
Otto Kahler (1849–1893) war ein österreichischer Internist und Kliniker, der durch die Beschreibung einer systemischen Plasmazellerkrankung bekannt wurde – des später nach ihm benannten Morbus Kahler, heute besser bekannt als Multiples Myelom.
Biografische Daten
Kahler wurde 1849 in Prag geboren und studierte Medizin an der Universität Prag. Dort wurde er 1882 Professor für Innere Medizin. Er war ein angesehener Lehrer, klinischer Diagnostiker und Autor mehrerer Beiträge in der Wiener medizinischen Schule. Kahler verstarb bereits 1893 im Alter von nur 43 Jahren in Wien.
Wissenschaftliche Leistungen
1889 beschrieb Kahler einen Patienten mit multiplen osteolytischen Läsionen, starker Plasmazellvermehrung im Knochenmark und charakteristischen Veränderungen im Blut und Urin – darunter die sogenannten Bence-Jones-Proteine. Diese Beobachtung gilt als erste systematische Beschreibung des Krankheitsbildes, das später als Morbus Kahler bezeichnet wurde. Seine Arbeiten trugen zur Differenzierung hämatologischer Erkrankungen bei und beeinflussten die spätere Entwicklung der Hämatoonkologie.
Bedeutung in der Radiologie und Inneren Medizin
Das Multiple Myelom ist eine der häufigsten malignen hämatologischen Erkrankungen. In der Radiologie spielen bildgebende Verfahren eine zentrale Rolle für Diagnose, Staging und Verlaufskontrolle – etwa durch Ganzkörper-Röntgen, Low-dose-CT, Ganzkörper-MRT oder FDG-PET/CT. Typisch sind multiple osteolytische Läsionen („Lochschädel“), Wirbelkörpereinbrüche und diffuse Markrauminfiltration. Kahlers Erstbeschreibung war wegweisend für die korrekte nosologische Einordnung dieser bis dahin unbekannten Entität.
Quellen und Literatur
Kahler O. Zur Kenntnis des multiplen Myeloms. Wien Med Wochenschr. 1889;39:641–646.
Kyle RA, Rajkumar SV. Multiple myeloma. N Engl J Med. 2004;351(18):1860–1873.
Dimopoulos MA et al. Imaging in multiple myeloma: Guidelines from the IMWG. Blood Cancer J. 2021;11(1):24.
Netter FH. Atlas of Human Anatomy. Elsevier, 2023.
