RECIST 1.1: Tumoransprechen in der Bildgebung standardisiert beurteilen

Radiologe beurteilt das Tumoransprechen nach RECIST 1.1 in der CT

RECIST 1.1 (Response Evaluation Criteria in Solid Tumours) bietet ein standardisiertes Verfahren zur Beurteilung des Therapieansprechens solider Tumoren. Für die Radiologie ist das Verfahren besonders relevant, weil die Einteilung in Complete Response (CR), Partial Response (PR), Stable Disease (SD) und Progressive Disease (PD) wesentlich auf reproduzierbaren bildgebenden Messungen beruht.

RECIST 1.1 erfasst die Tumorlast anhand ausgewählter, reproduzierbar messbarer Target-Läsionen. Bei der Ausgangsuntersuchung werden maximal fünf Target-Läsionen insgesamt und höchstens zwei pro Organ ausgewählt. Ihre Durchmesser werden dokumentiert und im Therapieverlauf nach festgelegten Kriterien mit der Ausgangsmessung beziehungsweise dem niedrigsten bisher gemessenen Wert verglichen. Zusätzlich berücksichtigt RECIST 1.1 Non-Target-Läsionen und das Auftreten neuer Tumormanifestationen. Das 2009 veröffentlichte RECIST 1.1 ist weiterhin ein zentraler Standard für die objektive Beurteilung des Tumoransprechens, insbesondere in klinischen Studien.

Die alleinige Veränderung der Tumorgrösse bildet das Therapieansprechen jedoch nicht bei allen Tumoren und Therapieformen ausreichend ab. Deshalb wurden für bestimmte Situationen eigene oder modifizierte Kriterien entwickelt. iRECIST berücksichtigt besondere Verlaufsmuster unter Immuntherapie, insbesondere eine mögliche Pseudoprogression. mRECIST beurteilt beim hepatozellulären Karzinom vor allem den vitalen, arteriell kontrastmittelaufnehmenden Tumoranteil. Bei kolorektalen Lebermetastasen berücksichtigen die Chun-Kriterien morphologische Veränderungen der Metastasen unter Therapie.

Weitere spezialisierte Systeme sind die RANO-Kriterien für primäre Tumoren des zentralen Nervensystems und RANO-BM für Hirnmetastasen, die Lugano-Klassifikation für Lymphome sowie die Choi-Kriterien, die insbesondere für gastrointestinale Stromatumoren (GIST) entwickelt wurden. Diese Kriterien berücksichtigen Besonderheiten der jeweiligen Tumorerkrankung oder Therapie, die durch die reine Grössenmessung nach RECIST 1.1 nicht immer ausreichend erfasst werden.

Inhaltsverzeichnis
Glossar

Baseline: Ausgangsmessung vor Beginn der Therapie. Die zu diesem Zeitpunkt ermittelte Summe der Durchmesser der Target-Läsionen dient bei RECIST 1.1 als Referenz für die Beurteilung einer Partial Response.

Nadir: Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Arabischen und bezeichnet den dem Zenit gegenüberliegenden tiefsten Punkt. In der Medizin wird „Nadir“ entsprechend im Sinne von Tiefstwert verwendet. Bei RECIST 1.1 bezeichnet der Nadir die kleinste seit Beginn der Therapie gemessene Summe der Durchmesser der Target-Läsionen. Dieser Wert dient als Referenz für die Beurteilung einer Progressive Disease.

Target-Läsion: Messbare Tumorläsion, die bei der Ausgangsuntersuchung für die quantitative Verlaufskontrolle ausgewählt wird. RECIST 1.1 berücksichtigt maximal fünf Target-Läsionen insgesamt und höchstens zwei pro Organ.

Non-Target-Läsion: Tumormanifestation, die nicht als Target-Läsion in die Summe der Durchmesser eingeht. Im Verlauf erfolgt ihre Beurteilung qualitativ hinsichtlich Verschwinden, Persistenz oder eindeutiger Progression.

iRECIST: Für klinische Studien mit Immuntherapien entwickelte Anpassung der RECIST-Kriterien. Sie berücksichtigt besondere Verlaufsmuster unter Immuntherapie, bei denen eine zunächst festgestellte Progression bei einer weiteren Untersuchung bestätigt oder verworfen werden kann.

