Jacques-Bénigne Winslow (1669–1760) war ein französischer Anatom dänischer Herkunft, der durch die detaillierte Beschreibung der „Bursa omentalis“ und des „Foramen epiploicum“ – auch „Foramen Winslowii“ genannt – bekannt wurde. Seine Werke prägten die anatomische Ausbildung im 18. Jahrhundert maßgeblich.
Biografische Daten
Winslow wurde 1669 in Odense (Dänemark) geboren und konvertierte später zum Katholizismus, was ihm eine Karriere in Frankreich ermöglichte. Er war Schüler von Joseph-Guichard Duverney und wurde Professor für Anatomie am Jardin du Roi in Paris. Winslow starb 1760 in Paris.
Wissenschaftliche Leistungen
In seinem Hauptwerk „Exposition anatomique de la structure du corps humain“ (1732) beschrieb Winslow zahlreiche Strukturen des Bauchraums systematisch. Besonders bekannt ist seine Beschreibung des:
– „Foramen epiploicum“ (heute: Foramen Winslowii)
→ die natürliche Öffnung zwischen der Bursa omentalis und der freien Bauchhöhle
→ begrenzt durch Leber, Vena cava inferior, Lig. hepatoduodenale (mit Ductus choledochus, Vena portae, Arteria hepatica)
Er erkannte die Bedeutung dieser Region für pathologische Prozesse wie Hernien und Entzündungsverschleppungen und legte den Grundstein für die moderne Peritonealanatomie.
Bedeutung in Radiologie, Anatomie und Chirurgie
Das Foramen Winslowii ist eine wichtige Struktur bei der bildgebenden Beurteilung des Oberbauchs, insbesondere bei:
– Pankreaserkrankungen
– Abszessen und freien Flüssigkeitsansammlungen
– Hernien durch das Foramen (seltene, aber chirurgisch relevante Fälle)
– intraabdominellen Raumforderungen
In der CT- und MRT-Diagnostik dient die Kenntnis dieser anatomischen Verbindung zur Lokalisation retroperitonealer Prozesse und zur Unterscheidung freier und abgeschlossener Flüssigkeitsräume.
Quellen und Literatur
Winslow JB. Exposition anatomique de la structure du corps humain. Paris, 1732.
Standring S (Hrsg.). Gray’s Anatomy. 42. Auflage. Elsevier, 2020.
Netter FH. Atlas of Human Anatomy. Elsevier, 2023.
Skandalakis JE et al. Skandalakis’ Surgical Anatomy. McGraw-Hill, 2004.

