Warum reicht Ultraschall manchmal nicht aus?

Ultraschallgerät mit Röntgen, CT und MRI als ergänzende bildgebende Verfahren

Die Grenzen des Ultraschalls werden manchmal erst während einer Untersuchung sichtbar. Ein Organ kann beispielsweise durch Darmgas verdeckt sein, eine Struktur liegt zu tief oder die medizinische Frage lässt sich mit Ultraschall grundsätzlich nicht zuverlässig beantworten.

Wenn anschliessend eine CT, ein MRI oder eine Röntgenuntersuchung empfohlen wird, bedeutet das deshalb nicht automatisch, dass der Ultraschall erfolglos war. Häufig werden unterschiedliche bildgebende Verfahren gezielt eingesetzt, weil jedes andere Stärken besitzt.

Kurz gesagt: Warum reicht Ultraschall manchmal nicht aus?

Ultraschall benötigt einen geeigneten Weg für die Schallwellen zum untersuchten Gewebe und wieder zurück zum Schallkopf. Luft und Knochen können diesen Weg erheblich behindern. Auch grosse Untersuchungstiefen erschweren die Darstellung.

Darüber hinaus gibt es medizinische Fragestellungen, für die CT, MRI oder Röntgen grundsätzlich besser geeignet sind. Entscheidend ist daher nicht, welches Verfahren allgemein „am besten“ ist, sondern welches die konkrete medizinische Frage am zuverlässigsten beantworten kann.

Was bestimmt, ob eine Struktur im Ultraschall sichtbar ist?

Der Schallkopf sendet Ultraschallwellen in den Körper und empfängt die zurückkehrenden Echos. Damit daraus ein aussagekräftiges Bild entsteht, müssen die Schallwellen die untersuchte Region ausreichend erreichen können.

Oberflächlich gelegene Weichteile lassen sich häufig sehr detailliert darstellen. Mit zunehmender Tiefe werden die Schallwellen jedoch abgeschwächt. Dadurch kann die Bildqualität abnehmen.

Auch die Lage eines Organs ist entscheidend. Befindet sich beispielsweise gasgefüllter Darm zwischen Schallkopf und Zielstruktur, kann die Sicht eingeschränkt sein.

Warum stört Luft den Ultraschall?

Schallwellen verhalten sich an der Grenze zwischen Körpergewebe und Luft ungünstig für die medizinische Bildgebung. Ein grosser Teil der Ultraschallenergie wird dort reflektiert. Dadurch gelangt nur wenig nutzbarer Schall in die dahinterliegenden Strukturen.

Das erklärt zwei typische Situationen: Zwischen Schallkopf und Haut wird Ultraschallgel verwendet, um Luft zu verdrängen. Innerhalb des Körpers kann Gas in Magen oder Darm dagegen nicht einfach beseitigt werden und die Sicht auf tiefer gelegene Organe einschränken.

Wie stark Darmgas eine Untersuchung beeinträchtigt, hängt von seiner Verteilung und von der untersuchten Region ab. Durch eine andere Position des Schallkopfs oder der Patientin beziehungsweise des Patienten lässt sich manchmal ein besseres Schallfenster finden.

Warum kann Ultraschall nicht durch Knochen sehen?

Auch Knochen reflektiert Ultraschallwellen sehr stark. Die Knochenoberfläche kann deshalb gut sichtbar sein, doch das Innere eines erwachsenen Knochens und Strukturen direkt dahinter lassen sich mit herkömmlichem diagnostischem Ultraschall meist nicht beurteilen.

Ein wichtiges Beispiel ist das Gehirn. Bei Erwachsenen verhindert der knöcherne Schädel weitgehend eine direkte sonografische Untersuchung des Gehirns. Bei Säuglingen können dagegen die noch offenen Fontanellen als natürliche Schallfenster genutzt werden.

Für viele Fragestellungen an Knochen sind deshalb Röntgen oder CT geeigneter. Für Knochenmark, Gehirn, Rückenmark und zahlreiche Gelenkstrukturen kann ein MRI wesentlich mehr Informationen liefern.

Warum sind tiefer gelegene Strukturen schwieriger zu untersuchen?