Grundprinzip von RECIST 1.1

RECIST 1.1 beurteilt Veränderungen der Tumorlast primär anhand eindimensionaler Grössenmessungen. Zu Beginn der Behandlung werden geeignete messbare Tumorläsionen als Target-Läsionen festgelegt. Bei soliden Tumorläsionen wird der längste Durchmesser, bei pathologischen Lymphknoten die kurze Achse gemessen. Die Werte aller Target-Läsionen werden zur Summe der Durchmesser addiert und im Therapieverlauf miteinander verglichen.

Weitere Tumormanifestationen werden als Non-Target-Läsionen dokumentiert und qualitativ beurteilt. Zusätzlich wird bei jeder Verlaufskontrolle geprüft, ob neue Läsionen aufgetreten sind. Die RECIST-Beurteilung berücksichtigt damit die Grössenentwicklung der Target-Läsionen, den Verlauf der Non-Target-Läsionen und das Auftreten neuer Tumormanifestationen.

Obwohl moderne Bildgebung und Auswertungssoftware eine dreidimensionale Volumenmessung von Tumorläsionen ermöglichen, bleibt RECIST 1.1 bei der eindimensionalen Messung. Sie lässt sich vergleichsweise einfach standardisieren und über unterschiedliche Untersuchungszentren und technische Systeme hinweg reproduzieren.

Eine Volumetrie kann Grössenveränderungen sensitiver erfassen, hängt jedoch stärker von Segmentierung, Software, Rekonstruktionsverfahren und Untersuchungsparametern ab. Sie kann deshalb zusätzliche Informationen liefern, gehört aber nicht zur formalen Beurteilung des Therapieansprechens nach RECIST 1.1.

Welche Läsionen sind nach RECIST 1.1 messbar?

Eine Tumorläsion gilt in der CT grundsätzlich als messbar, wenn ihr längster Durchmesser mindestens 10 mm beträgt und die CT mit einer Schichtdicke von höchstens 5 mm durchgeführt wurde. Bei einer Schichtdicke von mehr als 5 mm muss der Mindestdurchmesser einer messbaren Läsion mindestens dem Doppelten der Schichtdicke entsprechen.

Bei soliden Tumorläsionen wird der längste Durchmesser bestimmt. Im Verlauf erfolgt erneut die Messung des jeweils längsten Durchmessers. Die Messachse muss deshalb nicht zwingend identisch mit derjenigen der Ausgangsuntersuchung sein.

Lymphknoten bilden eine wichtige Ausnahme

Bei Lymphknoten wird nicht der längste Durchmesser, sondern die kurze Achse verwendet. RECIST 1.1 unterscheidet drei Grössenbereiche:

  • ≥ 15 mm kurze Achse: pathologisch und als Target-Läsion messbar,
  • ≥ 10 bis < 15 mm: pathologisch, aber nicht als Target-Läsion messbar; Dokumentation als Non-Target-Läsion,
  • < 10 mm: nach RECIST 1.1 nicht pathologisch.

Auch im Verlauf wird bei als Target-Läsion ausgewählten Lymphknoten ausschliesslich die kurze Achse gemessen. Schrumpft ein pathologischer Lymphknoten auf eine kurze Achse unter 10 mm, gilt er nach RECIST 1.1 als normal.

Auswahl der Target-Läsionen

Bei mehreren messbaren Tumormanifestationen werden maximal fünf Target-Läsionen insgesamt ausgewählt, davon höchstens zwei pro Organ. Lymphknoten werden dabei gemeinsam als ein Organ betrachtet.

Die ausgewählten Läsionen sollen die Tumorerkrankung möglichst repräsentativ abbilden. Dabei entscheidet nicht allein die Grösse. Eine Target-Läsion sollte sich vor allem bei späteren Untersuchungen zuverlässig und reproduzierbar messen lassen. Daher kann eine etwas kleinere, klar begrenzte Läsion geeigneter sein als die grösste Tumormanifestation, wenn diese beispielsweise irregulär konfiguriert oder schlecht abgrenzbar ist.

