Ultraschall in der Schwangerschaft gehört zu den wichtigsten bildgebenden Untersuchungen vor der Geburt. Dabei können die Entwicklung des ungeborenen Kindes, seine Lage und viele anatomische Strukturen beurteilt werden. Anders als Röntgen oder CT verwendet Ultraschall keine ionisierende Strahlung.
Viele werdende Eltern fragen sich trotzdem, ob die Schallwellen dem Embryo oder Fetus schaden können. Nach heutigem wissenschaftlichem Kenntnisstand gilt medizinisch eingesetzter Ultraschall in der Schwangerschaft als sicher. Dennoch wird auch Ultraschall nicht völlig unbegrenzt eingesetzt.
Kurz gesagt: Ist Ultraschall in der Schwangerschaft sicher?
Ja. Bei medizinisch begründeter und fachgerecht durchgeführter Anwendung gilt diagnostischer Ultraschall in der Schwangerschaft als sicher.
Bislang sind keine unabhängig bestätigten gesundheitsschädlichen Wirkungen des diagnostischen Schwangerschaftsultraschalls beim Menschen nachgewiesen worden.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Ultraschallenergie grundsätzlich keinerlei Wirkung auf Gewebe haben kann. Deshalb soll nur so lange und mit so geringer Schallleistung untersucht werden, wie es für die benötigte medizinische Information erforderlich ist.
Warum gibt es beim Ultraschall keine Strahlenbelastung?
Ultraschall arbeitet mit hochfrequenten Schallwellen (mechanischen Wellen, die oberhalb des menschlichen Hörbereichs liegen). Diese werden vom Schallkopf in den Körper ausgesendet und von verschiedenen Geweben unterschiedlich zurückgeworfen. Aus diesen Echos berechnet das Gerät das Ultraschallbild.
Röntgen und CT verwenden dagegen ionisierende Strahlung. Ultraschall funktioniert nach einem völlig anderen physikalischen Prinzip und verursacht deshalb keine Strahlenbelastung im Sinne einer Röntgenuntersuchung.
Das ist ein wichtiger Grund dafür, dass Ultraschall während der Schwangerschaft so häufig eingesetzt werden kann. Die Grundlagen der Methode erklären wir ausführlicher im Beitrag „Ultraschall einfach erklärt“.
Wenn Ultraschall keine Strahlung verwendet – warum spricht man trotzdem über Sicherheit?
Auch Schallwellen übertragen Energie auf das Gewebe. Diese Energie kann grundsätzlich biologische Wirkungen hervorrufen.
Für den diagnostischen Ultraschall ist vor allem eine mögliche geringe Erwärmung des Gewebes von Bedeutung. Wie stark sie ausfällt, hängt unter anderem von der verwendeten Schallleistung, dem Untersuchungsmodus und der Dauer ab.
Bei der üblichen fachgerechten Untersuchung werden diese Faktoren berücksichtigt. Deshalb bedeutet „keine Röntgenstrahlung“ nicht, dass Ultraschall völlig ohne physikalische Wechselwirkung mit dem Körper arbeitet.
Was bedeutet das ALARA-Prinzip?
Für Ultraschalluntersuchungen während der Schwangerschaft gilt das sogenannte ALARA-Prinzip (As Low As Reasonably Achievable – so niedrig wie vernünftigerweise erreichbar).
Gemeint ist: Die Schallleistung und die Untersuchungsdauer sollen so niedrig beziehungsweise so kurz wie vernünftigerweise möglich gehalten werden, ohne die diagnostische Qualität der Untersuchung zu beeinträchtigen.
Eine Untersuchung soll also nicht möglichst schnell beendet werden, wenn wichtige Informationen noch fehlen. Sie soll aber auch nicht unnötig verlängert oder mit höherer Leistung durchgeführt werden, wenn die benötigten Bilder bereits zuverlässig gewonnen werden können.
Was bedeuten Thermal Index und Mechanical Index?
Auf modernen Ultraschallgeräten werden Sicherheitsparameter angezeigt. Dazu gehören der Thermal Index, kurz TI (Orientierungswert für das mögliche Erwärmungspotenzial der Ultraschallenergie) und der Mechanical Index, kurz MI (Orientierungswert für bestimmte mögliche nicht-thermische mechanische Wirkungen).
