung des Gelenks) liefern.

Diese Eigenschaft kann jedoch zugleich ein Nachteil sein, weil dadurch mehr Strukturen Kontrastmittel aufnehmen und die Interpretation komplexer werden kann.

Was kann die indirekte Arthrografie nicht so gut wie die direkte?

Bei der indirekten MR-Arthrografie wird das Gelenk nicht gezielt mit einer definierten Flüssigkeitsmenge aufgefüllt. Deshalb fehlt die kontrollierte Gelenkdistension, die einen wesentlichen Vorteil der direkten Arthrografie darstellt.

Zudem gelangt das intravenöse Kontrastmittel über die Synovia in sämtliche miteinander kommunizierenden Gelenkabschnitte. Deshalb lässt sich aus seiner Verteilung nicht zuverlässig ableiten, ob eine pathologische Verbindung durch einen Riss oder Defekt besteht.

Die indirekte Arthrografie ist somit nicht einfach eine nicht invasive Version der direkten Arthrografie. Beide Verfahren liefern teilweise unterschiedliche diagnostische Informationen.

Direkte und indirekte Arthrografie: Wann welches Verfahren?

Fragestellung Natives MRI Direkte MR-Arthrografie IV-Kontrast / indirekte Arthrografie
Meniskus, Sehnen, Muskeln, viele Bandverletzungen Meist ausreichend Nur spezielle Fragestellungen Meist nicht erforderlich
Schulterlabrum / Instabilität Häufig diagnostisch geeignet Bei ausgewählten Fragestellungen besonders hilfreich Keine typische primäre Indikation
Hüftlabrum Mit moderner Technik häufig gut beurteilbar Bei ausgewählten Fragestellungen hilfreich Keine typische primäre Indikation
Kleine intraartikuläre Defekte Je nach Befund ausreichend Kann zusätzlichen Nutzen bieten Weniger geeignet zur gezielten Distension
Postoperativer Meniskus Je nach Situation Kann bei speziellen Fragestellungen hilfreich sein Ausgewählte Anwendungen möglich
Frozen Shoulder In vielen Fällen ausreichend Nicht routinemässig erforderlich Enhancement entzündlich veränderter Kapselstrukturen möglich, aber nicht routinemässig notwendig
Synovitis / entzündliche Veränderungen Viele Veränderungen bereits sichtbar Keine typische primäre Indikation Kann aktive Synovialveränderungen deutlicher darstellen
Infektion Wichtige Basisinformationen Keine typische Indikation IV-Kontrast kann bei ausgewählten Fragestellungen hilfreich sein
Tumor / Weichteiltumor Wesentliche morphologische Informationen In der Regel keine Indikation IV-Kontrast kann zusätzliche Informationen über Tumorgewebe liefern

Direkte Arthrografie oder intravenöses Kontrastmittel: eine einfache Entscheidungshilfe

Vereinfacht lässt sich die Entscheidung anhand der diagnostischen Frage verstehen:

  • Soll vor allem die Anatomie eines Gelenks beurteilt werden? Häufig reicht ein natives MRI.
  • Sollen sehr kleine Strukturen oder Defekte innerhalb des Gelenks besonders detailliert dargestellt werden? Dann kann eine direkte MR-Arthrografie sinnvoll sein.
  • Soll untersucht werden, welches Gewebe entzündlich verändert, stärker durchblutet oder biologisch aktiv ist? Dann kann intravenöses Kontrastmittel zusätzliche Informationen liefern.
  • Soll nach intravenöser Kontrastmittelgabe gezielt ein arthrografischer Effekt im Gelenk genutzt werden? Dann handelt es sich um eine indirekte MR-Arthrografie.

Diese Einteilung ist bewusst vereinfacht. Die tatsächliche Entscheidung hängt immer von Gelenk, Erkrankung, vorausgegangenen Untersuchungen und der therapeutischen Konsequenz ab.

Was bedeutet das für überweisende Ärztinnen und Ärzte?