Für jede Target-Läsion wird bei der Ausgangsuntersuchung der längste Durchmesser bestimmt; bei Lymphknoten wird die kurze Achse verwendet. Anschliessend werden die Einzelwerte zur Summe der Durchmesser addiert.

Baseline und Nadir: zwei unterschiedliche Referenzwerte

Für die korrekte RECIST-Beurteilung muss zwischen Baseline und Nadir unterschieden werden.

Die Baseline bezeichnet die Ausgangsmessung vor Beginn der Therapie. Die zu diesem Zeitpunkt ermittelte Summe der Durchmesser aller Target-Läsionen dient als Referenz für die Beurteilung einer Partial Response (PR).

Der Nadir bezeichnet dagegen den niedrigsten im bisherigen Therapieverlauf gemessenen Wert, also die kleinste Summe der Durchmesser der Target-Läsionen seit Beginn der Behandlung. Er dient als Referenz für die Beurteilung einer Progressive Disease (PD). Ist die Baseline bereits der niedrigste dokumentierte Wert, entspricht sie zugleich dem Nadir.

Beispielsweise kann die Summe der Target-Läsionen von einer Baseline von 100 mm zunächst auf 50 mm abnehmen und später wieder auf 65 mm ansteigen. Die Baseline bleibt 100 mm, während 50 mm den Nadir darstellen. Für die Beurteilung einer möglichen Progression wird der aktuelle Wert deshalb mit dem Nadir von 50 mm und nicht mit der ursprünglichen Baseline verglichen.

Ein häufiger Fehler bei Verlaufskontrollen besteht darin, die aktuelle Untersuchung lediglich mit der unmittelbar vorausgegangenen Untersuchung zu vergleichen. Für die RECIST-Klassifikation muss eine mögliche Partial Response mit der Baseline und eine mögliche Progressive Disease mit dem Nadir verglichen werden.

Complete Response (CR)

Eine Complete Response (CR) liegt vor, wenn sämtliche Target-Läsionen vollständig verschwunden sind. Pathologische Lymphknoten müssen auf eine kurze Achse von weniger als 10 mm zurückgegangen sein.

Bei Lymphknoten kann deshalb eine CR vorliegen, obwohl weiterhin ein kleiner Lymphknoten sichtbar und messbar ist. Entscheidend ist seine kurze Achse von weniger als 10 mm.

Partial Response (PR)

Eine Partial Response (PR) liegt vor, wenn die Summe der Durchmesser der Target-Läsionen gegenüber der Baseline um mindestens 30 % abgenommen hat.

Beträgt die Summe der Target-Läsionen beispielsweise zu Beginn 100 mm, muss sie für eine PR auf höchstens 70 mm zurückgehen. Als Referenz dient somit die Baseline und nicht die unmittelbar vorausgegangene Untersuchung.

Progressive Disease (PD)

Für eine Progressive Disease (PD) aufgrund der Target-Läsionen müssen zwei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sein:

  • Die Summe der Durchmesser nimmt gegenüber dem bisherigen Nadir um mindestens 20 % zu.
  • Die absolute Zunahme der Summe beträgt gleichzeitig mindestens 5 mm.

Die zusätzliche 5-mm-Regel reduziert das Risiko, geringe Messschwankungen bei kleinen Tumorsummen fälschlicherweise als Progression einzustufen. Steigt die Summe beispielsweise von 20 auf 24 mm, entspricht dies zwar einer Zunahme um 20 %, absolut jedoch nur 4 mm. Damit sind die Kriterien einer PD aufgrund der Target-Läsionen noch nicht erfüllt.

Darüber hinaus kann eine PD durch das eindeutige Auftreten einer neuen malignen Läsion oder durch eine eindeutige Progression der Non-Target-Läsionen begründet werden.

Stable Disease (SD)

Eine Stable Disease (SD) liegt vor, wenn die Veränderungen der Target-Läsionen weder die Kriterien einer PR noch diejenigen einer PD erfüllen.