Diese Werte sind keine direkte Messung einer tatsächlichen Gewebeschädigung.
Sie helfen der untersuchenden Fachperson vielmehr dabei, die akustische Leistung und die Untersuchungsdauer angemessen einzustellen.
Ist Ultraschall im ersten Trimester ebenfalls sicher?
Auch im ersten Trimester wird Ultraschall routinemässig medizinisch eingesetzt.
Für den normalen zweidimensionalen Ultraschall, den sogenannten B-Mode (klassische zweidimensionale Graustufendarstellung im Ultraschall), gibt es nach aktuellem Kenntnisstand keine Hinweise auf eine schädliche Wirkung bei fachgerechter Anwendung.
Gerade in der frühen Schwangerschaft wird dennoch besonders auf eine möglichst geringe Schallleistung und eine angemessene Untersuchungsdauer geachtet.
Das folgt dem allgemeinen Vorsorgeprinzip: In einer Phase intensiver embryonaler Entwicklung sollen unnötige Expositionen vermieden werden, auch wenn keine nachgewiesene Schädigung durch den diagnostischen B-Mode-Ultraschall bekannt ist.
Warum wird Doppler-Ultraschall in der frühen Schwangerschaft zurückhaltender eingesetzt?
Doppler-Ultraschall (Ultraschallverfahren zur Untersuchung von Blutströmungen) dient unter anderem dazu, den Blutfluss in bestimmten kindlichen oder mütterlichen Gefässen zu beurteilen.
Bestimmte Dopplerverfahren können jedoch eine höhere akustische Energie in das Gewebe einbringen als der gewöhnliche B-Mode-Ultraschall.
Das ist besonders in der frühen Schwangerschaft relevant. Deshalb soll insbesondere der Spektral-Doppler (Dopplerverfahren zur grafischen Darstellung von Blutflussgeschwindigkeiten über die Zeit) in der frühen Embryonalphase nicht routinemässig ohne medizinischen Grund eingesetzt werden.
Wenn Doppler diagnostisch erforderlich ist, werden Schallleistung und Untersuchungsdauer entsprechend angepasst.
Warum sieht man manchmal den Herzschlag, ohne ihn mit Doppler abzuleiten?
Die Herzaktivität des Embryos kann im Ultraschall sichtbar gemacht werden, ohne dafür zwingend einen Spektral-Doppler einzusetzen.
In der frühen Schwangerschaft können beispielsweise B-Mode oder M-Mode (Ultraschallverfahren zur Darstellung von Bewegungen anatomischer Strukturen über die Zeit) verwendet werden.
Damit lässt sich die Herzaktivität dokumentieren, während die akustische Exposition gering gehalten werden kann.
Welche Methode verwendet wird, entscheidet die untersuchende Fachperson entsprechend der Schwangerschaftswoche und der medizinischen Fragestellung.
Was wird beim Ultraschall in der Schwangerschaft untersucht?
Die Fragestellung verändert sich im Verlauf der Schwangerschaft.
Je nach Zeitpunkt kann Ultraschall unter anderem Informationen liefern über:
- Lage und Entwicklung der Schwangerschaft,
- Anzahl der Embryonen oder Feten,
- Herzaktivität,
- Wachstum und Körpermasse,
- anatomische Entwicklung,
- Lage des Fetus,
- Plazenta,
- Fruchtwassermenge sowie
- bei entsprechender Fragestellung bestimmte Blutströmungen.
Welche Untersuchungen vorgesehen oder medizinisch notwendig sind, hängt unter anderem vom Schwangerschaftsverlauf, von individuellen Risikofaktoren und den jeweiligen nationalen Empfehlungen ab.
Was erlebt die Schwangere bei der Untersuchung?
Bei der üblichen Untersuchung über die Bauchdecke liegt die Schwangere auf einer Untersuchungsliege. Der Bauch wird freigemacht und Ultraschallgel auf die Haut aufgetragen. Anschliessend bewegt die untersuchende Person den Schallkopf über den Bauch.
Je nach Lage des Fetus muss der Schallkopf unterschiedlich ausgerichtet und gelegentlich etwas stärker aufgesetzt werden. Die Untersuchung selbst verursacht normalerweise keine Schmerzen.
