CT-Kontrastmittel und Nierenfunktion

Patient bei einer CT mit Kontrastmittel und Darstellung der Nierenfunktion

CT-Kontrastmittel und Nierenfunktion werden häufig gemeinsam thematisiert, weil intravenös verabreichtes jodhaltiges Kontrastmittel überwiegend über die Nieren ausgeschieden wird. Viele Patient:innen kennen deshalb die Frage nach einem aktuellen Kreatininwert vor einer CT.

Eine eingeschränkte Nierenfunktion bedeutet jedoch nicht automatisch, dass kein Kontrastmittel gegeben werden darf. Entscheidend sind das Ausmass einer Nierenfunktionsstörung, die aktuelle medizinische Situation und die Frage, welchen diagnostischen Nutzen die kontrastverstärkte CT bietet.

Kurz gesagt: Kann CT-Kontrastmittel die Nieren schädigen?

Bei Menschen mit stabiler und ausreichend guter Nierenfunktion ist das Risiko einer durch intravenöses jodhaltiges Kontrastmittel verursachten akuten Nierenschädigung nach heutigem Wissensstand gering.

Besondere Aufmerksamkeit benötigen vor allem Patient:innen mit einer schweren Einschränkung der Nierenfunktion oder einer bereits bestehenden akuten Nierenschädigung.

Eine medizinisch notwendige kontrastverstärkte CT sollte deshalb nicht allein aus allgemeiner Sorge vor einer möglichen Nierenschädigung unterlassen werden. Wann CT-Kontrastmittel überhaupt erforderlich ist und wie die Injektion erlebt wird, erklären wir ausführlich im Beitrag CT-Kontrastmittel: Wann wird es benötigt und wie fühlt es sich an?.

Was passiert mit dem Kontrastmittel in den Nieren?

Nach der intravenösen Injektion verteilt sich jodhaltiges Kontrastmittel zunächst über den Blutkreislauf. Dadurch werden Blutgefässe und gut durchblutete Organe im CT besser sichtbar.

Anschliessend wird das Kontrastmittel überwiegend über die Nieren aus dem Blut gefiltert und mit dem Urin ausgeschieden.

Bei normaler Nierenfunktion geschieht dies vergleichsweise rasch. Das Kontrastmittel wird dabei nicht dauerhaft in den Nieren gespeichert.

Warum wurde CT-Kontrastmittel lange als nierenschädigend angesehen?

Über viele Jahre wurde beobachtet, dass bei manchen Patient:innen nach einer Kontrastmitteluntersuchung der Kreatininwert anstieg. Daraus entstand die Vorstellung, das Kontrastmittel sei häufig die Ursache einer akuten Nierenschädigung.

Das Problem dabei: Viele dieser Patient:innen waren bereits schwer erkrankt. Infektionen, Flüssigkeitsmangel, Kreislaufprobleme, Medikamente oder andere Erkrankungen können die Nierenfunktion ebenfalls verschlechtern.

Trat eine Nierenfunktionsstörung nach der CT auf, liess sich deshalb nicht automatisch beweisen, dass das Kontrastmittel dafür verantwortlich war.

Neuere Untersuchungen mit geeigneteren Vergleichsgruppen haben gezeigt, dass das tatsächliche Risiko einer durch intravenöses jodhaltiges Kontrastmittel verursachten Nierenschädigung geringer ist, als früher angenommen wurde.

Was bedeutet kontrastmittelassoziierte Nierenschädigung?

Heute wird genauer zwischen einem zeitlichen Zusammenhang und einer nachgewiesenen Ursache unterschieden.

Eine kontrastmittelassoziierte akute Nierenschädigung (Verschlechterung der Nierenfunktion nach einer Kontrastmittelgabe, ohne dass das Kontrastmittel zwingend die Ursache sein muss) beschreibt zunächst nur den zeitlichen Zusammenhang.

Von einer kontrastmittelinduzierten akuten Nierenschädigung (durch das Kontrastmittel tatsächlich verursachte akute Nierenschädigung) spricht man dagegen nur dann, wenn ein ursächlicher Zusammenhang angenommen werden kann.

Diese Unterscheidung ist wichtig, weil beide Begriffe nicht dasselbe bedeuten.

Wie wird die Nierenfunktion beurteilt?

Ein häufig bestimmter Laborwert ist das Kreatinin (Stoffwechselprodukt, das überwiegend über die Nieren ausgeschieden wird).

