William Sharpey (1802–1880) war ein britischer Anatom, Physiologe und Hochschullehrer. Er lehrte am University College London und war einer der Begründer der modernen britischen Physiologie. Bekannt wurde er vor allem durch die Entdeckung der sogenannten „Sharpey-Fasern“.
Biografische Daten
Sharpey wurde 1802 in Arbroath (Schottland) geboren. Er studierte Medizin in Edinburgh und wurde später Professor für Anatomie und Physiologie in London. Viele seiner Schüler – darunter Thomas Huxley – wurden später selbst bedeutende Wissenschaftler. Er starb 1880 in London.
Wissenschaftliche Leistungen
Sharpey beschrieb als Erster die Sharpey-Fasern – kollagene Faserbündel, die:
– vom Periost (Knochenhaut)
– durch die kompakte Knochensubstanz
– in die Lamellen des kortikalen Knochens ziehen
Sie dienen der Verankerung von Sehnen, Bändern und Periost im Knochen und spielen eine bedeutende Rolle bei der mechanischen Belastbarkeit des Knochensystems.
Weitere Beiträge:
– Förderung der experimentellen Physiologie in Großbritannien
– Mitautor klassischer anatomischer Lehrbücher
– Einfluss auf histologische Techniken und mikroskopische Präparationen
Bedeutung in Radiologie, Orthopädie und Traumatologie
Die Sharpey-Fasern sind in der Muskuloskelettalradiologie wichtig, da sie:
– bei Abrissfrakturen (z. B. an Sehnenansätzen) mit betroffen sein können
– bei Entzündungen oder Periostreaktionen eine Rolle spielen
– sich in hochauflösenden MRT-Bildern teilweise rekonstruieren lassen
– als Strukturmodell für Knochen-Biomaterialien dienen
In der Pädiatrie sind sie relevant für die Interpretation von Periostablösungen und Kindesmisshandlung (Differenzialdiagnostik).
Quellen und Literatur
Sharpey W. Manual of Anatomy. London, 1856.
Netter FH. Atlas of Human Anatomy. Elsevier, 2023.
Resnick D, Kransdorf M. Bone and Joint Imaging. Elsevier, 2020.
Standring S (Hrsg.). Gray’s Anatomy. 42. Auflage. Elsevier, 2020.

