
Arvid Vilhelm Lindau (1892–1958) war ein schwedischer Pathologe und Neurologe, der durch seine grundlegende Beschreibung einer erblichen Multitumorerkrankung bekannt wurde. Gemeinsam mit dem Ophthalmologen Eugen von Hippel ist er Namensgeber des Von-Hippel-Lindau-Syndroms (VHL).
Biografische Daten
Lindau wurde 1892 in Malmö geboren und promovierte 1920 an der Universität Lund. In seiner späteren Tätigkeit als Pathologe untersuchte er insbesondere ZNS-Tumoren und vaskuläre Anomalien. 1926 veröffentlichte er seine wegweisende Habilitationsschrift über die systemischen Manifestationen einer Tumorerkrankung, die zuvor nur als Netzhauterkrankung beschrieben worden war. Er starb 1958.
Wissenschaftliche Leistungen
Lindau beschrieb erstmals die Kombination aus retinalen Hämangiomen, zerebellären Hämangioblastomen und Zystennieren als Ausdruck einer systemischen, erblich bedingten Erkrankung. Damit erkannte er die multisystemische Natur eines Syndroms, das heute unter dem Namen Von-Hippel-Lindau-Syndrom bekannt ist. Die genetische Ursache – eine Mutation im VHL-Tumorsuppressorgen auf Chromosom 3 – wurde erst 1993 entdeckt, doch Lindaus morphologische und klinische Beobachtungen waren Jahrzehnte voraus.
Bedeutung in der Radiologie und Neurologie
Das Von-Hippel-Lindau-Syndrom ist ein klassisches Beispiel für eine genetisch bedingte Multitumorerkrankung mit hoher radiologischer Relevanz. Typische Befunde sind:
- zentrale Hämangioblastome (Kleinhirn, Rückenmark)
- Phäochromozytome der Nebenniere
- zystische und solide Nierentumoren (v. a. Nierenzellkarzinome)
- Pancreas-Zysten oder neuroendokrine Tumoren
Diese Manifestationen sind durch CT, MRT und Sonografie gut detektierbar. Lindaus systemischer Krankheitsbegriff prägt bis heute das Screening und Follow-up bei VHL-Patient:innen – oft im Rahmen interdisziplinärer Radiologie-Onkologie-Boards.
Quellen und Literatur
Lindau A. Studien über Kleinhirncysten. Acta Pathol Microbiol Scand. 1926;3(Suppl 1):1–128.
Maher ER, Neumann HP, Richard S. Von Hippel-Lindau disease: a clinical and scientific review. Eur J Hum Genet. 2011;19(6):617–623.
Radiopaedia.org: Von Hippel-Lindau disease.
Netter FH. Atlas of Human Anatomy. Elsevier, 2023.