Steigt seine Konzentration im Blut, kann dies auf eine eingeschränkte Nierenfunktion hinweisen. Der Kreatininwert allein hängt jedoch unter anderem auch von Alter, Geschlecht und Muskelmasse ab.

Für die Beurteilung vor einer Kontrastmittelgabe ist deshalb meist die daraus berechnete eGFR (geschätzte glomeruläre Filtrationsrate als Mass für die Filterleistung der Nieren) aussagekräftiger. Sie wird üblicherweise in ml/min/1,73 m² angegeben.

Braucht jeder Patient vor einer CT einen Kreatininwert?

Nein. Ein aktueller Nierenwert ist nicht automatisch vor jeder CT erforderlich.

Bei einer Untersuchung ohne intravenöses jodhaltiges Kontrastmittel spielt die Nierenfunktion für die Kontrastmittelgabe ohnehin keine Rolle.

Auch vor einer kontrastverstärkten CT hängt die Vorgehensweise vom individuellen Risiko und von den Regeln der jeweiligen Einrichtung ab.

Häufig werden Patient:innen zunächst nach bekannten Nierenerkrankungen, einer früheren akuten Nierenschädigung und weiteren Risikofaktoren gefragt. Daraus ergibt sich, ob eine aktuelle Bestimmung der Nierenfunktion notwendig ist.

Wie eine CT vorbereitet wird und wann beispielsweise Nüchternheit oder andere Massnahmen erforderlich sind, erläutern wir im Beitrag CT-Untersuchung: Ablauf, Dauer und Vorbereitung.

Wann ist besondere Vorsicht notwendig?

Besonders sorgfältig wird die Situation bei einer bekannten schweren chronischen Nierenerkrankung oder einer akuten Verschlechterung der Nierenfunktion beurteilt.

Auch bei schwer kranken Patient:innen können mehrere Faktoren gleichzeitig die Nieren belasten.

Bei intravenöser Gabe jodhaltigen Kontrastmittels gelten insbesondere eine eGFR unter 30 ml/min/1,73 m² sowie eine bekannte oder vermutete akute Nierenschädigung, kurz AKI (plötzliche Verschlechterung der Nierenfunktion) als wichtige Risikosituationen.

Die Zahl von 30 ml/min/1,73 m² ist jedoch keine starre Grenze, oberhalb derer immer und unterhalb derer niemals Kontrastmittel gegeben werden darf.

Was passiert bei einer eGFR unter 30?

Eine deutlich eingeschränkte Nierenfunktion führt zunächst zu einer individuellen Nutzen-Risiko-Abwägung.

Dabei wird geprüft:

  • Wie wichtig ist die kontrastverstärkte CT für Diagnose oder Behandlung?
  • Gibt es eine geeignete Alternative ohne jodhaltiges Kontrastmittel?
  • Kann eine CT ohne Kontrastmittel ausreichend sein?
  • Kann Ultraschall oder MRI die medizinische Frage gleichwertig und rechtzeitig beantworten?

In manchen Situationen liefert gerade die kontrastverstärkte CT entscheidende Informationen.

Eine niedrige eGFR ist deshalb kein automatisches Kontrastmittelverbot.

Warum ist eine akute Nierenschädigung besonders wichtig?

Bei einer akuten Nierenschädigung kann sich die Nierenfunktion innerhalb kurzer Zeit verändern.

Ein einzelner Kreatininwert beziehungsweise eine daraus berechnete eGFR kann die aktuelle Situation dann nur unvollständig abbilden.

Das medizinische Team berücksichtigt deshalb den Verlauf der Laborwerte, die vermutete Ursache der Nierenschädigung und die Dringlichkeit der geplanten Untersuchung.

Gerade bei akut erkrankten Patient:innen muss der diagnostische Nutzen einer CT gegen mögliche zusätzliche Risiken abgewogen werden.

Kann man die Nieren vor Kontrastmittel schützen?

Bei Patient:innen mit erhöhtem Risiko können vorbeugende Massnahmen sinnvoll sein.

Eine wichtige Massnahme ist in ausgewählten Situationen eine ausreichende Flüssigkeitsversorgung. Je nach Risikoprofil kann Flüssigkeit kontrolliert über eine Vene verabreicht werden.

Das ist jedoch keine Massnahme, die jede Patientin und jeder Patient vor einer kontrastverstärkten CT benötigt.

