Warum wird beim Ultraschall Gel verwendet?

Ultraschallgel zwischen Schallkopf und Haut bei einer Ultraschalluntersuchung

Ultraschall Gel sorgt dafür, dass die Schallwellen möglichst ungehindert vom Schallkopf in den Körper gelangen und die zurückkehrenden Echos wieder empfangen werden können. Ohne Gel würde zwischen Schallkopf und Haut fast immer eine dünne Luftschicht bleiben – und genau diese Luft würde die Ultraschalluntersuchung erheblich stören.

Das Gel ist deshalb kein Medikament und normalerweise auch kein Kontrastmittel. Es erfüllt vor allem eine physikalische Aufgabe: Es stellt einen guten akustischen Kontakt zwischen Schallkopf und Haut her.

Kurz gesagt: Warum braucht man beim Ultraschall Gel?

Ultraschallwellen können die Grenzfläche zwischen Luft und Körpergewebe nur sehr schlecht überwinden. Das Gel verdrängt die Luft zwischen Schallkopf und Haut und schafft einen durchgehenden Übertragungsweg für die Schallwellen.

Dadurch können die Ultraschallimpulse in den Körper gelangen und ihre Echos wieder zum Schallkopf zurückkehren. Erst diese zuverlässige Übertragung ermöglicht ein diagnostisch brauchbares Ultraschallbild.

Was würde ohne Ultraschallgel passieren?

Auch wenn ein Schallkopf scheinbar direkt auf der Haut liegt, besteht ohne Gel kein vollständiger Kontakt. Haut und Schallkopf besitzen kleine Unebenheiten, in denen Luft verbleibt.

Das ist beim Ultraschall problematisch. An einer Grenzfläche zwischen Luft und Körpergewebe wird ein sehr grosser Teil der Schallenergie reflektiert. Nur wenig Schall würde in den Körper gelangen.

Auf dem Monitor wären dadurch viele Strukturen schlecht oder gar nicht erkennbar. Bereits kleine Luftspalten zwischen Schallkopf und Haut können die Bildqualität deutlich beeinträchtigen.

Wie verbessert das Gel die Übertragung der Schallwellen?

Ultraschallgel enthält viel Wasser und passt sich sowohl der Hautoberfläche als auch der Kontaktfläche des Schallkopfs an. Es füllt kleine Zwischenräume aus und verdrängt dort die Luft.

Dadurch entsteht eine kontinuierliche Verbindung zwischen Schallkopf und Körper. In der Ultraschalltechnik bezeichnet man dies als akustische Kopplung.

Der Schallkopf kann nun Ultraschallimpulse über das Gel in das Gewebe senden. Die im Körper entstehenden Echos nehmen auf dem Rückweg denselben Weg über das Gel zum Schallkopf.

Warum ist gerade Luft beim Ultraschall ein Problem?

Entscheidend sind die unterschiedlichen physikalischen Eigenschaften der Materialien, durch die sich eine Schallwelle bewegt. Treffen Ultraschallwellen auf eine Grenzfläche mit sehr unterschiedlichen akustischen Eigenschaften, wird ein grosser Anteil der Schallenergie zurückgeworfen.

Zwischen Luft und Körpergewebe ist dieser Unterschied besonders ausgeprägt. Deshalb ist eine Luftschicht unmittelbar vor dem Schallkopf ungünstig.

Dasselbe physikalische Prinzip erklärt eine andere bekannte Grenze der Sonografie: Auch Luft beziehungsweise Gas im Magen oder Darm kann die Darstellung dahinterliegender Strukturen erschweren. Das Gel kann jedoch nur die Luft zwischen Haut und Schallkopf beseitigen – nicht das Gas innerhalb des Körpers.

Warum verwendet man Gel und nicht einfach Wasser?

Auch Wasser kann Ultraschallwellen gut übertragen und wird für bestimmte spezielle Anwendungen tatsächlich als Kontaktmedium eingesetzt. Für die alltägliche Ultraschalluntersuchung auf der Haut wäre reines Wasser jedoch unpraktisch, weil es sofort ablaufen würde.