Auch hier ist die Wahl des Referenzwertes entscheidend: Für die Beurteilung einer ausreichenden Grössenabnahme zur PR wird die Baseline herangezogen, für eine ausreichende Grössenzunahme zur PD dagegen der Nadir.

Non-Target-Läsionen

Nicht alle Tumormanifestationen eignen sich als Target-Läsionen für eine reproduzierbare quantitative Messung. Solche Befunde werden als Non-Target-Läsionen dokumentiert, gehen jedoch nicht in die Summe der Durchmesser ein.

Dazu gehören unter anderem Tumorläsionen unterhalb der Messgrenze, pathologische Lymphknoten mit einer kurzen Achse von 10 bis unter 15 mm sowie nicht zuverlässig messbare Tumormanifestationen wie leptomeningeale Tumorausbreitung, Aszites, Pleura- oder Perikardergüsse und lymphangitische Tumorausbreitung.

Für Non-Target-Läsionen gibt RECIST 1.1 keine maximale Anzahl vor. Bei zahlreichen Tumormanifestationen müssen deshalb nicht sämtliche Läsionen einzeln aufgeführt werden. Mehrere Non-Target-Läsionen eines Organs können gemeinsam dokumentiert werden, beispielsweise als „multiple Lebermetastasen“ oder „multiple pulmonale Metastasen“.

Im Verlauf werden Non-Target-Läsionen nicht einzeln vermessen, sondern in ihrer Gesamtheit beurteilt. Dabei wird dokumentiert, ob sie vollständig verschwunden sind, weiterhin bestehen oder eine eindeutige Progression zeigen. Eine geringe Grössenzunahme einer einzelnen Non-Target-Läsion reicht nicht aus, um die gesamte Erkrankung als Progressive Disease (PD) einzustufen.

Eine Progression aufgrund von Non-Target-Läsionen liegt erst bei einer eindeutigen und klinisch relevanten Zunahme der durch diese Läsionen repräsentierten Tumorlast vor. Damit soll verhindert werden, dass geringe Veränderungen nicht quantitativ vermessener Läsionen eine ansonsten stabile Erkrankung allein aufgrund subjektiver Einschätzung als Progression klassifizieren.

Neue Läsionen bedeuten grundsätzlich Progression

Das eindeutige Auftreten einer neuen malignen Läsion führt nach RECIST 1.1 zur Einstufung als Progressive Disease. Die neue Läsion muss dabei nicht die Grössenkriterien einer messbaren Target-Läsion erfüllen.

Allerdings muss tatsächlich eine neue Tumormanifestation vorliegen. Eine kleine Läsion, die erstmals in einer sensitiveren Untersuchung oder aufgrund einer veränderten Untersuchungstechnik erkennbar ist, darf nicht automatisch als neu entstandene Metastase gewertet werden. Das gilt beispielsweise, wenn im Verlauf eine MRT anstelle einer CT durchgeführt wird und dort eine kleine Leberläsion sichtbar wird, die retrospektiv in der CT nicht sicher abgrenzbar war.

Bei einem unklaren neuen Befund sollte deshalb zunächst geklärt werden, ob Unterschiede der Modalität oder Untersuchungstechnik seine erstmalige Sichtbarkeit erklären können. Bleibt die Dignität unklar, kann die weitere bildgebende Entwicklung die Einordnung ermöglichen.

Besonderheiten bei Knochenmetastasen

Rein osteoblastische Knochenmetastasen gelten nach RECIST 1.1 als nicht messbar. Die sichtbare Sklerosierung lässt sich nicht zuverlässig als Mass für die Menge vitalen Tumorgewebes verwenden. Zudem kann eine zunehmende Sklerosierung unter erfolgreicher Therapie Ausdruck einer ossären Heilungsreaktion sein und darf deshalb nicht ohne Weiteres als Tumorprogression interpretiert werden.

