Sertoli, Enrico (1842-1910)

Schwarz-Weiss-Bleistiftporträt von Sertoli, Enrico (1842-1910) mit ernstem Blick vor abgedunkeltem, geglättetem Hintergrund im klassischen Zeichenstil.

Enrico Sertoli (1842–1910) war ein italienischer Physiologe und Histologe, der 1865 die später nach ihm benannten „Sertoli-Zellen“ in den Hoden entdeckte. Diese Zellen sind zentrale Bestandteile der Samenkanälchen und spielen eine entscheidende Rolle bei der Reifung männlicher Keimzellen.

Biografische Daten
Sertoli wurde 1842 in Sondrio (Lombardei) geboren. Er studierte Medizin und arbeitete in Mailand und Pisa. Bereits als Student entdeckte er die charakteristischen Stützzellen des Hodenepithels, die später seinen Namen erhielten. Er starb 1910 in Mailand.

Wissenschaftliche Leistungen
Die Sertoli-Zellen:

– bilden das Stützgerüst der Samenkanälchen (Tubuli seminiferi)
– versorgen die heranreifenden Spermatozyten metabolisch
– bilden die Blut-Hoden-Schranke
– regulieren die Spermatogenese über Androgenbindung und Inhibin-Sekretion
– reagieren auf FSH (Follikel-stimulierendes Hormon)

Sertoli war damit ein Pionier der funktionellen Histologie des Hodens und beeinflusste das Verständnis der männlichen Fortpflanzungsphysiologie nachhaltig.

Bedeutung in Urologie, Endokrinologie und Radiologie
Die Sertoli-Zelle ist zentral für viele klinische und bildgebende Fragestellungen:

– Sertoli-Zell-Tumoren (seltene Keimstrang-Stromatumoren)
– Hodenatrophie oder Dysgenesie (z.B. beim Klinefelter-Syndrom)
– hormonelle Regulation der Spermatogenese
– Zielstruktur bei FSH-Diagnostik und Therapie
– MRT oder Ultraschall des Hodens zeigen indirekt Veränderungen der Sertoli-Zellfunktion (z.B. bei Infertilität oder Tumoren)

Quellen und Literatur
Sertoli E. Osservazioni sulla struttura dei tubuli seminiferi. 1865.
Netter FH. Atlas of Human Anatomy. Elsevier, 2023.
McLachlan RI et al. Sertoli cells: master regulators of spermatogenesis. Endocr Rev. 2006.
Standring S (Hrsg.). Gray’s Anatomy. 42. Auflage. Elsevier, 2020.

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