Ultraschallwellen verlieren auf ihrem Weg durch den Körper Energie. Je tiefer eine Struktur liegt, desto stärker werden die ausgesendeten und zurückkehrenden Schallwellen abgeschwächt.

Bei grossen Untersuchungstiefen muss deshalb häufig mit niedrigeren Ultraschallfrequenzen gearbeitet werden. Diese dringen tiefer in den Körper ein, liefern jedoch eine geringere räumliche Auflösung als höhere Frequenzen.

Die Bildqualität hängt somit immer von einem Kompromiss zwischen Eindringtiefe und Detailauflösung ab.

Welche Rolle spielen die individuellen Untersuchungsbedingungen?

Nicht bei jedem Menschen lassen sich dieselben Organe gleich gut darstellen. Körperbau, Untersuchungstiefe, Darmgas, Narben, Beweglichkeit und die Möglichkeit, bestimmte Atem- oder Körperpositionen einzunehmen, können die Bildqualität beeinflussen.

Das bedeutet nicht, dass eine bestimmte körperliche Eigenschaft grundsätzlich eine Ultraschalluntersuchung verhindert. Häufig kann die untersuchende Person durch unterschiedliche Schallkopfpositionen, Atemmanöver oder eine veränderte Lagerung dennoch diagnostisch verwertbare Bilder gewinnen.

In manchen Situationen bleibt die Aussagekraft jedoch eingeschränkt. Im Befund kann dann beispielsweise beschrieben werden, dass eine Struktur nur teilweise oder nicht ausreichend beurteilbar war.

Warum hängt Ultraschall besonders von der untersuchenden Person ab?

Ultraschall unterscheidet sich in einem wichtigen Punkt von vielen CT- oder MRI-Untersuchungen: Die Bilder entstehen unmittelbar während die untersuchende Person den Schallkopf führt.

Sie entscheidet fortlaufend, aus welcher Richtung eine Struktur dargestellt wird, welche Geräteeinstellungen verwendet werden und welche auffälligen Bereiche genauer untersucht werden müssen.

Erfahrung und Kenntnisse der Anatomie und Ultraschalltechnik spielen deshalb eine wichtige Rolle. Das gilt besonders für komplexe Untersuchungen und für Regionen, in denen nur kleine Schallfenster zur Verfügung stehen.

Wann kann ein MRI mehr zeigen?

Das MRI ist besonders hilfreich, wenn Weichteile auch in tieferen oder durch Knochen abgeschirmten Körperregionen beurteilt werden müssen. Es kann ausserdem Knochenmark und zahlreiche Strukturen innerhalb von Gelenken darstellen, die mit Ultraschall nicht oder nur teilweise zugänglich sind.

Ein typisches Beispiel ist das Knie. Ultraschall kann oberflächliche Sehnen, Flüssigkeitsansammlungen und verschiedene Weichteile beurteilen. Für Menisken, Kreuzbänder, Knochenmark und andere Strukturen innerhalb des Gelenks liefert ein MRI häufig einen umfassenderen Überblick.

Auch bei bestimmten Veränderungen von Gehirn, Wirbelsäule, Becken oder tief gelegenen Weichteilen kann MRI die geeignetere Untersuchung sein.

Wann kann eine CT mehr zeigen?

Eine CT erzeugt Schnittbilder mit Röntgenstrahlung und kann grosse Körperregionen innerhalb kurzer Zeit darstellen. Sie eignet sich besonders gut für viele Fragestellungen an Lunge und Knochen sowie für zahlreiche akute Erkrankungen und Verletzungen.

Ein Beispiel sind schwere Unfälle. Ultraschall kann in bestimmten Situationen sehr schnell Hinweise auf freie Flüssigkeit oder andere Veränderungen liefern. Eine CT kann jedoch gleichzeitig zahlreiche Organe, Gefässe und Knochen detailliert erfassen und dadurch das gesamte Verletzungsmuster darstellen.

Auch wenn eine Erkrankung des Bauchraums vermutet wird, kann eine CT sinnvoll sein, wenn der Ultraschall keine ausreichende Antwort liefert oder die vermutete Erkrankung mit CT zuverlässiger beurteilt werden kann.

Wann ist ein Röntgenbild sinnvoller?

Die klassische Röntgenuntersuchung ist insbesondere für viele Fragestellungen an Knochen und Lunge geeignet.