Besonders in der frühen Schwangerschaft kann auch ein transvaginaler Ultraschall (Ultraschalluntersuchung mit einem speziell geformten Schallkopf über die Scheide) sinnvoll sein. Durch die geringe Entfernung zu Gebärmutter und Embryo können frühe Schwangerschaftsstrukturen besonders detailliert dargestellt werden.
Ist transvaginaler Ultraschall für die Schwangerschaft gefährlich?
Ein medizinisch indizierter transvaginaler Ultraschall gilt ebenfalls als sicheres Untersuchungsverfahren.
Der Schallkopf befindet sich in der Scheide und nicht innerhalb der Gebärmutter.
Gerade in der frühen Schwangerschaft kann diese Untersuchung wichtige Informationen liefern, beispielsweise zur Lage der Schwangerschaft und zur embryonalen Entwicklung.
Ob eine transvaginale Untersuchung notwendig ist, hängt von der Fragestellung und davon ab, welche Informationen über die Bauchdecke gewonnen werden können.
Sind 3D- und 4D-Ultraschall gefährlicher?
Beim 3D-Ultraschall werden Ultraschalldaten räumlich verarbeitet. Beim 4D-Ultraschall werden solche dreidimensionalen Darstellungen fortlaufend aktualisiert, sodass Bewegungen sichtbar werden.
Auch diese Verfahren beruhen auf Ultraschall. Entscheidend für die Sicherheit sind deshalb wiederum die verwendete Schallleistung, der Untersuchungsmodus und die Expositionsdauer.
Wenn 3D- oder 4D-Ultraschall für eine medizinische Fragestellung eingesetzt wird, gelten dieselben Grundprinzipien einer verantwortungsvollen Anwendung.
Warum wird von reinem „Babyfernsehen“ abgeraten?
Medizinische Fachgesellschaften empfehlen, Ultraschall während der Schwangerschaft für medizinische Zwecke einzusetzen und unnötig lange Untersuchungen allein zur Unterhaltung zu vermeiden.
Der Grund dafür ist nicht der Nachweis, dass solche Aufnahmen das ungeborene Kind schädigen.
Vielmehr gilt auch hier das Vorsorgeprinzip: Wenn keine medizinische Information benötigt wird, besteht kein Grund für eine zusätzliche oder verlängerte Ultraschallexposition.
Dass während einer medizinisch notwendigen Untersuchung Erinnerungsbilder entstehen, ist davon zu unterscheiden. Dafür muss die Untersuchung nicht unnötig verlängert werden.
Kann man zu häufig Ultraschall machen?
Es gibt keine einfache Zahl, ab der eine Ultraschalluntersuchung automatisch „zu häufig“ wäre.
Entscheidend sind medizinischer Anlass, Untersuchungsmodus, Schallleistung und Dauer.
Bei bestimmten Schwangerschaften können häufigere Kontrollen medizinisch sinnvoll oder notwendig sein. Eine solche Verlaufskontrolle ist etwas anderes als zusätzliche Untersuchungen ohne medizinischen Grund.
Das ALARA-Prinzip bedeutet deshalb nicht, möglichst wenige Untersuchungen durchzuführen. Es bedeutet, jede notwendige Untersuchung so durchzuführen, dass die erforderliche diagnostische Information mit angemessener Exposition gewonnen wird.
Häufige Missverständnisse
„Ultraschall ist eine Form von Röntgenstrahlung.“
Nein. Ultraschall verwendet Schallwellen und keine ionisierende Strahlung.
„Wenn Ultraschall als sicher gilt, kann man beliebig lange untersuchen.“
Nein. Auch diagnostischer Ultraschall überträgt Energie auf Gewebe. Deshalb sollen Schallleistung und Untersuchungsdauer auf das medizinisch Erforderliche begrenzt werden.
„Doppler ist genauso wie der normale Schwarz-Weiss-Ultraschall.“
Nicht vollständig. Dopplerverfahren dienen der Untersuchung von Blutströmungen und können mit einer höheren akustischen Exposition verbunden sein. Besonders in der frühen Schwangerschaft werden sie deshalb gezielt eingesetzt.
