Die Achillessehnenruptur zählt zu den häufigsten akuten Sehnenverletzungen der unteren Extremität. Der Ultraschall hat sich als zentrales bildgebendes Verfahren in der Abklärung etabliert. Er erlaubt eine zeitnahe, dynamische und strukturierte Beurteilung der Sehne. Der diagnostische Mehrwert liegt dabei weniger in der reinen Bestätigung der Ruptur als in der präzisen Beschreibung der Läsion.
Warum Ultraschall?
Der Ultraschall ist breit verfügbar, kosteneffizient und ohne Strahlenbelastung einsetzbar. Er ermöglicht die direkte Darstellung der fibrillären Sehnenstruktur sowie eine dynamische Untersuchung unter Bewegung. Insbesondere die Beurteilung des Verhaltens der Sehnenstümpfe bei Plantarflexion stellt einen wesentlichen Vorteil gegenüber rein statischen Verfahren dar.
Systematische Befundung
Kontinuität der Sehne
Zunächst ist zu klären, ob die Achillessehne intakt ist oder ob eine partielle beziehungsweise komplette Kontinuitätsunterbrechung vorliegt. Komplette Rupturen zeigen sich typischerweise als vollständiger Abbruch der fibrillären Sehnenstruktur mit echoarmem Defekt. Partielle Rupturen betreffen nur einen Teil der Sehnenfasern und können sonographisch weniger eindeutig erscheinen.
Lokalisation der Läsion
Die exakte Lokalisation der Läsion ist für die weitere klinische Beurteilung von Bedeutung. Unterschieden werden insertionale Rupturen, Läsionen der sogenannten mid-portion sowie Verletzungen im Bereich des muskulotendinösen Übergangs. Gerade proximal gelegene Rupturen können sonographisch anspruchsvoller sein, da Muskel- und Sehnenanteile ineinander übergehen.
Diastase und Adaptation der Sehnenstümpfe
Ein zentraler Bestandteil der Ultraschalluntersuchung ist die Beurteilung der Sehnenstümpfe in Neutralstellung und unter Plantarflexion. Dabei wird beschrieben, ob und in welchem Ausmass sich die Sehnenenden annähern. Diese dynamische Information sollte im Befund klar und nachvollziehbar dokumentiert werden.
Sehnenenden und Sehnenqualität
Die Morphologie der Sehnenenden liefert Hinweise auf den Verletzungsmechanismus und auf eine mögliche degenerative Vorschädigung. Fransige oder inhomogene Sehnenenden sprechen eher für eine vorbestehende Tendinose. Glatt begrenzte Sehnenenden finden sich häufiger bei akuten traumatischen Rupturen.
Begleitbefunde
Häufig lassen sich peritendinöse Flüssigkeit, Hämatome oder Veränderungen des Paratenons nachweisen. Eine vermehrte vaskuläre Signalgebung im Doppler kann reaktive oder entzündliche Begleitveränderungen anzeigen. Auch die kalkaneäre Insertion sollte gezielt beurteilt werden, um eine knöcherne Avulsion nicht zu übersehen.
Dynamische Untersuchung
Die dynamische Untersuchung stellt einen wesentlichen Bestandteil der sonographischen Beurteilung dar. Durch aktive oder passive Plantar- und Dorsalflexion kann das funktionelle Verhalten der Sehne beurteilt werden. Eine scheinbare Adaptation in ausgeprägter Spitzfussstellung sollte kritisch hinterfragt und stets im Zusammenhang mit der Neutralstellung interpretiert werden.
Häufige Befundfallen
Ein ausgeprägtes Hämatom kann die Sehnenstruktur maskieren und zu Fehlinterpretationen führen. Ebenso kann das Paratenon fälschlich als Sehnengewebe interpretiert werden. Eine systematische Schallführung in Längs- und Querschnitten sowie der Seitenvergleich helfen, diese Fallstricke zu vermeiden.
Abgrenzung zur MRT
Die Magnetresonanztomographie ist bei unklaren, chronischen oder komplexen Fragestellungen sinnvoll. In der Akutsituation ist sie jedoch in der Regel nicht erforderlich. Bei korrekter Durchführung liefert der Ultraschall alle wesentlichen Informationen zur Beurteilung einer Achillessehnenruptur.
Fazit
Der Ultraschall ist das zentrale bildgebende Verfahren bei Verdacht auf eine Achillessehnenruptur. Entscheidend ist eine strukturierte Befundung mit Fokus auf Kontinuität, Lokalisation, Verhalten der Sehnenstümpfe und Begleitbefunde. Eine standardisierte Vorgehensweise verbessert die Befundqualität und erleichtert die interdisziplinäre Kommunikation.
Literatur
- Maffulli N. Achilles tendon rupture: imaging and clinical correlation. J Bone Joint Surg.
- Rosenberg ZS et al. Imaging of the Achilles tendon. Radiology.
- Hartgerink P et al. Ultrasound diagnosis of Achilles tendon rupture. Skeletal Radiol.
- Kainberger F et al. Sonography of the Achilles tendon. Eur Radiol.