Auch osteolytische oder gemischt osteolytisch-osteoblastische Metastasen sind nicht allein aufgrund ihrer knöchernen Ausdehnung messbar. Sie können jedoch als Target-Läsionen berücksichtigt werden, wenn eine eindeutig abgrenzbare Weichteilkomponente vorhanden ist, die in CT oder MRT die RECIST-Kriterien einer messbaren Läsion erfüllt. Gemessen wird dann die Weichteilkomponente und nicht die knöcherne Destruktion oder Sklerosierung.

Knochenszintigrafie, PET und konventionelle Radiografie dienen nach RECIST 1.1 nicht zur Grössenmessung von Knochenmetastasen. Sie können jedoch zusätzliche Informationen über das Vorliegen und den Verlauf ossärer Tumormanifestationen liefern.

Zystische und lokal vorbehandelte Läsionen

Zystische Tumormanifestationen können grundsätzlich messbar sein, wenn sie als zystische Metastasen anzusehen sind und die Grössenkriterien erfüllen. Sind gleichzeitig solide, zuverlässig messbare Läsionen vorhanden, sollten diese jedoch bevorzugt als Target-Läsionen ausgewählt werden.

Läsionen in zuvor bestrahlten oder anderweitig lokal behandelten Regionen eignen sich grundsätzlich nicht als messbare Läsionen, solange dort keine eindeutige Progression nachgewiesen wurde.

Sehr kleine Target-Läsionen im Verlauf

Die Messbarkeit einer Target-Läsion wird bei der Baseline festgelegt. Schrumpft eine ursprünglich messbare Läsion im Verlauf unter 10 mm, bleibt sie weiterhin Target-Läsion. Sofern eine zuverlässige Messung möglich ist, wird ihr tatsächlicher Durchmesser dokumentiert.

Ist die Läsion weiterhin sichtbar, aber so klein, dass sie sich nicht mehr reproduzierbar messen lässt, kann nach RECIST 1.1 ein Standardwert von 5 mm angesetzt werden. Bei vollständig verschwundener Läsion beträgt der dokumentierte Wert 0 mm. Dadurch sollen nicht reproduzierbare Messungen sehr kleiner Läsionen die Beurteilung des Therapieansprechens nicht verfälschen.

CT oder MRT: Welche Bildgebung wird für RECIST verwendet?

RECIST 1.1 ist nicht auf die Computertomografie beschränkt. Sowohl CT als auch MRT können für die anatomische Beurteilung des Tumoransprechens eingesetzt werden. Die CT ist aufgrund ihrer Standardisierbarkeit und der Möglichkeit einer reproduzierbaren Untersuchung grosser Körperregionen besonders etabliert. Die MRT bietet dagegen bei bestimmten Organen und Fragestellungen einen höheren Weichteilkontrast und kann beispielsweise kleine Leberläsionen besser charakterisieren.

Entscheidend ist jedoch die Vergleichbarkeit im Verlauf. Wurde die Baseline mit CT durchgeführt, sollten die nachfolgenden RECIST-Messungen nach Möglichkeit ebenfalls anhand vergleichbarer CT-Untersuchungen erfolgen. Entsprechend sollte bei einer MRT-basierten Beurteilung dieselbe Modalität und möglichst dieselbe Sequenz für die Verlaufsmessungen verwendet werden.

Ein Wechsel der Modalität kann scheinbare Veränderungen erzeugen. Eine kleine Läsion, die in der MRT eindeutig als Metastase oder beispielsweise als Zyste charakterisiert werden kann, war möglicherweise bereits zum Zeitpunkt der vorausgegangenen CT vorhanden, dort aber nicht sicher erkennbar. Die erstmalige Darstellung bedeutet deshalb nicht zwangsläufig, dass die Läsion biologisch neu entstanden ist.

Vergleichbare Untersuchungstechnik ist entscheidend

Neben der Modalität sollte auch die Untersuchungstechnik über den Therapieverlauf möglichst konstant bleiben. Bei der CT beeinflussen beispielsweise Schichtdicke, Kontrastmittelphase und Rekonstruktionsverfahren die Darstellung und Messbarkeit einer Läsion. RECIST empfiehlt für die CT eine Schichtdicke von höchstens 5 mm.