Bei Verdacht auf einen Knochenbruch kann Ultraschall in bestimmten Situationen zusätzliche Informationen liefern. Für viele Frakturen ist jedoch das Röntgenbild das etablierte bildgebende Verfahren.

Auch hier gilt: Die Wahl hängt von der medizinischen Fragestellung und der betroffenen Körperregion ab.

Warum beginnt man trotzdem häufig mit Ultraschall?

Dass möglicherweise später eine andere Untersuchung erforderlich wird, macht den Ultraschall nicht überflüssig. Für viele Fragestellungen kann er bereits eine eindeutige Diagnose liefern oder wichtige Hinweise geben.

Ultraschall ist unmittelbar verfügbar, erzeugt Bilder in Echtzeit und verwendet keine ionisierende Strahlung. Bei vielen Beschwerden kann deshalb zunächst geklärt werden, ob überhaupt weitere Bildgebung notwendig ist.

Manchmal verändert das Ultraschallergebnis auch die nächste diagnostische Frage. Die anschliessende CT- oder MRI-Untersuchung kann dadurch gezielter geplant werden.

Ist ein unauffälliger Ultraschall immer eine Entwarnung?

Nein. Ein unauffälliger Ultraschall bedeutet zunächst, dass bei der durchgeführten Untersuchung keine entsprechende Auffälligkeit erkannt wurde. Wie aussagekräftig dieses Ergebnis ist, hängt von der medizinischen Fragestellung und davon ab, wie gut die betreffende Region sonografisch beurteilt werden konnte.

Wenn Beschwerden, Laborwerte oder andere Befunde weiterhin auf eine Erkrankung hinweisen, kann deshalb trotz unauffälligem Ultraschall weitere Diagnostik notwendig sein.

Bildgebung wird immer zusammen mit den übrigen medizinischen Informationen beurteilt.

Warum wird manchmal direkt CT oder MRI durchgeführt?

Ultraschall muss nicht grundsätzlich die erste Untersuchung sein. Wenn bereits aufgrund der Beschwerden und der medizinischen Fragestellung feststeht, dass Ultraschall die entscheidenden Strukturen nicht ausreichend darstellen kann, kann direkt ein anderes Verfahren gewählt werden.

Bei der Auswahl werden diagnostischer Nutzen, Dringlichkeit, mögliche Strahlenexposition, Kontrastmittel, individuelle Voraussetzungen und die Verfügbarkeit der Verfahren gegeneinander abgewogen.

Eine zusätzliche Untersuchung nur deshalb durchzuführen, weil ein Verfahren technisch verfügbar ist, wäre dagegen nicht sinnvoll. Jede Bildgebung sollte eine konkrete medizinische Frage beantworten.

Häufige Missverständnisse

„Wenn man nach dem Ultraschall noch ein MRI braucht, war der Ultraschall umsonst.“

Nein. Der Ultraschall kann bereits wichtige Informationen geliefert und die weitere Fragestellung eingegrenzt haben. Unterschiedliche Verfahren können sich diagnostisch ergänzen.

„CT ist grundsätzlich genauer als Ultraschall.“

Nein. Die Genauigkeit hängt von der Fragestellung ab. Eine oberflächliche Sehne kann beispielsweise mit hochauflösendem Ultraschall hervorragend untersucht werden, während CT für diese Frage meist nicht das geeignete Verfahren ist.

„MRI ist immer die beste Bildgebung.“

Auch das stimmt nicht. MRI bietet eine ausgezeichnete Weichteildarstellung, ist aber nicht für jede medizinische Frage die beste oder schnellste Methode. Bei bestimmten Erkrankungen können Ultraschall, CT oder Röntgen geeigneter sein.

„Wenn im Ultraschall nichts zu sehen ist, ist auch nichts vorhanden.“

Ein Ultraschallbefund kann nur Strukturen und Veränderungen beurteilen, die mit der Methode ausreichend dargestellt werden können. Bei fortbestehendem medizinischem Verdacht kann weitere Diagnostik notwendig sein.

Risiken und Grenzen ergänzender Untersuchungen

Auch die anderen bildgebenden Verfahren haben Vor- und Nachteile. CT und Röntgen verwenden ionisierende Strahlung. MRI verwendet keine ionisierende Strahlung, benötigt aber deutlich längere Untersuchungszeiten und ist bei bestimmten Implantaten oder anderen Voraussetzungen nicht ohne Weiteres möglich.