Für die Wahl des richtigen MRI-Protokolls ist eine präzise klinische Fragestellung besonders wichtig. Die alleinige Angabe „Schulterschmerzen“ oder „Hüftschmerzen“ reicht häufig nicht aus, um zu entscheiden, ob eine native Untersuchung genügt oder eine spezielle Kontrastmitteltechnik erforderlich ist.

Hilfreicher sind Angaben wie „rezidivierende Schulterluxationen – Frage nach Labrumläsion“, „Verdacht auf femoroacetabuläres Impingement mit Labrumläsion“, „Zustand nach Meniskusoperation – erneuter Meniskusriss?“ oder „Verdacht auf entzündliche Synovitis“.

Aus dieser Fragestellung kann die Radiologie ableiten, welches Untersuchungsprotokoll den grössten diagnostischen Nutzen erwarten lässt. Bei komplexen Situationen kann eine kurze Rücksprache zwischen überweisender Praxis und Radiologie sinnvoller sein, als bereits auf der Überweisung eine bestimmte Kontrastmitteltechnik festzulegen.

Welche Risiken bestehen?

Bei der direkten MR-Arthrografie ist eine Gelenkpunktion erforderlich. Vorübergehende Schmerzen oder ein Druckgefühl nach der Untersuchung sind möglich. Seltene Komplikationen sind beispielsweise Blutungen oder eine Infektion des Gelenks.

Bei intravenöser Kontrastmittelgabe entfällt die Gelenkpunktion. Dafür müssen die üblichen Voraussetzungen und möglichen Risiken gadoliniumhaltiger MRI-Kontrastmittel berücksichtigt werden.

Welche Methode im Einzelfall geeignet ist, wird deshalb nicht nur anhand der diagnostischen Fragestellung, sondern auch unter Berücksichtigung individueller Risiken entschieden.

Fazit

Direkte und indirekte Arthrografie beantworten unterschiedliche diagnostische Fragen. Für die meisten Erkrankungen von Gelenken, Sehnen, Muskeln und Bändern ist zunächst ein hochwertiges natives MRI ausreichend.

Die direkte MR-Arthrografie besitzt besondere Stärken bei ausgewählten intraartikulären Fragestellungen. Durch die direkte Kontrastmittelgabe und kontrollierte Gelenkdistension können beispielsweise Labrumläsionen und andere kleine Defekte innerhalb eines Gelenks besonders detailliert dargestellt werden.

Bei der intravenösen Kontrastmittelgabe steht dagegen häufig das Enhancement von Geweben im Vordergrund. Dadurch können beispielsweise Synovitis, entzündliche Veränderungen und bestimmte Tumor- oder Weichteilprozesse zusätzliche diagnostische Informationen liefern. Wird der verzögerte Übertritt des intravenösen Kontrastmittels in die Gelenkflüssigkeit gezielt für die Gelenkdarstellung genutzt, spricht man von einer indirekten MR-Arthrografie.

Entscheidend ist deshalb nicht, ob ein MRI „mit oder ohne Kontrastmittel“ durchgeführt wird. Entscheidend ist die klinische Frage: Geht es um die normale und krankhafte Anatomie, um einen kleinen mechanischen Defekt innerhalb des Gelenks oder um die Kontrastmittelaufnahme eines krankhaft veränderten Gewebes? Aus dieser Frage ergibt sich das geeignete Untersuchungsverfahren.

Quellen und weiterführende Informationen

  • Society of Skeletal Radiology (SSR): Guidelines for Utilization and Performance of Direct MR Arthrography. Skeletal Radiology, 2023.
  • Society of Skeletal Radiology (SSR): Guidelines for Use of Intravenous Contrast in Musculoskeletal MRI. Skeletal Radiology, 2022.
  • American College of Radiology (ACR): Appropriateness Criteria – Chronic Shoulder Pain.
  • American College of Radiology (ACR): Appropriateness Criteria – Acute Shoulder Pain, revised 2024.
  • Morrison WB: Indirect MR Arthrography – Concepts and Controversies. Seminars in Musculoskeletal Radiology.
  • European Society of Musculoskeletal Radiology (ESSR): MR and CT arthrography – techniques and musculoskeletal applications.
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