
Jan Evangelista Purkinje (1787–1869) war ein tschechischer Physiologe, Histologe und Pionier der modernen medizinischen Forschung. Nach ihm sind die „Purkinje-Zellen“ im Kleinhirn sowie das „Purkinje-Fasersystem“ im Herzen benannt – zwei zentrale Strukturen in der Neuro- und Kardiophysiologie.
Biografische Daten
Purkinje wurde 1787 in Libochowitz (Böhmen) geboren und studierte Medizin in Prag. Er war Professor in Breslau und später an der Universität Prag, wo er das erste physiologische Institut in Mitteleuropa gründete. Er starb 1869 in Prag.
Wissenschaftliche Leistungen
Purkinje führte zahlreiche grundlegende Beobachtungen durch, darunter:
– Beschreibung der großen Nervenzellen der Kleinhirnrinde – heute als Purkinje-Zellen bekannt
– Entdeckung des Purkinje-Fasersystems im Herzen (Teil des Reizleitungssystems)
– Einführung des Begriffs Plasma für den flüssigen Anteil des Blutes
– Studien zur Vertikaldrehung des Auges (Purkinje-Effekt)
– Erste Verwendung eines Mikrotoms zur Herstellung von histologischen Dünnschnitten
– Anwendung von Farbstoffen zur Färbung von Geweben (Vorläufer moderner Histofärbungen)
Bedeutung in Neurologie, Kardiologie und Histologie
Die Purkinje-Zellen sind große, verzweigte Neurone der Kleinhirnrinde, die für die motorische Koordination essenziell sind. Sie sind histologisch leicht erkennbar und gelten als Indikator für cerebelläre Pathologien.
Das Purkinje-Fasersystem ist Teil des Herzleitungssystems und sichert die schnelle Erregungsleitung zur Ventrikelmuskulatur. Es ist relevant bei EKG-Befunden, Herzrhythmusstörungen und in der kardiologischen Bildgebung (z. B. MRT, CT, Echokardiografie).
Quellen und Literatur
Purkinje JE. Beiträge zur Kenntnis des Sehens in subjectiver Hinsicht. Prag, 1825.
Parent A. Jan Evangelista Purkinje and the foundation of neuroscience. Brain Res Rev. 2005.
Netter FH. Atlas of Human Anatomy. Elsevier, 2023.
Standring S (Hrsg.). Gray’s Anatomy. 42. Auflage. Elsevier, 2020.