Bei bestimmten Herz- oder Nierenerkrankungen kann eine zu grosse Flüssigkeitszufuhr sogar problematisch sein. Deshalb wird auch diese Entscheidung individuell getroffen.

Soll ich vor und nach der CT besonders viel trinken?

Für Menschen ohne relevante Einschränkung der Flüssigkeitszufuhr ist eine normale ausreichende Flüssigkeitsaufnahme grundsätzlich sinnvoll.

Es gibt jedoch keinen Grund, vor oder nach jeder Kontrastmitteluntersuchung zwanghaft grosse Mengen Wasser zu trinken.

Wer aufgrund einer Herz- oder Nierenerkrankung nur eine bestimmte Flüssigkeitsmenge trinken soll, sollte diese Vorgabe nicht eigenständig verändern.

Falls eine besondere Flüssigkeitszufuhr notwendig ist, wird das medizinische Team entsprechende Empfehlungen geben.

Was ist mit Diabetes und Metformin?

Viele Menschen mit Diabetes nehmen Metformin ein.

Metformin selbst erhöht nicht das Risiko, dass jodhaltiges Kontrastmittel eine akute Nierenschädigung verursacht.

Relevant wird Metformin vor allem bei einer schweren Einschränkung oder akuten Verschlechterung der Nierenfunktion. In solchen Situationen kann sich das Medikament im Körper anreichern.

Deshalb können abhängig von Nierenfunktion, Untersuchungsart und geltenden Richtlinien besondere Empfehlungen zur Einnahme gelten.

Metformin sollte nicht vorsorglich eigenständig abgesetzt werden. Patient:innen sollten angeben, dass sie das Medikament einnehmen, und die Anweisungen der behandelnden oder radiologischen Einrichtung befolgen.

Was ist bei Dialysepatient:innen zu beachten?

Bei Patient:innen, die bereits dialysepflichtig sind, gelten besondere Überlegungen.

Entscheidend ist unter anderem, ob noch eine relevante eigene Nierenfunktion vorhanden ist und welche Form der Dialyse durchgeführt wird.

Eine zusätzliche Dialyse allein zur Entfernung einer üblichen intravenösen Dosis jodhaltigen CT-Kontrastmittels ist nicht automatisch nach jeder Untersuchung erforderlich.

Die Planung erfolgt entsprechend der individuellen medizinischen Situation.

Warum sollte man eine notwendige CT nicht vorschnell vermeiden?

Bei der Diskussion über mögliche Risiken darf der diagnostische Nutzen nicht aus dem Blick geraten.

Eine kontrastverstärkte CT kann beispielsweise eine schwere Infektion, eine Gefässerkrankung, eine Blutung oder einen Tumor nachweisen und damit unmittelbar die weitere Behandlung beeinflussen.

Wird notwendiges Kontrastmittel aus übertriebener Vorsicht nicht eingesetzt, kann die Aussagekraft einer Untersuchung deutlich eingeschränkt sein.

Deshalb gehört auch das Risiko einer verzögerten oder unvollständigen Diagnose zur medizinischen Nutzen-Risiko-Abwägung.

Bei einer CT-Angiografie: Blutgefässe im CT ist beispielsweise eine ausreichende intravenöse Kontrastierung der Gefässe ein zentraler Bestandteil der Untersuchung.

Kann eine CT auch ohne Kontrastmittel sinnvoll sein?

Ja. Zahlreiche CT-Untersuchungen benötigen überhaupt kein intravenöses Kontrastmittel.

Bei bestimmten Fragestellungen – beispielsweise bei der Suche nach Harnsteinen, vielen Untersuchungen der Lunge oder bestimmten akuten Blutungen – kann eine native CT bereits die entscheidenden Informationen liefern.

Bei anderen Fragestellungen ist Kontrastmittel dagegen notwendig, um Blutgefässe, Organe oder krankhafte Veränderungen ausreichend zu beurteilen.

Ob Kontrastmittel sinnvoll ist, hängt deshalb nicht allein von der Nierenfunktion, sondern zunächst von der medizinischen Fragestellung ab. Einen Überblick über die besonderen Stärken der Computertomografie finden Sie im Beitrag Was sieht man im CT besonders gut – und was nicht?.

Was sollte ich vor der Untersuchung mitteilen?

Informieren Sie das medizinische Team insbesondere, wenn:

  • bei Ihnen eine Nierenerkrankung bekannt ist,
  • sich Ihre Nierenfunktion kürzlich verschlechtert hat,
  • Sie dialysepflichtig sind,
  • Sie Metformin oder andere relevante Medikamente einnehmen,
  • Sie früher bereits auf jodhaltiges Kontrastmittel reagiert haben oder
  • aktuelle Laborwerte zur Nierenfunktion vorliegen.