Ultraschallgel ist dickflüssiger. Es bleibt zwischen Haut und Schallkopf, verteilt sich gleichmässig und ermöglicht gleichzeitig, den Schallkopf über die Haut zu bewegen.

Seine Konsistenz erfüllt damit zwei praktische Aufgaben: Das Gel stellt den akustischen Kontakt her und erleichtert die Bewegung des Schallkopfs während der Untersuchung.

Warum wird manchmal sehr viel Gel verwendet?

Die benötigte Menge hängt von der untersuchten Körperregion und vom Schallkopf ab. Auf einer relativ ebenen Hautoberfläche reicht häufig eine dünne Schicht.

Bei unregelmässigen Oberflächen oder bestimmten oberflächlichen Strukturen kann mehr Gel sinnvoll sein. Eine etwas dickere Gelschicht kann dabei helfen, einen gleichmässigen Kontakt herzustellen, ohne den Schallkopf stark auf die betreffende Region drücken zu müssen.

Mehr Gel bedeutet deshalb nicht, dass die Untersuchung schwieriger ist oder ein auffälliger Befund vorliegt.

Warum ist Ultraschallgel manchmal warm?

Ultraschallgel kann sich bei Raumtemperatur auf der Haut kühl anfühlen. Manche medizinischen Einrichtungen verwenden deshalb Gelwärmer, um die Untersuchung angenehmer zu machen.

Das Erwärmen dient in erster Linie dem Komfort. Für die grundlegende Funktion des Gels als Kontaktmedium ist es nicht erforderlich.

Was ist in Ultraschallgel enthalten?

Die genaue Zusammensetzung unterscheidet sich je nach Produkt. Medizinische Ultraschallgele sind in der Regel wasserbasierte Gele, deren Konsistenz so eingestellt ist, dass sie sich gut verteilen lassen und während der Untersuchung nicht sofort von der Haut ablaufen.

Je nach Produkt können neben Wasser beispielsweise Stoffe zur Einstellung der Viskosität und weitere Hilfsstoffe enthalten sein. Eine allgemeingültige Zutatenliste für jedes Ultraschallgel gibt es deshalb nicht.

Bei bekannten Unverträglichkeiten oder früheren Hautreaktionen auf ein Kontaktgel sollten Sie das medizinische Team informieren.

Ist Ultraschallgel ein Kontrastmittel?

Nein. Das gewöhnliche Gel auf der Haut ist kein Ultraschallkontrastmittel. Es bleibt ausserhalb des Körpers und dient der Übertragung der Schallwellen zwischen Schallkopf und Haut.

Ultraschallkontrastmittel sind etwas völlig anderes. Sie können bei speziellen medizinischen Fragestellungen eingesetzt und beispielsweise über eine Vene verabreicht werden. Mit dem normalen Kontaktgel auf der Haut haben sie ausser dem Einsatz bei Ultraschalluntersuchungen nichts zu tun.

Ist Ultraschallgel steril?

Nicht jedes Ultraschallgel ist steril. Bei einer gewöhnlichen Untersuchung auf intakter Haut kann nicht steriles Kontaktgel verwendet werden.

Für bestimmte Situationen gelten strengere hygienische Anforderungen. Bei invasiven Eingriffen, nicht intakter Haut, frischen Operationsstellen oder anderen Situationen mit erhöhten Anforderungen an die Infektionsprävention kann steriles Einmalgel erforderlich sein.

Auch die Reinigung und Desinfektion des Schallkopfs richtet sich danach, wie und an welcher Körperregion er verwendet wurde.

Kann man auf Ultraschallgel allergisch reagieren?

Hautreaktionen auf Ultraschallgel sind möglich, aber nicht der normale Verlauf einer Untersuchung. Da sich die Zusammensetzung verschiedener Produkte unterscheidet, kann bei einer Reaktion nicht pauschal gesagt werden, welcher Inhaltsstoff dafür verantwortlich ist.

Wenn nach einer früheren Ultraschalluntersuchung eine deutliche Hautreaktion aufgetreten ist oder eine bekannte Unverträglichkeit gegenüber Inhaltsstoffen eines verwendeten Gels besteht, sollte dies vor der nächsten Untersuchung angesprochen werden.