„Ein zusätzlicher Ultraschall ist gefährlich für das Baby.“
Nein. Eine medizinisch notwendige zusätzliche Ultraschalluntersuchung gilt bei fachgerechter Durchführung nicht als gefährlich. Zusätzliche Kontrollen können beispielsweise erforderlich sein, wenn Wachstum, Entwicklung oder Versorgung genauer überwacht werden müssen.
Welche Grenzen hat Schwangerschaftsultraschall?
Die wichtigste Grenze betrifft nicht die Sicherheit, sondern die diagnostische Aussagekraft.
Ein unauffälliger Schwangerschaftsultraschall kann nicht jede Erkrankung oder Entwicklungsstörung ausschliessen.
Welche Veränderungen erkennbar sind, hängt unter anderem von Schwangerschaftswoche, Lage des Fetus, Untersuchungsbedingungen und Art der Veränderung ab.
Auch deshalb werden Ultraschallbefunde immer im Zusammenhang mit der gesamten Schwangerschaft und anderen medizinischen Informationen beurteilt. Die grundsätzlichen methodischen Grenzen erläutern wir im Beitrag „Warum reicht Ultraschall manchmal nicht aus?“.
Wann sind trotz Schwangerschaft andere bildgebende Verfahren notwendig?
Ultraschall kann viele Fragestellungen während der Schwangerschaft beantworten, aber nicht alle. Wenn eine medizinische Frage sonografisch nicht ausreichend geklärt werden kann, können weitere Verfahren erforderlich sein.
Das MRI in der Schwangerschaft kommt ohne ionisierende Strahlung aus und kann bei ausgewählten Fragestellungen zusätzliche Informationen liefern.
Auch eine Röntgenuntersuchung in der Schwangerschaft ist bei medizinischer Notwendigkeit nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Entscheidend ist immer die Abwägung zwischen diagnostischem Nutzen, Dringlichkeit und möglicher Exposition.
Wann sollte man das medizinische Team informieren?
Für die Sicherheit des Ultraschalls sind normalerweise keine besonderen Vorkehrungen der Schwangeren erforderlich.
Wichtig ist jedoch, Beschwerden wie Blutungen, Schmerzen oder andere neue Symptome mitzuteilen, weil sie die Fragestellung und den Umfang der Untersuchung beeinflussen können.
Wenn Sie unsicher sind, warum eine zusätzliche Ultraschall- oder Doppleruntersuchung empfohlen wird, können Sie nach dem konkreten medizinischen Ziel der Untersuchung fragen.
Fazit
Ultraschall in der Schwangerschaft verwendet keine ionisierende Strahlung und gilt bei medizinisch begründeter, fachgerechter Anwendung nach heutigem Kenntnisstand als sicher.
Trotzdem wird Ultraschall bewusst eingesetzt: mit geeigneten Geräteeinstellungen, möglichst geringer erforderlicher Schallleistung und einer auf die diagnostische Fragestellung begrenzten Untersuchungsdauer.
Besonders bei Dopplerverfahren in der frühen Schwangerschaft ist diese zurückhaltende Anwendung wichtig.
Das Ziel ist nicht, möglichst wenig Ultraschall einzusetzen, sondern jede medizinisch notwendige Untersuchung so durchzuführen, dass die benötigte Information zuverlässig und mit angemessener Exposition gewonnen wird.
Weiterführende Beiträge
- Ultraschall einfach erklärt
- Doppler- und Duplex-Ultraschall
- Warum reicht Ultraschall manchmal nicht aus?
- MRI in der Schwangerschaft
- Röntgen in der Schwangerschaft
Literatur und weiterführende Informationen
- International Society of Ultrasound in Obstetrics and Gynecology (ISUOG): Practice Guidelines – performance of the routine mid-trimester fetal ultrasound scan.
- International Society of Ultrasound in Obstetrics and Gynecology (ISUOG): Updated Practice Guidelines – performance of the 11–14-week ultrasound scan.
- American Institute of Ultrasound in Medicine (AIUM): Prudent Use and Safety of Diagnostic Ultrasound in Pregnancy.
- American Institute of Ultrasound in Medicine (AIUM): As Low As Reasonably Achievable (ALARA) Principle.
- U.S. Food and Drug Administration (FDA): Ultrasound Imaging – Benefits/Risks and Information for Expectant Mothers.