Bei der MRT können Sequenzwahl, Schichtführung, Kontrastmittelphase und weitere Aufnahmeparameter die Läsionsdarstellung verändern. Deshalb sollte eine Target-Läsion im Verlauf möglichst mit derselben Technik beurteilt werden. Standardisierte Untersuchungsprotokolle verbessern somit nicht nur die Bildqualität, sondern auch die Zuverlässigkeit der RECIST-Klassifikation.

Tumorgrösse und Tumorvitalität sind nicht dasselbe

RECIST 1.1 ist primär ein grössenbasiertes Bewertungssystem. Eine Veränderung des Läsionsdurchmessers bildet jedoch nicht in jeder Situation unmittelbar die Menge vitalen Tumorgewebes ab. Unter einer wirksamen Therapie können sich Tumorläsionen beispielsweise durch Nekrose, Einblutung oder zystische Umwandlung morphologisch verändern.

Das lässt sich unter anderem bei Lebermetastasen beobachten. Eine Läsion kann unter Therapie nekrotische oder zystische Anteile entwickeln und dadurch vorübergehend gleich gross bleiben oder sogar grösser erscheinen, obwohl der Anteil vitalen Tumorgewebes abgenommen hat. Umgekehrt bedeutet eine reine Grössenabnahme nicht in jeder therapeutischen Situation zwangsläufig, dass das biologische Ansprechen vollständig erfasst wird.

Eine formale RECIST-Beurteilung muss dennoch den definierten Messregeln folgen. Erfüllt die Grössenzunahme die RECIST-Kriterien einer PD, lautet die RECIST-Klassifikation entsprechend PD. Die radiologische und onkologische Gesamtbeurteilung kann jedoch zusätzliche Informationen berücksichtigen, beispielsweise Veränderungen von Morphologie, Kontrastmittelaufnahme oder Tumorvitalität sowie das verwendete Therapieverfahren.

RECIST-Progression und biologischer Therapiemisserfolg sind deshalb nicht in jeder klinischen Situation gleichbedeutend. Für bestimmte Tumoren und Therapieverfahren existieren ergänzende oder modifizierte Response-Kriterien, wenn die alleinige Grössenmessung das Therapieansprechen nicht ausreichend abbildet.

Praktisches Vorgehen bei der radiologischen Verlaufskontrolle

Eine RECIST-konforme Beurteilung lässt sich im radiologischen Alltag strukturiert durchführen:

  1. Baseline-Untersuchung und bisherige Verlaufskontrollen aufrufen.
  2. Die ursprünglich definierten Target-Läsionen identifizieren.
  3. Target-Läsionen erneut messen – solide Läsionen im längsten Durchmesser, Lymphknoten in der kurzen Achse.
  4. Aktuelle Summe der Durchmesser berechnen.
  5. Für eine mögliche PR mit der Baseline vergleichen.
  6. Für eine mögliche PD mit dem bisherigen Nadir vergleichen.
  7. Non-Target-Läsionen qualitativ beurteilen.
  8. Die gesamte Untersuchung systematisch auf neue Läsionen prüfen.
  9. Bei vermeintlich neuen Läsionen technische Unterschiede und einen möglichen Modalitätswechsel berücksichtigen.
  10. Aus Target-, Non-Target- und neuen Läsionen die RECIST-Gesamtbeurteilung ableiten.

Typische Fehler bei der Anwendung von RECIST 1.1

Fehler entstehen häufig weniger durch die Berechnung selbst als durch inkonsistente Messungen oder ungeeignete Referenzwerte. Besonders relevant sind:

  • Messung von Lymphknoten in der langen statt in der kurzen Achse,
  • Auswahl schlecht reproduzierbar messbarer Target-Läsionen,
  • Vergleich einer möglichen Progression nur mit der letzten Untersuchung statt mit dem Nadir,
  • Vergleich einer möglichen Partial Response mit dem Nadir statt mit der Baseline,
  • vorschnelle Einstufung geringfügiger Veränderungen von Non-Target-Läsionen als Progression,
  • Bewertung einer erst durch eine sensitivere Untersuchung sichtbaren Läsion als sicher neue Metastase,
  • fehlende Berücksichtigung unterschiedlicher Modalitäten oder Untersuchungstechniken,
  • Gleichsetzung einer RECIST-Grössenprogression mit einem biologischen Therapiemisserfolg ohne Berücksichtigung der Gesamtkonstellation.