Was passiert mit dem Gel nach der Untersuchung?

Nach der Untersuchung wird das Gel von der Haut abgewischt. Wasserbasierte Ultraschallgele lassen sich normalerweise unkompliziert entfernen.

Das Gel entfaltet keine medizinische Wirkung im Körper. Nach einer gewöhnlichen Ultraschalluntersuchung muss deshalb wegen des Gels nichts weiter beachtet werden.

Häufige Missverständnisse

„Das Gel erzeugt die Ultraschallwellen.“

Nein. Die Ultraschallwellen werden vom Schallkopf erzeugt. Das Gel sorgt lediglich dafür, dass sie zuverlässig zwischen Schallkopf und Körper übertragen werden.

„Das Gel macht die Organe auf dem Bild sichtbar.“

Nicht direkt. Es verbessert den akustischen Kontakt an der Haut. Das eigentliche Ultraschallbild entsteht aus den Echos der Schallwellen aus dem Körper.

„Je mehr Gel verwendet wird, desto besser wird das Bild.“

Nein. Entscheidend ist eine ausreichende akustische Kopplung. Wie viel Gel dafür benötigt wird, hängt von der Untersuchungssituation ab.

„Ultraschallgel ist ein Kontrastmittel.“

Nein. Normales Kontaktgel wird äusserlich angewendet. Medizinische Ultraschallkontrastmittel sind davon klar zu unterscheiden.

Häufige Fragen

Warum ist Ultraschallgel so dickflüssig?

Damit es nicht sofort von der Haut abläuft und während der Untersuchung einen möglichst gleichmässigen Kontakt zwischen Haut und Schallkopf ermöglicht.

Kann Ultraschall ohne Gel funktionieren?

Für die übliche Untersuchung mit einem Schallkopf auf der Haut ist ein geeignetes Kontaktmedium erforderlich. Ohne ausreichende akustische Kopplung würde Luft zwischen Schallkopf und Haut die Übertragung der Ultraschallwellen stark beeinträchtigen.

Warum fühlt sich das Gel manchmal kalt an?

Gel bei Raumtemperatur kann sich auf der Haut kühl anfühlen. Deshalb wird es in manchen Einrichtungen vor der Untersuchung erwärmt.

Kann das Gel Flecken auf der Kleidung hinterlassen?

Medizinische Ultraschallgele sind üblicherweise wasserbasiert und für die Verwendung auf der Haut vorgesehen. Trotzdem ist es sinnvoll, Gelreste nach der Untersuchung abzuwischen und den Kontakt mit Kleidung möglichst zu vermeiden.

Muss bei jeder Ultraschalluntersuchung Gel auf die Haut?

Bei der üblichen Ultraschalluntersuchung über die Haut wird ein Kontaktmedium verwendet. Bei speziellen Ultraschallverfahren können jedoch andere Bedingungen und andere Formen der akustischen Kopplung bestehen.

Fazit

Ultraschallgel hat eine einfache, aber entscheidende Aufgabe: Es verdrängt die Luft zwischen Schallkopf und Haut und stellt dadurch eine zuverlässige akustische Verbindung her. So können Ultraschallwellen in den Körper gelangen und die zurückkehrenden Echos vom Schallkopf empfangen werden.

Das gewöhnliche Gel auf der Haut ist weder ein Medikament noch ein Kontrastmittel. Seine physikalische Funktion trägt wesentlich dazu bei, dass diagnostisch brauchbare Ultraschallbilder entstehen können.

Literatur und weiterführende Informationen

  1. U.S. Food and Drug Administration (FDA). Ultrasound Imaging. Informationen zu Funktionsweise, Anwendung und Sicherheit der medizinischen Ultraschallbildgebung.
  2. American Institute of Ultrasound in Medicine (AIUM). Guidelines for Cleaning and Preparing External- and Internal-Use Ultrasound Transducers and Equipment Between Patients as Well as Safe Handling and Use of Ultrasound Coupling Gel. 2025 Revision.
  3. European Society of Radiology (ESR) Ultrasound Working Group. Empfehlungen zur Infektionsprävention und -kontrolle bei Ultraschalluntersuchungen.
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