iRECIST (immune Response Evaluation Criteria in Solid Tumours) wurde für die standardisierte Beurteilung des Therapieansprechens unter Immuntherapie entwickelt. Grundlage bleibt RECIST 1.1. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass eine erstmalige bildgebende Progression unter iRECIST zunächst als unbestätigt gilt und bei klinisch stabilen Patientinnen und Patienten im Verlauf überprüft werden kann.
Damit berücksichtigt iRECIST atypische Verläufe unter Immuntherapie. Tumorläsionen können zunächst grösser erscheinen oder neue Läsionen auftreten, bevor sich im weiteren Verlauf eine Stabilisierung oder Regression zeigt. Eine solche Pseudoprogression lässt sich bei der ersten Verlaufskontrolle bildgebend nicht sicher von einer tatsächlichen Tumorprogression unterscheiden.
Inhaltsverzeichnis
Glossar
- Baseline: Ausgangsuntersuchung vor Beginn der Therapie. Die dabei gemessene Summe der Durchmesser der Target-Läsionen dient insbesondere als Referenz für die Beurteilung eines partiellen Therapieansprechens.
- Nadir: Kleinste bisher im Therapieverlauf dokumentierte Summe der Durchmesser der Target-Läsionen. Der Begriff stammt aus dem Arabischen und bedeutet sinngemäss „Tiefpunkt“. Der Nadir dient als Referenz für die Beurteilung einer Grössenprogression der Target-Läsionen.
- Target-Läsionen: Zu Beginn der Verlaufsbeurteilung ausgewählte, reproduzierbar messbare Tumorläsionen. Ihre Durchmesser werden dokumentiert und zu einer Gesamtsumme addiert.
- Non-Target-Läsionen: Tumormanifestationen, die nicht als Target-Läsionen ausgewählt wurden. Ihre Beurteilung erfolgt im Verlauf überwiegend qualitativ hinsichtlich Persistenz, Verschwinden oder eindeutiger Progression.
- iUPD (unconfirmed progressive disease): Nach iRECIST zunächst unbestätigte Progression. Die Kriterien einer Progression sind erfüllt; bei Fortführung der Therapie überprüft eine weitere Verlaufsuntersuchung, ob sich die Progression bestätigt.
- iCPD (confirmed progressive disease): Bestätigte Progression nach vorausgegangener iUPD. Die Folgeuntersuchung zeigt eine weitere Progression entsprechend den iRECIST-Kriterien.
- Pseudoprogression: Zunächst wie eine Tumorprogression erscheinender bildgebender Verlauf, bei dem sich anschliessend eine Stabilisierung oder Regression zeigt. Eine Pseudoprogression lässt sich daher erst retrospektiv anhand des weiteren Verlaufs feststellen.
Grundprinzip von iRECIST
iRECIST verändert die grundlegenden Messregeln von RECIST 1.1 nicht. Für messbare und nicht messbare Läsionen sowie Target- und Non-Target-Läsionen gelten weiterhin die Definitionen von RECIST 1.1. Auch die eindimensionale Messung der Target-Läsionen bleibt bestehen.
Nach RECIST 1.1 liegt eine Progressive Disease (PD) vor, wenn die Summe der Durchmesser der Target-Läsionen gegenüber dem Nadir um mindestens 20 % und gleichzeitig um mindestens 5 mm zunimmt. Ebenso kann eine eindeutige Progression der Non-Target-Läsionen oder das Auftreten einer neuen Tumorläsion eine PD begründen.
Unter Immuntherapie kann ein solcher Befund jedoch in seltenen Fällen einer Pseudoprogression entsprechen. Immunologisch bedingte entzündliche Veränderungen und die Infiltration des Tumorgewebes durch Immunzellen können unter anderem dazu beitragen, dass Läsionen vorübergehend grösser erscheinen. Zudem können neue Läsionen auftreten, bevor sich eine Stabilisierung oder Regression zeigt. Deshalb stuft iRECIST eine erstmalige Progression zunächst als iUPD (unconfirmed progressive disease) und noch nicht als bestätigte Progression ein.
iRECIST-Kategorien im Überblick
Für Complete Response, Partial Response und Stable Disease gelten grundsätzlich die Grössenkriterien von RECIST 1.1. Die wesentliche Erweiterung bilden dagegen die Progressionskategorien iUPD und iCPD.
| Kategorie | Bedeutung | Wesentliches Kriterium |
|---|---|---|
| iCR | Complete Response | Verschwinden aller Läsionen; pathologische Lymphknoten müssen auf eine kurze Achse < 10 mm zurückgehen. |
| iPR | Partial Response | Abnahme der Summe der Durchmesser der Target-Läsionen um mindestens 30 % gegenüber der Baseline. |
| iSD | Stable Disease | Weder ausreichende Abnahme für iPR noch Kriterien einer Progression. |
| iUPD | Unconfirmed Progressive Disease | Erstmaliges Erfüllen der Progressionskriterien; die Progression ist noch nicht bestätigt. |
| iCPD | Confirmed Progressive Disease | Eine nachfolgende Untersuchung bestätigt die Progression entsprechend den iRECIST-Kriterien. |
Von iUPD zu iCPD
Eine iUPD liegt vor, sobald erstmals die Progressionskriterien erfüllt sind. Bei Target-Läsionen bedeutet dies eine Zunahme ihrer Durchmessersumme um mindestens 20 % gegenüber dem bisherigen Nadir und gleichzeitig um mindestens 5 mm. Auch eine eindeutige Progression der Non-Target-Läsionen oder das Auftreten einer neuen Tumorläsion führt zu iUPD.
