Karl Freiherr von Rokitansky (1804–1874) war ein österreichischer Pathologe, Anatom und einer der führenden Vertreter der zweiten Wiener medizinischen Schule. Er führte über 30.000 Sektionen durch und prägte das Verständnis von Krankheit als systematische Organveränderung entscheidend mit.
Biografische Daten
Rokitansky wurde 1804 in Königgrätz (heute Hradec Králové, Tschechien) geboren. Er studierte in Wien und wurde später Professor für Pathologische Anatomie sowie Dekan und Rektor der Universität Wien. Er war Mitbegründer des Allgemeinen Krankenhauses in Wien als Lehr- und Forschungseinrichtung. Rokitansky starb 1874 in Wien.
Wissenschaftliche Leistungen
Rokitansky entwickelte eine systematische Methodik der Sektion und Pathologie. Er führte erstmals eine ganzkörperliche Organanalyse bei Obduktionen durch und legte damit den Grundstein für die moderne makroskopische Pathologie.
Nach ihm benannt sind unter anderem:
– das Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom (MRKH):
→ kongenitale Aplasie der Vagina und/oder des Uterus
→ klinisch relevant bei primärer Amenorrhö junger Frauen
→ darstellbar durch MRT oder transvaginalen Ultraschall
– die Rokitansky-Aschoff-Krypten:
→ mukosale Invaginationen der Gallenblasenwand
→ häufig bei chronischer Cholezystitis
→ sichtbar in Sonografie, CT oder MRT
– die Rokitansky-Lösung (postmortale Technik):
→ spezielle Methode zur Obduktion mit Organblockpräparation
Bedeutung in Radiologie, Gynäkologie und Pathologie
Rokitanskys Beobachtungen zur Anatomie kongenitaler Fehlbildungen sind bis heute Grundlage vieler radiologischer Klassifikationen.
Die MRKH-Diagnostik erfolgt typischerweise mittels MRT, unterstützt durch Sonografie oder Laparoskopie.
Auch in der Leber-, Gallenblasen- und Pankreasbildgebung finden sich regelmäßig Befunde, die auf seine histopathologischen Erstbeschreibungen zurückgehen.
Quellen und Literatur
Rokitansky K. Handbuch der pathologischen Anatomie. Wien, 1842–1846.
Oppelt P et al. MRKH syndrome – clinical presentation and imaging. Radiologe. 2005.
Netter FH. Atlas of Human Anatomy. Elsevier, 2023.
Standring S (Hrsg.). Gray’s Anatomy. 42. Auflage. Elsevier, 2020.