Ob tatsächlich ein neuer Kreatinin- beziehungsweise eGFR-Wert benötigt wird, entscheidet die behandelnde oder radiologische Einrichtung.

Häufige Missverständnisse

„Kontrastmittel ist grundsätzlich schlecht für die Nieren.“

Nein. Bei stabiler und ausreichend guter Nierenfunktion ist das Risiko einer durch intravenöses jodhaltiges Kontrastmittel verursachten akuten Nierenschädigung nach heutigem Kenntnisstand gering.

„Eine schlechte Nierenfunktion bedeutet, dass ich kein Kontrastmittel bekommen darf.“

Nein. Eine deutlich eingeschränkte Nierenfunktion erfordert eine sorgfältigere Nutzen-Risiko-Abwägung, ist aber kein automatisches Verbot.

„Nach Kontrastmittel muss ich mehrere Liter Wasser trinken.“

Nein. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr kann sinnvoll sein, grosse zusätzliche Trinkmengen sind jedoch nicht grundsätzlich erforderlich.

Besonders Menschen mit Herz- oder Nierenerkrankungen sollten ihre vorgegebene Trinkmenge nicht eigenständig erhöhen.

„Wenn das Kreatinin nach einer CT steigt, war das Kontrastmittel die Ursache.“

Nicht unbedingt. Eine Verschlechterung der Nierenfunktion kann zahlreiche Ursachen haben.

Ein zeitlicher Zusammenhang nach einer CT beweist deshalb noch nicht, dass das Kontrastmittel die Nierenschädigung verursacht hat.

„Bei einer eGFR unter 30 darf niemals Kontrastmittel gegeben werden.“

Nein. Eine eGFR unter 30 ml/min/1,73 m² ist eine wichtige Risikosituation, aber kein absolutes Verbot. Entscheidend sind die klinische Situation, mögliche Alternativen und der diagnostische Nutzen der kontrastverstärkten Untersuchung.

„Metformin muss vor jeder kontrastverstärkten CT abgesetzt werden.“

Nein. Die Vorgehensweise hängt von der Nierenfunktion und der individuellen medizinischen Situation ab. Metformin sollte nicht ohne entsprechende medizinische Anweisung pausiert werden.

Fazit

CT-Kontrastmittel und Nierenfunktion werden heute wesentlich differenzierter beurteilt als früher.

Jodhaltiges Kontrastmittel wird überwiegend über die Nieren ausgeschieden. Bei stabiler und ausreichend guter Nierenfunktion ist das Risiko einer durch intravenöses Kontrastmittel verursachten akuten Nierenschädigung gering.

Besondere Aufmerksamkeit benötigen vor allem Menschen mit einer schweren Einschränkung der Nierenfunktion oder einer akuten Nierenschädigung.

Auch dann gilt jedoch nicht automatisch „kein Kontrastmittel“. Entscheidend ist immer die Abwägung zwischen möglichem Risiko und dem diagnostischen Nutzen der Untersuchung.

Weiterführende Beiträge

Literatur und weiterführende Informationen

  1. European Society of Urogenital Radiology (ESUR), Contrast Media Safety Committee: ESUR Guidelines on Contrast Agents. Prevention of contrast-associated acute kidney injury when administering iodine-based contrast media. 2025.
  2. American College of Radiology (ACR): Manual on Contrast Media. Kapitel „Contrast-Associated Acute Kidney Injury and Contrast-Induced Acute Kidney Injury in Adults“. Aktuelle Ausgabe.
  3. Davenport MS, Perazella MA, Yee J, Dillman JR, Fine D, McDonald RJ et al.: Use of Intravenous Iodinated Contrast Media in Patients With Kidney Disease: Consensus Statements from the American College of Radiology and the National Kidney Foundation. Radiology. 2020;294:660–668.
  4. van der Molen AJ et al.: Post-contrast acute kidney injury – Part 1: Definition, clinical features, incidence, role of contrast medium and risk factors. European Radiology. 2018;28:2845–2855.
  5. van der Molen AJ et al.: Post-contrast acute kidney injury – Part 2: Risk stratification, role of hydration and other prophylactic measures, patients taking metformin and chronic dialysis patients. European Radiology. 2018;28:2856–2869.
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