RECIST 1.1 und iRECIST

Unter Immuntherapien können atypische Verläufe auftreten. So kann es zunächst zu einer scheinbaren Grössenzunahme oder zum Auftreten neuer Läsionen kommen, obwohl später ein Therapieansprechen nachweisbar ist. Für klinische Studien mit Immuntherapien wurden deshalb die iRECIST-Kriterien entwickelt.

Eine nach den iRECIST-Regeln festgestellte erste Progression wird als unconfirmed Progressive Disease (iUPD) bezeichnet. Bei klinisch stabilen Patient:innen kann eine weitere Untersuchung klären, ob sich die Progression bestätigt. Ist dies der Fall, wird sie als confirmed Progressive Disease (iCPD) klassifiziert.

iRECIST ersetzt RECIST 1.1 nicht generell. Vielmehr berücksichtigt das System besondere Verlaufsmuster unter Immuntherapie und wurde für die standardisierte Beurteilung in klinischen Studien entwickelt. Welches Bewertungssystem anzuwenden ist, richtet sich daher insbesondere im Studienkontext nach dem jeweiligen Protokoll.

RECIST 1.1 im radiologischen Befund

Wenn eine formale RECIST-Beurteilung gefordert ist, sollte der radiologische Befund nicht lediglich Begriffe wie „grössenprogredient“ oder „regredient“ verwenden. Sinnvoll sind die dokumentierten Target-Läsionen mit ihren aktuellen Messwerten, die Summe der Durchmesser, die relevanten Referenzwerte sowie Angaben zu Non-Target- und neuen Läsionen.

Anschliessend sollte die RECIST-Kategorie eindeutig angegeben werden. Gleichzeitig muss nachvollziehbar bleiben, worauf die Klassifikation beruht – beispielsweise auf der Grössenzunahme der Target-Läsionen gegenüber dem Nadir, einer eindeutigen Progression der Non-Target-Läsionen oder dem Auftreten einer neuen malignen Läsion.

Zeigt die Bildgebung gleichzeitig morphologische Veränderungen, die auf ein Therapieansprechen trotz fehlender Grössenregredienz hinweisen können, sollten diese zusätzlich beschrieben werden. Dadurch bleiben die formale RECIST-Klassifikation und die darüber hinausgehende radiologische Beurteilung klar voneinander getrennt.

Fazit

RECIST 1.1 ermöglicht eine standardisierte und reproduzierbare Beurteilung des Tumoransprechens bei soliden Tumoren. Entscheidend sind die korrekte Auswahl der Target-Läsionen, konsistente Messungen, vergleichbare Untersuchungsbedingungen und die Verwendung der richtigen Referenzwerte.

Für die praktische Anwendung sind insbesondere vier Zahlen wichtig:

  • 10 mm als Mindestgrösse einer messbaren soliden Läsion in der CT,
  • 15 mm kurze Achse für einen als Target-Läsion messbaren Lymphknoten,
  • 30 % Grössenabnahme gegenüber der Baseline für eine PR sowie
  • 20 % plus mindestens 5 mm Grössenzunahme gegenüber dem Nadir für eine PD.

Gleichzeitig muss die Grenze des Verfahrens berücksichtigt werden: RECIST standardisiert vor allem die Veränderung der Tumorgrösse. Tumorvitalität, therapiebedingte Nekrose und andere morphologische Veränderungen werden dadurch nicht vollständig erfasst. Die formale RECIST-Klassifikation und die radiologische Gesamtbeurteilung beantworten daher nicht immer exakt dieselbe Frage.

Literatur

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  • Seymour L, Bogaerts J, Perrone A, et al. iRECIST: guidelines for response criteria for use in trials testing immunotherapeutics. Lancet Oncol. 2017;18:e143–e152.
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