Bei CT und MRI kann je nach Fragestellung zusätzlich ein Kontrastmittel erforderlich sein. Ob eine ergänzende Untersuchung sinnvoll ist und welches Verfahren gewählt wird, hängt deshalb immer von der konkreten Situation ab.

Wann sollte man das medizinische Team informieren?

Informieren Sie das medizinische Team, wenn Beschwerden fortbestehen oder sich verändern, auch wenn eine vorherige Ultraschalluntersuchung unauffällig war. Entscheidend ist nicht allein das Bild, sondern die Kombination aus Beschwerden, körperlicher Untersuchung, Laborwerten und gegebenenfalls weiterer Diagnostik.

Wenn eine zusätzliche CT-, MRI- oder Röntgenuntersuchung empfohlen wird, können Sie fragen, welche konkrete Information damit gewonnen werden soll und warum Ultraschall diese Frage nicht ausreichend beantworten kann.

Häufige Fragen

Kann Ultraschall Krebs übersehen?

Ja. Wie jedes bildgebende Verfahren kann Ultraschall Veränderungen übersehen. Die Erkennbarkeit hängt unter anderem von Organ, Grösse und Lage einer Veränderung sowie von den Untersuchungsbedingungen ab. Für manche Tumorarten sind deshalb CT oder MRI besser geeignet.

Kann Ultraschall hinter Darmgas etwas erkennen?

Das kann schwierig sein, weil Gas die Ausbreitung der Ultraschallwellen stark beeinträchtigt. Manchmal lässt sich durch eine andere Schallrichtung oder Körperposition dennoch ein geeignetes Schallfenster finden.

Kann Ultraschall durch Knochen sehen?

Im Allgemeinen nicht. Die Knochenoberfläche ist sichtbar, aber Ultraschall kann bei Erwachsenen nicht ausreichend durch den Knochen dringen, um dahinterliegende Strukturen zuverlässig darzustellen.

Warum bekomme ich nach dem Ultraschall ein MRI?

Ein MRI kann erforderlich sein, wenn tief gelegene Weichteile, Knochenmark, das Gehirn, die Wirbelsäule oder bestimmte Gelenkstrukturen genauer beurteilt werden müssen.

Warum bekomme ich nach dem Ultraschall eine CT?

Eine CT kann beispielsweise notwendig sein, wenn eine grössere Körperregion schnell und detailliert untersucht werden muss oder wenn Lunge, Knochen oder bestimmte akute Erkrankungen besser beurteilt werden sollen.

Fazit

Ultraschall ist für viele medizinische Fragestellungen eine ausgezeichnete Untersuchungsmethode, kann aber nicht jede Struktur des Körpers gleich gut darstellen. Luft, Knochen, grosse Untersuchungstiefen und die Lage einer Struktur können seine Aussagekraft begrenzen.

Wenn CT, MRI oder Röntgen zusätzlich notwendig werden, ergänzen sich die Verfahren häufig. Entscheidend ist nicht, möglichst bei einer einzigen Methode zu bleiben, sondern für die jeweilige medizinische Frage die geeignete Bildgebung auszuwählen.

Literatur und weiterführende Informationen

  1. American College of Radiology (ACR), Radiological Society of North America (RSNA). Ultrasound (Sonography) – General Ultrasound. RadiologyInfo.org. Zuletzt überprüft 23. September 2024.
  2. American College of Radiology (ACR), Radiological Society of North America (RSNA). Abdominal Ultrasound. RadiologyInfo.org. Patienteninformation zu Möglichkeiten und Grenzen der abdominellen Sonografie.
  3. American College of Radiology (ACR), Radiological Society of North America (RSNA). Musculoskeletal Ultrasound. RadiologyInfo.org. Informationen zu Einsatzmöglichkeiten und methodischen Grenzen des muskuloskelettalen Ultraschalls.
  4. American College of Radiology (ACR). ACR Appropriateness Criteria. Evidenzbasierte Empfehlungen zur Auswahl geeigneter bildgebender Verfahren für unterschiedliche klinische Fragestellungen.
Nach oben scrollen