Ist die Patientin oder der Patient klinisch stabil und wird die Therapie fortgeführt, soll die bestätigende Bildgebung 4–8 Wochen nach der iUPD erfolgen. Für die regulären Verlaufskontrollen ausserhalb dieser Situation schreibt iRECIST dagegen keinen einheitlichen Untersuchungsabstand vor. Die Untersuchungszeitpunkte richten sich nach dem jeweiligen Studien- oder Therapieprotokoll.
Eine iCPD (confirmed progressive disease) liegt vor, wenn die Folgeuntersuchung die Progression bestätigt. Bei einer durch Target-Läsionen ausgelösten iUPD ist hierfür eine weitere Zunahme ihrer Durchmessersumme um mindestens 5 mm erforderlich.
Bei Non-Target-Läsionen kann eine weitere eindeutige Zunahme die Progression bestätigen. Haben neue Läsionen die iUPD ausgelöst, können deren weitere Grössenzunahme oder zusätzliche neue Läsionen zur iCPD führen. Auch eine Progression in einer anderen Läsionskategorie kann die iCPD begründen.
Bestätigt sich die Progression dagegen nicht, kann die nachfolgende Untersuchung entsprechend den Befunden wieder als iSD, iPR oder iCR eingestuft werden. Gegebenenfalls kann auch weiterhin eine iUPD bestehen. Erst der weitere Verlauf zeigt, ob eine vorausgegangene iUPD tatsächlich einer Pseudoprogression entsprach.
Neue Läsionen unter iRECIST
Das sichere Auftreten einer neuen Tumorläsion führt unter iRECIST zunächst zu iUPD und nicht unmittelbar zu iCPD. Dabei dokumentiert iRECIST neue Läsionen getrennt von den bei der Baseline festgelegten Target-Läsionen.
Messbare neue Läsionen werden als New Lesion Target (NLT) erfasst. Dabei können maximal fünf neue messbare Läsionen und höchstens zwei pro Organ dokumentiert werden. Ihre Durchmesser werden separat summiert und nicht zur ursprünglichen Summe der Baseline-Target-Läsionen addiert.
Weitere neue Läsionen werden als New Lesion Non-Target (NLNT) dokumentiert. Bei der Folgeuntersuchung kann eine Zunahme der NLT-Summe um mindestens 5 mm, eine weitere Zunahme von NLNT-Läsionen oder das Auftreten zusätzlicher neuer Läsionen die Progression bestätigen.
CT und MRT
Für iRECIST gelten grundsätzlich dieselben Anforderungen an die Bildgebung wie für RECIST 1.1. CT und MRT sind die wesentlichen Verfahren für die morphologische Verlaufsbeurteilung und Grössenmessung. Die Wahl richtet sich nach Tumorentität, Lokalisation der Tumormanifestationen und Untersuchungsprotokoll.
Für eine zuverlässige Verlaufsbeurteilung sollten Untersuchungsmodalität, Akquisition und Schichtführung möglichst vergleichbar bleiben. Dadurch lassen sich die relevanten Läsionen im Verlauf reproduzierbar darstellen und vermessen.
Radiologischer Befund
Bei einer iRECIST-Beurteilung sollte der radiologische Befund die Target-Läsionen mit ihren Messwerten, relevante Non-Target-Läsionen sowie neue Läsionen nachvollziehbar dokumentieren. Bei einer Progression sollte ausserdem eindeutig hervorgehen, welche Läsionskategorie die iUPD oder iCPD begründet.
Eine erstmalige bildgebende Progression sollte der Befund nicht als „Pseudoprogression“ bezeichnen. Bildgebend liegt zunächst eine Progression vor und – sofern iRECIST angewendet wird – eine iUPD. Ob tatsächlich eine Pseudoprogression vorlag, lässt sich erst anhand des weiteren Verlaufs beurteilen.
Grenzen und klinische Bedeutung
iRECIST wurde primär für die standardisierte Beurteilung des Therapieansprechens in klinischen Studien mit Immuntherapien entwickelt. Die Klassifikation stellt keinen eigenständigen Therapiealgorithmus dar. Insbesondere entscheidet sie nicht darüber, ob eine Immuntherapie nach einer iUPD fortgeführt werden soll.
Eine Weiterbehandlung bis zur bestätigenden Bildgebung kommt insbesondere bei klinisch stabilen Patientinnen und Patienten infrage. Dabei müssen der klinische Zustand, die Tumorentität, verfügbare Therapiealternativen sowie das jeweilige Studien- oder Behandlungskonzept in die Entscheidung einfliessen.
Fazit
iRECIST ergänzt RECIST 1.1 um die Unterscheidung zwischen unbestätigter und bestätigter Progression. Eine erstmalige Progression wird als iUPD klassifiziert. Bei klinisch stabilen Patientinnen und Patienten kann nach 4–8 Wochen eine erneute bildgebende Beurteilung erfolgen. Damit berücksichtigt iRECIST atypische Verläufe unter Immuntherapie wie die Pseudoprogression, ohne die grundlegenden Messregeln von RECIST 1.1 zu verändern.
Literatur
- Seymour L, Bogaerts J, Perrone A, et al. iRECIST: guidelines for response criteria for use in trials testing immunotherapeutics. Lancet Oncology. 2017;18:e143–e152. doi:10.1016/S1470-2045(17)30074-8.
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- European Society of Oncologic Imaging. ESR Essentials: response assessment criteria in oncologic imaging – practice recommendations by the European Society of Oncologic Imaging. European Radiology. 2025.
- Persigehl T, Lennartz S, Schwartz LH. iRECIST: how to do it. Cancer Imaging. 2020;20:2.



